SO2R

Aus BCC Contest- & Technik-Lexikon
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(aus dem BCC-Handbuch, überarbeiten!)

Einleitung

SO2R (=Single Op 2 Radio) ist eine betriebstechnische Variante für Single OPs, die Leerlaufzeiten durch die Verwendung einer 2. Station nutzt um das Endergebnis zu optimieren. Da die Auslastung des OPs und die Hardware-Voraussetzungen individuell stark variieren, ist es schwierig ein Konzept zu entwerfen, das jeder Einzelsituation gerecht wird. Nicht selten führen erste SO2R-Versuche dazu, dass man sich »verzettelt« und der Contest besser verlaufen wäre, wenn man sich auf eine einzelne Station konzentriert hätte. Deshalb soll in erster Linie ein Überblick gegeben werden, wie man auf einfache Weise SO2R-Betrieb realisieren kann. Obwohl SO2R auf den ersten Blick vorwiegend bei großen Conteststationen verwendet wird, die aufgrund ihrer Ausrüstung auch ohne betriebstechnische Finessen Spitzenplätze belegen können, profitieren insbesondere auch kleinere Stationen und nutzen die Methode um standort- oder antennenbedingte Nachteile auszugleichen. SO2R sollte jedoch nicht der erste Schritt bei der Stationsoptimierung sein. Zunächst sollte geprüft werden, ob es Verbesserungspotential bei Sendeund Empfangsantennen, Transceiver, Antennenumschaltung, Stationsergonomie und Betriebstechnik gibt. Denn was nützt eine perfekte 2R-Strategie in einem DX-Contest, wenn man zu leise ist um mit der 2. Station Multiplikatoren zu arbeiten, das Lowband-QRN auf der Sendeantenne zu groß ist, für den CQ-160 m Contest kein schmales CW-Filter zur Verfügung steht oder beim Bandwechsel Koaxkabel hinter dem Stationstisch geschraubt werden müssen. Auf der anderen Seite sollte man sich aber auch nicht abschrecken lassen, da manchmal nur wenig Mehraufwand erforderlich ist, um sinnvollen 2R-Betrieb durchzuführen.

Pro und contra SO2R

Wann ist SO2R nun von Vorteil? Nehmen wir als Beispiel folgendes Szenario, wie es sich während des CQWW DX CW Contests ereignen könnte:

Es ist Samstag gegen 15:00Z, das dicht belegte 20 m Band öffnet sich gerade nach USA Midwest während auf 15 m mehrere Multiplikatoren aus der Karibik laut zu hören sind. Zwar möchte man unter keinen Umständen die gute QSO-Serie auf der ruhigen 20 m Frequenz aufgeben, andererseits könnten die Multiplikatoren bei nachlassenden Condx am nächsten Tag nicht mehr zu hören sein. Da die 20 m Antenne nur ein kleiner Tribander ist, bleibt die QSO-Rate allerdings niedrig genug um erhebliche Leerlaufzeiten während des CQ-Rufens entstehen zu lassen.

Dieses Dilemma lässt sich wie folgt umgehen, wenn eine 2. Station mit einer brauchbaren Antenne (z. B. einer 2-Element Yagi) zur Verfügung steht:

Die Zeit während des automatischen CQ-Rufs wird zur Multiplikator-Suche auf 15 m verwendet. Bleibt der eigene CQ-Ruf unbeantwortet und der gefundene 15 m Multiplikator geht auf Empfang, kann dieser angerufen werden. Im Idealfall wird das QSO schnell abgewickelt und der Run-Betrieb kann auf 20 m ohne größere Verzögerung fortgesetzt werden ohne dass die Frequenz verloren geht. Die 20 m Frequenz kann während des Multiplikator-Arbeitens beobachtet werden, um auf ein QRL? einer frequenzsuchenden Station reagieren zu können. Klappt das QSO nicht auf Anhieb, wird der Betrieb solange auf 20 m fortgesetzt, bis sich ein neuer, günstiger Moment ergibt. Man sollte das 2. Radio mit Rücksicht auf die Run Station verwenden um die Rate nicht zu verschlechtern. Steht jedoch viel Zeit zur Verfügung, können auch Nicht-Multiplikatoren auf dem 2. Radio angerufen werden. Hierbei ist es oft überraschend, wie enorm sich die QSO-Rate durch ein wenig Betrieb mit der Zweitstation verbessern lässt; in manchen Situationen mehr, als ein großer Beam bringen würde! Vorsicht ist geboten, wenn der 2R-Betrieb ergiebiger als der Run-Betrieb wird. Dann ist es höchste Zeit für einen Bandwechsel! Es kommt also auf die richtige Balance an, damit der eigentliche Betrieb nicht behindert wird und man nicht den Überblick verliert.

Folgende Einsatzmöglichkeiten für die 2. Station sind denkbar und hängen ab von den betriebstechnischen Möglichkeiten des OPs, der Stationsausrüstung und des Contests:

  • Überwachung anderer Bänder hinsichtlich Condx und neuer Multiplikatoren
  • Suchen einer neuen CQ-Frequenz oder einer freien Frequenz, um Multiplikatoren dorthin zu schicken
  • Suchen und Arbeiten neuer Stationen, insbesondere Multiplikatoren
  • gleichberechtigte 2. Station, die bestimmten Bändern zugewiesen ist und bei Bandwechsel übernimmt
  • gleichberechtigte 2. Station für alternierendes CQ-Rufen (insbesondere RTTY)
  • oder einfach nur um wach zu bleiben, die Konkurrenz zu beobachten und Spaß zu haben

All dies sollte richtig dosiert zu einer Verbesserung des Contestergebnisses führen!

Hardware

Wie zu Beginn angedeutet, hängt die eingesetzte Hardware davon ab, was mit SO2R erreicht werden soll und welche Conteste bevorzugt gefahren werden.

Vorsichtsmaßnahmen

Grundsätzlich wird ein Schutz des Empfängereingangs benötigt, der je nach Anwendung und Abstand der Antennen von einer einfachen Sicherung am Empfängereingang, über RX-Bandpassfilter (z. B. BCC-Preselektor) bis zu 100W-Bandpassfilter, Coax-Stubs und High-Power Bandpassfilter in der Antennenzuleitung reichen kann. Zunächst sollten alle Band- und Antennenkombinationen mit QRP durchgemessen werden, um die Stärke des Störsignals zu ermitteln. Achtung, auch mit 5 W Output und abgesetzter Antenne kann eine RXEingangsstufe durchbrennen! Insbesondere auch auf Masseschleifen, zu lange und unabgeschirmte Leitungen und schlechte Kontakte (insbesondere PL- und Cinch-Verbindungen) achten. Die resultierenden Probleme können sehr variabel (Einstrahlung, Störsignale, Gleichrichtereffekte) und schlecht zu lokalisieren sein.

Antennen

Der räumliche Abstand zwischen den Antennen sollte maximal sein, um Störungen zu vermeiden. Multibandantennen sind von Nachteil, da Nebenwellen auf den jeweils anderen Nutzbändern ungedämpft abgestrahlt werden. Antennen aus vielen Einzelteilen können aufgrund der mechanischen Übergänge Interferenz erzeugen, die schwer zu lokalisieren ist und sich mit Bandfiltern nicht beseitigen lässt. Dennoch kann auch bei kleinsten Antennenabständen, wie z. B. unmittelbar nebeneinanderliegenden Strahlern mit separater Speiseleitung SO2R mit hoher Sendeleistung möglich sein. Ein einfacher Multibanddipol kann im CQWW DX SSB eine enttäuschende Antenne für die 2. Station sein und evtl. sogar die CQ-Rate erheblich behindern, dagegen wird sie im CQWW WPX CW auf 40 m und 80 m viele zusätzliche EU-QSOs und -Präfixe bringen.

Antennenumschaltung

Hat bisher ein einfacher manueller Antennenschalter gereicht, müssen nun beide Stationen gleichermaßen Zugriff auf die vorhandenen Antennen haben. Neben den bekannten 6 × 2 oder 10 × 2 Matrixschaltsystemen ist eine gut erreichbare Umsteckleiste mit leistungsfesten BNC-Buchsen eine gute und bedienungssichere Alternative für den Selbstbau. Manchmal ist die Installation eines separaten kleinen Antennensystems für die 2. Station einfacher zu realisieren, als eine komplexe Antennenumschaltung im Shack. Eine andere Möglichkeit ist die strategische Verteilung der Antennen auf die beiden Stationen, sodass entweder immer das übernächste Band zur Verfügung steht, oder jeweils nur die High- oder Low-Band Antennen.

PTT Lockout

In den meisten Contesten ist sinnvollerweise nur ein einziges Signal zur selben Zeit erlaubt. Dies erfordert entweder eine akribische Disziplin des OPs, oder besser eine Lockout-Schaltung, welche nur ein einziges sendendes Radio zulässt, wobei hardware- oder softwaremässige Lösungen möglich sind. Bei einer einfachen Variante steuert das PTT-Signal des einen Radios ein Relais, welches die Tast- oder Mikrofonleitung des jeweils anderen Radios unterbricht. Hierbei handelt es sich um die sogenannte »Last-Win«-Situation. Das zuletzt angesteuerte Radio »gewinnt« die Sendeoption. Bei der »First-Win«-Situation kann das zuletzt angesteuerte Radio die laufende Sendung des ersten Radios nicht unterbrechen. Beide Varianten haben ihre Vorteile, die erstere lässt jedoch eine schnellere Reaktion auf Betriebssituationen, wie z. B. Rückfragen, zu.

NF Umschaltung

Spätestens jetzt stellt sich die Frage, wie intensiv SO2R-Betrieb durchgeführt werden soll. Wird das 2. Radio vorwiegend zur Beobachtung eingesetzt, kann bereits ein evtl. vorhandenes Spektrum-Display ausreichen, um eine Bandöffnung oder ihren Peak zu erkennen. Zum Suchen einer freien Frequenz oder gelegentlichen Beobachten von Stationen kann auch mit dem eingebauten Lautsprecher gearbeitet werden, da eine räumliche Zuordnung des von außerhalb des Kopfhörers kommenden NF-Signals gut möglich ist. In der Regel ist jedoch eine Verteilung der beiden NF-Zweige auf den Kopfhörer sinnvoll, wofür unterschiedlichste Lösungen, sowohl selbstgebaut oder kommerziell, denkbar sind:

  • manuelle Umschaltung: »Links«, »Stereo«, »Rechts«
  • automatische Umschaltung, PTT- oder softwaregesteuert
    • NF des jeweils anderen Radios auf beide Kopfhörerkanäle
    • NF des jeweils anderen Radios nur auf einen Kopfhörerkanal
    • jede denkbare andere Kombination, abhängig von Konzentration des OPs, CQ-Rate und Signalstärke der Gegenstationen

Kommerzielle SO2R-Controller

Mittlerweile sind diverse Controller erhältlich, wobei der Trend eindeutig in Richtung »All-in-One«-Lösungen geht. Es ist nicht nur die Steuerung der NF-Verteilung möglich, sondern teilweise auch die Variante der Lockout-Strategie, Radiosteuerung, CW-Interface und -Keyer, Voice-Recorder und RTTY-Interface bzw. -Soundkarte. Dies kann die Anzahl der benötigten externen Zusatzgeräte und Kabelverbindungen im Shack deutlich reduzieren. Auch ist hiermit eine komfortable Anpassung an verschiedenste Betriebssituationen durch eine Änderung des NF-Verteilungsmodus oder der Lockout-Priorität möglich. Auf der anderen Seite ist aber auch Vorsicht geboten, da die Installation komplex sein kann, insbesondere wenn die Station noch vor dem Contest aufgebaut wird. Hier sind Probleme vorprogrammiert, da im Falle eines Fehlers oder Defekts alle anderen Funktionen wie z. B. CW- und RadioInterface mit ausfallen können und auch HF-Einstrahlung ein häufiges Problem ist.

Eine einfache selbstgebaute Hand-Umschaltung im NF-Zweig kann auch für den fortgeschrittenen OP eine gute Lösung sein und ist nach 24 Stunden Contest oft besser zu bedienen als eine intelligente Vollautomatik.

Stationslayout und Software

Soll echter SO2R-Betrieb mit einer sendenden Zweitstation durchgeführt werden, muss zunächst zwischen 2 Stationskonfigurationen gewählt werden:

1-PC Variante
2 Transceiver, die durch einen einzigen PC gesteuert und je nach Präferenz mit einem einzigen oder 2 separaten Keyer/Mikrofonen verwendet werden. Hierbei erkauft man sich die mögliche Ersparnis von externen Geräten für beide Stationen mit einer erhöhten Stationskomplexität und der Notwendigkeit eines SO2R-Controllers, der zwischen den beiden Stationen hin und her schaltet. Voraussetzung ist eine Contestsoftware, die über Zusatzfunktionen zur Steuerung von 2 Radios sowie zur Kommunikation mit dem SO2R-Controller verfügt, damit die Umschaltung zwischen Radio, NF und QSO-Eingabefenster richtig koordiniert wird.
2-PC Variante
2 vollkommen unabhängige Stationen mit eigenem PC, Tastatur, CW-Keyer, Mikrofon usw. Der Aufbau gleicht einer Multi-Single oder Multi-2 Station, die räumlich so nebeneinander platziert ist, dass der OP

bequem Zugriff auf beide Stationen hat. Die PCs und die Contestsoftware werden hierzu wie beim Multi-OP Betrieb vernetzt, eine spezielle SO2R-Unterstützung ist nicht erforderlich.

Die Vorteile der ersten Variante sind die bequeme Sitzposition des OPs direkt vor dem PC, der in der Regel mittig zwischen den beiden Stationen angeordnet ist, sowie der Operating-Komfort durch die mögliche Automatisierung der Umschaltung zwischen den beiden Stationen. Die Lernkurve ist jedoch steil, die Tücke liegt im Detail. Beispielsweise hört man den eigenen CW-Mithörton nicht mehr, wenn die NF während der Aussendung vollständig auf das Zweitradio gelegt wird. Oder man identifiziert gerade die Seriennummer eines leisen Multiplikators, wenn die NF auf dem linken Ohr wieder auf das CQ-rufende Radio hinüberschwenkt und ein lauter Anrufer den Multiplikator im anderen Ohr übertönt bzw. der Cursor in das CQ-Fenster wechselt. Wird diese Betriebstechnik jedoch perfektioniert, ist sie sicherlich die eleganteste und effektivste Variante.

Die »2-PC Variante« ist weniger fehleranfällig und besser kalkulierbar. Jede Station hat eine eigene Tastatur und Keyer/Mikrofon, sodass jederzeit reagiert werden kann und Rufzeichen oder Nummernfragmente bequem eingetippt werden können, bis das QSO schließlich getätigt wird. Wählt man das »Last-Win« Verfahren, wird im schlimmsten Fall die Sendung des ersten Radios unterbrochen. Ansonsten behält man die vollständige Kontrolle über die Eingabe in der Software und den NF-Fokus. Man muss allerdings Platz für die erforderlichen 2 Tastaturen und CW-Paddles auf dem OP-Tisch einplanen und gelegentlich die Sitzposition dem überwiegend genutzten Radio wieder zuwenden.

Während bei letzterer Variante auch CT/DOS im Netzwerkmodus funktioniert, geht es bei der »1-PC Variante« nur noch mit den modernen Windows-Programmen wie z. B. Win-Test, Writelog und N1MM, die alle SO2R in unterschiedlichster Weise unterstützen, teilweise mit eigens konzipierten Zusatzgeräten. Eine Ausnahme ist TRLOG/DOS, das speziell für SO2R ausgelegt ist. Aufgrund seiner Stabilität hat sich für beide Varianten Win-Test bestens bewährt.

SO2R Techniken

Die übliche Vorgehensweise für SO2R ist der CQ-Ruf mit Radio 1 und das Suchen nach neuen Stationen mit Radio 2. Um die Station mit Radio 2 zu arbeiten wird entweder der richtige Augenblick (ohne Anrufer) an Radio 1 abgewartet, oder Radio 1 ruht solange, bis der Betrieb an Radio 2 beendet ist. Das CQ-Radio sollte stets Priorität haben, damit der eigentliche Contestbetrieb nicht behindert wird. Im Idealfall sollte der Zuhörer nicht bemerken, dass SO2R-Betrieb durchgeführt wird. Richtiges Timing und das Vermeiden von zu leisen und langsamen Stationen auf Radio 2 sind hierzu Voraussetzung.

In manchen Situationen kann alternierendes CQ-Rufen sinnvoll sein, z. B. wenn die QSO-Rate sehr niedrig ist und Search & Pounce keine neuen QSOs liefert. Durch das Einstreuen einiger kurzer CQ-Rufe auf einem anderen Band kann auch getestet werden, ob sich ein Bandwechsel lohnt. Je nach Stationslayout kann das 2. Radio dann einfach den Run-Betrieb übernehmen. Insbesondere in RTTY ist das alternierende CQ-Rufen wegen den langen Durchgängen sinnvoll und bei Top-Contestern üblich.

»Inverser SO2R-Betrieb«: Gelegentlich ist es produktiv mit einem Radio über das Band zu drehen. Dies geht am effektivsten mit 2 VFOs, zwischen denen immer dann gewechselt wird, wenn die Gegenstation noch im QSO ist. Dennoch können auch hier Leerlaufzeiten entstehen, die man durch einen kurzen CQ-Ruf mit Radio 2 auf einem anderen Band füllen kann. Hier ist jedoch höchste Vorsicht geboten, da der CQ-Ruf andere Stationen stören könnte. Dies funktioniert deshalb in der Regel nur auf 10 m oder 15 m, wo die CQ-Frequenz hoch genug im Band platziert werden kann.

SO2R in welchem Contest?

Für SO2R-Betrieb sind insbesondere geeignet:

  • Alle RTTY-Conteste, die SO2R erlauben. Aufgrund der langen Durchgänge und der damit erheblichen Leerlaufzeiten eignet sich RTTY ausgezeichnet für SO2R. Es ist durchaus üblich, auf 2 Bändern alternierend CQ zu rufen und zeitversetzt Stationen zu arbeiten.
  • Alle CW/SSB Conteste mit fixer Austauschziffer: z. B. CQWW DX und IARU HF.
  • Etwas schwieriger, aber dennoch sehr effektiv, ist SO2R bei variabler Austauschziffer: z. B. CQWW WPX, WAEDC, WAG, RDXC.

Im ARRL DX (DX side) findet man mit der 2. Station in der Regel nur die Big Guns, die oft bereits im Log sind. Ausnahme: 10 m/160 m bei schlechten Condx.

Anwendungsbeispiele

Beispiel 1

Vorhanden ist eine gut ausgerüstete Single-OP Station mit einem großen fullsize Tribander und einer abgesetzten Low-Band-Vertikal. Die Präferenz liegt bei DX-Contesten wie CQWW DX, CQWW WPX, ARRL DX und WAEDC. Im Shack ist neben dem neuen Transceiver plus Endstufe noch ein Drake TR7 als Ersatzgerät vorhanden. Dieser wird mit einem BCC-Preselektor kombiniert und an die jeweils nicht benutzte Antenne manuell angeschlossen um Bandöffnungen der Grenzbänder nicht zu verpassen, eine neue CQ-Frequenz auf den dicht belegten unteren Bändern zu suchen und den richtigen Moment zum Bandwechsel zu finden. Der OP fühlt sich bzgl. seiner OP-Strategie nun wesentlich sicherer, verliert keine Zeit bei unüberlegten Bandwechseln auf nicht offene Bänder und wechselt im richtigen Moment auf 10 m um mehrere Multiplikatoren in kurzer Zeit auf ihrem Peak zu arbeiten.

Beispiel 2

Der engagierte Nachwuchscontester betreibt einen kleinen TrapBeam auf dem Hausdach mit unmittelbar darunter hängenden Drahtdipolen für die unteren Bänder. Gegen den Contester aus Beispiel 1 hat er nie eine Chance, weil er in DX zu leise ist. Er ist jedoch ein leidenschaftlicher High-Speed Telegrafist und langweilt sich nicht selten während seiner mehrfachen erfolglosen CQ-Rufe. Er erwirbt einen IC735 plus SB220 günstig auf dem Flohmarkt und ergänzt seine Station nach der »2-PC Variante« mit selbstgebauten Coax-Stubs und einer einfachen NF-Umschaltbox. Da die Störungen zwischen den nahe montierten Antennen zu groß sind, errichtet er zu den großen Contesten im Garten jeweils einen Spiderbeam und eine HF2V 40 m/80 m Vertikal, die an die 2. Station angeschlossen werden. Das genügt um in CW einige zusätzliche QSOs und Multiplikatoren zu arbeiten, die ihn im CQWW WPX CW nahe an das Ergebnis vom Contester aus Beispiel 1 herankommen lassen.

Fazit SO2R ist nicht die erste Option, um die Leistungsfähigkeit der Station zu verbessern. Es existiert jedoch eine große Bandbreite an Möglichkeiten um SO2R zu betreiben. Die wenigsten OPs nutzen tatsächlich die automatisierte Variante mit Softwaresteuerung, SO2R Controller und Antennenumschaltung. Aber auch mit einfachen Mitteln lässt sich effektiver SO2R Betrieb durchführen.

Ein sinnvoller Beginn ist der Bau einer einfachen NF-Umschaltung und die Verwendung eines 2. Radios mit Preselektor an einer vorhandenen Antenne. Wann immer Leerlaufzeiten entstehen, kann auf dem 2. Radio gehört werden. Beispielsweise um den richtigen Zeitpunkt für einen Bandwechsel oder eine neue CQ-Frequenz zu finden. Vielleicht hört man auch nur dem Contester von nebenan auf einem anderen Band zu und ist beruhigt, dass es bei ihm nicht besser läuft. Wenn man mit dieser Betriebstechnik gut zurecht kommt, kann geplant werden, wie intensiv der SO2R-Betrieb auch sendeseitig durchgeführt werden soll.

Man sollte jedoch immer darauf achten, dass der eigentliche Contestbetrieb durch die 2. Station nicht gehemmt wird und dass man andere Stationen durch unachtsame Aussendungen nicht stört. Gerade bei SO2R muss Fair Play und ethisches Verhalten an vorderster Stelle stehen!

Referenzen

Folgende Online-Quellen sind möglicherweise für den angehenden und aktiven SO2R-OP hilfreich.

Bandfilter:

  • 100 W-Bandpassilter nach W3NQN [54]
  • 4O3A High Power Bandpassfilter [2]
  • Dunestar Model 600 100 W Bandpassfilter [20]
  • W3NQN/WXØB 100 W Bandpassfilter [6, 7]

Coax Stubs:

  • K2TR High Power Coax Stubs [37]

SO2R Präsentationen: Single Operator 2 Radio (SO2R) - A true challenge in Contesting [10]

  • Single-Operator Contesting with Two Radios [29]
  • SO2R RTTY Contesting with WriteLog [30]
  • Two Radio Presentation [65]
  • Using SO2R to increase operating time [52]

SO2R Produkte:

  • Basic SO2R Box [11]
  • K8ND [39]
  • Microham MK2R [41]
  • TopTen DX Doubler [21]
  • WXØB SO2R Master [8]



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Inhalt von der Contest-FAQ-Seite des BCC --> mit einarbeiten

Was versteht man unter "Single Operator Two Radio"-Betrieb?

Obwohl es hierfür keine eigene Teilnahmeklasse gibt, benutzen einige Contester zwei Transceiver simultan. Dies wird als "Single Operator Two Radio" oder "SO2R" bezeichnet. Typischerweise wird mit einem Transceiver im Running-Betrieb gearbeitet, während man mit dem anderen Transceiver über ein anderes Band dreht und nach Multiplikatoren sucht. Dies ist z.B. möglich, wenn der Computer an der Running-Station gerade einen CQ-Ruf morst. Der technische Aufwand ist beträchtlich. Man benötigt räumlich und HF-mäßig entkoppelte Antennen und Stationen. Die Herausforderungen an die Betriebstechnik und die Psyche des OPs sind fast noch größer. Man muss in der Lage sein, voll konzentriert zwei verschiedene Signale zu entziffern und richtig zu reagieren. Zum Anhören von SO2R hat K5ZD seinen WW-DX-Einsatz im Jahr 2005 mitgeschnitten und in 30-Minuten-Schnipseln auf seine Homepage gestellt <ref>Audio-Mitschnitte von K5ZD, CQWWDX 2005: https://k5zd.com/cq-ww-cw-2005/ in CW und https://k5zd.com/audio-2005-cq-ww-ssb/ in SSB</ref>.