Teilnahmeklassen

Aus BCC Contest- & Technik-Lexikon
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Sollte man als „Einzelkämpfer“ oder als Teil einer Mannschaft (Mehrmannwertung) teilnehmen?

Diese Frage lässt sich gar nicht so leicht beantworten. Die Entscheidung, ob man sich allein oder gemeinsam mit anderen Funkfreunden in das Contestgetümmel stürzt, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Zunächst einmal wäre die Frage zu klären, ob es überhaupt noch gleichgesinnte Mitstreiter in meinem Club (gemeint ist hier der DARC-Ortsverband) gibt. Lautet die Antwort "Ja", kann darangegangen werden, weitere Details zu planen und zu organisieren. Der Vorteil einer Contestteilnahme in der Mehrmannwertung liegt unter anderem auch darin, dass sich die Belastungen für den Einzelnen in überschaubaren Grenzen halten lassen. Des Weiteren besteht die Chance, eine Platzierung zu erreichen, von der man als Einmannstation mit eher bescheidenen Möglichkeiten nur träumen kann. Und zu guter Letzt ist auch der Spaßfaktor nicht zu unterschätzen. Für die Teilnahme in einer Einmannkategorie spricht die Tatsache, dass man sich hier auch in Einbandwertungen einbringen kann und bei seiner Teilnahmeplanung nicht auf andere Rücksicht nehmen muss.


Warum gibt es unterschiedliche Teilnahme-Klassen?

Contest-Teilnehmer haben unterschiedliche Vorlieben, aber auch unterschiedliche technische und finanzielle Möglichkeiten. Einige möchten allein funken, andere sind gern Teil eines Teams. Einige können eine QRO-Station betreiben, andere funken barfuß oder mit QRP. Durch die unterschiedlichen Teilnahme-Klassen können alle Contester Spaß haben und sich mit ähnlich ausgerüsteten Stationen sportlich messen.

Welche Arten von Teilnahme-Klassen gibt es? (KW)

Das hängt vom konkreten Contest ab. Die Klassen des CQ-Worldwide-DX-Contests sind ein gutes Beispiel für eine sehr umfangreiche Liste möglicher Teilnahme-Klassen:

  • Single Operator High - Einmann, Maximalleistung 1,5 kWatt (oder in DL 750 Watt), kein DX-Cluster (oder Ähnliches) erlaubt.
  • Single Operator Low - Einmann, Maximalleistung 100 Watt, kein DX Cluster (oder Ähnliches) erlaubt.
  • Single Operator QRP - Einmann, Maximalleistung 5 Watt, kein DX Cluster (oder Ähnliches) erlaubt.
  • Single Operator Assisted - Einmann, Maximalleistung 1,5 kWatt (oder in DL 750 Watt), DX-Cluster (oder Ähnliches) erlaubt.
  • Multi Operator, Single Transmitter ("multi single" oder "MS") - beliebig viele Operatoren, nur ein Sende-Signal gleichzeitig in der Luft. Die anderen OP erholen sich oder suchen neue Multiplikatoren. Im CQ-WW-DX-Contest darf eine zweite Station die Multiplikatoren arbeiten.
  • Multi Operator, Two Transmitter ("multi two") - beliebig viele Operator, nur zwei Sende-Signale gleichzeitig in der Luft.
  • Multi Operator, Multi Transmitter ("multi multi") - beliebig viele Operatoren, beliebig viele Sender, nur ein Sende-Signal pro Band gleichzeitig in der Luft.

Außerdem bietet CQWW für Single-Operator-Klassen die Möglichkeit, neben einer "All-Band-Teilnahme" auch auf genau einem bestimmten Band teilzunehmen.

Welche Teilnahme-Klassen gibt es in UKW-Contesten?

In den meisten Wettbewerben wird lediglich zwischen "Einmann" bzw "Mehrmann" unterschieden, unterschiedliche Leistungsklassen gibt es in den großen bzw. internationalen Contesten nicht. Allerdings wird strikt nach Bändern getrennt ausgewertet, d.h. man muss getrennte Logs für z.B. 2 m und 70 cm einreichen. In der Einmann-Kategorie darf nur ein Funkamateur den gesamten Funkverkehr abwickeln, QSOs loggen und sämtliche zur Station gehörenden Einrichtungen und Antennenanlage bedienen. Bei Mehrmannbetrieb dürfen dies beliebig viele Funkamateure und SWLs tun.
In kleineren bzw. regionalen Contesten gibt es oftmals andere Teilnehmerklassen. So dürfen im VHF/UHF-Contest der AGCW nur Einmannstationen in CW teilnehmen, allerdings gibt es hier Teilnehmerklassen, die nach Ausgangsleistung unterschieden werden.

Was bedeutet "SOLP", "SOHP", "SOAB", "SOSB", "M/S", "M/2", "M/M", "SO2R" und "Assisted"

Das sind gängige (aber nicht unbedingt offizielle) Abkürzungen für die Teilnahme-Klassen:

  • SOLP - Single Operator Low Power
  • SOHP - Single Operator High Power
  • SOAB - Single Operator All Band
  • SOSB - Single Operator Single Band, oft mit dem gewählten Band, z.B. "SOSB/80" für Einmann-80 m
  • M/S - Multi/Single, in manchen Wettbewerben auch "MOST" bezeichnet (Multi Operator Single Transmitter)
  • M/2 - Multi/Two, in manchen Wettbewerben auch als "MO2T" bezeichnet (Multi Operator 2 Transmitter)
  • M/M - Multi/Multi
  • SO2R - Single Operator Two Radio. Dies ist in der Regel keine eigene Teilnahmeklasse, sondern eine besonders intensive Variante von Single Operator. Der Operator hat die Möglichkeit, während er auf einem Band CQ ruft, auf einem anderen Band nach neuen Stationen oder Multiplikatoren zu suchen und diese ggf. dort zu arbeiten. Neben den technischen Problemen, die es dabei zu meistern gilt, ist eine besondere Herausforderung, dass man simultan mit seinem rechten und linken Ohr verschiedene Signale hören und aufnehmen muss. Siehe auch an anderer Stelle in dieser FAQ.
  • Assisted - Diese Kennzeichnung bedeutet, dass der Single Operator durch DX-Cluster-Meldungen unterstützt wird. Weitere Personen oder Hilfsmittel sind zur Unterstützung nicht zugelassen.

Natürlich gibt es auch in einigen Contesten noch weitere Wertungsklassen, wie zum Beispiel

  • SO-CW - Single Op CW
  • SO-SSB - Single OP SSB
  • SO-MIX - Single Op Mixed

auch kombiniert mit Kategorien wie Rookie (Anfänger - weniger als 3 Jahre lizenziert) oder TB-WIRE - hier wird nur mit einer Drahtantenne und einer Dreibandantenne gefunkt (z.B. Dipol + FB33), also keine Monobandbeams. Oder beim IOTA-Contest: zusätzlich nach Betriebszeit (0-6 Stunden; 6-12 Stunden; mehr als 12 bis 24 Stunden QRV). Man sollte in jedem Fall die Ausschreibung genau lesen!

Was ist das/der "DX Cluster"?

Das/der DX-Cluster ist ein weltweites Computernetzwerk, in dem DX-Stationen gemeldet ("gespotted") werden. Es kann über Packet-Radio oder Internet erreicht werden. Ein Einstieg ist z.B. über Telnet zu db0sue-7.ath.cx, Port 8000. Web-Zugänge sind aktuell kaum noch üblich, lediglich DX-Summit OH2AQ ist nach wie vor aktiv.

In einigen Contesten wie dem WAG- oder dem WAE-Contest ist die Nutzung des DX-Clusters uneingeschränkt erlaubt. In anderen, meist US-Contesten, z.B. den ARRL- oder CQ-Contesten ist sie für die Teilnahmeklasse Single-OP strikt verboten. Dort gibt es "Assisted"-Klassen, die die Nutzung von DX-Cluster erlauben.

Ungern gesehen und teilweise sogar explizit verboten ist das Melden der eigenen Station im DX-Cluster, um die Aufmerksamkeit anderer Contestteilnehmer zu erlangen. Dies wird auch "Self Spotting" genannt.

In welcher Klasse soll ich teilnehmen?

Wenn man keine 750-Watt-PA hat, ist die Teilnahme in der Low-Power-Klasse eine attraktive Möglichkeit, weil man sich dann nicht mit den sicher lauteren Kilowatt-Stationen messen muss. Wenn man ein erfahrener QRP-Operator oder Contester ist, kann man die QRP-Klasse wählen. Der QRP-Operator weiß, wie er durchkommt, der Contester weiß es ebenso. Mit Dipol und 5 Watt kann man HC8N auf 80 m erreichen. Ein unerfahrener Einsteiger kann aber mit QRP leicht verzweifeln.

Wenn man nur über eingeschränkte Antennenmöglichkeiten verfügt, ist auch eine Einband-Teilnahme möglich. Eine Mono-Band-Groundplane ist schnell errichtet und schon eine gute DX-Antenne. Auch wenn man nicht 48 Stunden durchfunken kann oder will, ist eine Einband-Teilnahme, z.B. auf 80 m eine interessante Option.

Einige Conteste bieten auch Teilzeitklassen, wie der IOTA-Contest mit 12-Stunden "Halbzeit" und 24 Stunden "Vollzeit".

Letztlich stellt sich die Frage: Was ist mir wichtig - viele QSOs oder viele Punkte oder eine gute Platzierung?

  • viele QSOs: ich liefere anderen die Punkte - meine eigene Platzierung ist mir eher nebensächlich
  • viele Punkte: ich will möglichst alle Multis arbeiten und optimale QSO-Zahlen
  • gute Platzierung: hier kommt das Know-How ins Spiel - manchmal wähle ich einfach eine andere Wertungsklasse (Monoband, QRP, Low Power (= 100W)) und schon werden Sieg und Platz unter den Konkurrenten aufgeteilt.

So ist es erklärbar, dass man mit durchschnittlichen Antennen, relativ kleiner Leistung und fleissigem, durchgehendem Funkbetrieb plötzlich unter den Top-Ten von Europa landet. Das passiert in den etwas kleineren Contesten gar nicht so selten.