Erfolgreicher SSB-Betrieb

Aus BCC Contest- & Technik-Lexikon
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(aus dem BCC-Handbuch, unbedingt überarbeiten und ausdünnen)

Betriebstechnik

In SSB-Contesten erfolgreich zu sein bedeutet

  • klar und eindeutig, knapp und präzise, der Situation angemessen zu sprechen,
  • auch unter schwierigen Umständen wirkungsvoll Rufzeichen und QSO-Nummern zu übermitteln, und
  • sich auf sein Gegenüber oder das Pile-up einzustellen und es so zu dirigieren, dass eine maximale QSO-Rate erreicht wird.

Grundregeln

Nicht nur in CW, auch in SSB gibt es eine Geschwindigkeit. Der erfahrene Operator weiß die Sprechgeschwindigkeit der Situation anzupassen. Bei leisen Signalenoder niedrigen QSO-Raten kommt es vor allem auf Deutlichkeit an. Wir wollen ja wirklich jeden erreichen, der über’s Band dreht - und so machen wir es ihm nicht schwerer als nötig. Menschen, die geringe Fremdsprachenkenntnisse besitzen, haben oft Probleme uns zu verstehen, wenn wir zu schnell und ohne Punkt und Komma sprechen. Deshalb: Klare Aussprache, richtige Betonung, deutliche Pausen zwischen den Wörtern und Einsatz von Sprachmelodie sind hier angesagt. Es ist z. B. ganz natürlich, dass am Ende eines Satzes die Stimme gesenkt wird. Dadurch signalisieren wir das Ende (des Satzes, des Rufzeichens, des Durchgangs). Anders bei einer Frage: Hier geht die Melodie eher nach oben, nicht nach unten. Nutzen wir diese natürlichen Elemente der Sprache um zusätzlich Informationen zu übertragen! Anders sieht es aus, wenn großer Andrang herrscht. Hier ist es notwendig, das Tempo anzuziehen, einerseits um schneller mit unserem Durchgang fertig zu sein, andererseits auch um die Gegenstationen zu motivieren, ähnlich schnell zusprechen. Beides spart Zeit, und in dieser Zeit lassen sich weitere QSOs fahren. In QRM-Situationen, wenn das Band recht belebt ist, schnell sprechen und dafür wiederholen. Die Situation ist hier oft so, dass bei der Gegenstation nur für 1-2 Sekunden Ruhe auf der Frequenz herrscht und wenn da die wesentlichen Informationen genannt werden, ist das QSO komplett. Ist die Ausbreitung sehr verhallt, (z. B. Umlaufecho auf 10 m) empfiehlt sich wiederum eine langsame, durch deutliche Pausen getrennte Aussprache. Sind bestimmte Stellen im eigenen Rufzeichen problematisch? Passiert immer wieder dasselbe? Manchmal ist ein Buchstabierwort für die Gegenstation einfach schwer verständlich, vielleicht liegt’s an unserer Aussprache? Abwechslung ist angesagt – und sei es nur beim Suffix.

Delta Lima six Romeo Alpha India Denmark London six Radio America Italy

Einige Buchstaben können in schwierigen Situationen leicht verwechselt werden, z. B. Alpha mit Delta und Oscar oder Echo mit X-Ray. Hier hilft das lange Buchstabieralphabet um Klarheit zu schaffen. Aber: Konsistent bleiben und nie innerhalb des Rufzeichens mit unterschiedlichen Buchstabieralphabeten arbeiten. Bei bestimmten, leicht verwechselbaren Zeichen ruhig von der Konventionabweichen und z. B. mal das R rollen lassen.

Fremdsprachen

Es ist mitunter hilfreich, wenn man auch in der Sprache der Gegenstation zurückkommt um etwas klar zu stellen. Aber es kann für die Gegenstation auch so verwirrend sein, dass die gut gemeinte Idee sich ins Gegenteil verkehrt. Besonders bei leisen Signalen, wenn die Gegenstation nicht damit rechnet, dass wir die Sprache wechseln, kann das fatal sein. Dann nimmt der andere englische Wortfetzen auf doch die Gegenstation spricht Deutsch. Die Sprache muss gut beherrscht sein, denn es ist damit zu rechnen dass die Gegenstation dann auch umschaltet und z. B. die laufende Nummer in dieser Sprache durchgibt oder eine Rückfrage hat. Wir können es üben und optimieren: Wie muss ich (bei angemessenem Signal) mein Rufzeichen sagen, damit die Gegenstation mich auf Anhieb aufnehmen kann? Idealerweise klappt das in allen Fällen, selbst bei etwas QRM, auf Anhieb, ohne Wiederholung. Das ist das Ziel, da müssen wir hin!

Search & Pounce

Ein paar Tips für S&P-Betrieb:

  • Bei großen Pile-ups einmal fest durchatmen und erst dann das eigene Rufzeichen einstreuen.
  • QSO-Information oder -Nummer nicht geben, bevor die Gegenseite das Rufzeichen richtig hat. Nur so haben wir noch etwas in der Hand.
  • Falls die Gegenstation das Rufzeichen nicht komplett aufgenommen hat, vor allem den Teil wiederholen, der fehlt.
  • Empfangene Rapporte werden grundsätzlich nicht wiederholt sondern nur quittiert. Hat man jedoch Zweifel, ob alles richtig verstanden wurde,so ist es legitim, nachzufragen – und zwar sofort und direkt, ohne dass man gleich seine QSO-Informationen durchgibt.

Am einfachsten geht das so:

zero zero three?

wobei wir die Sprachmelodie nutzen und die Stimme zum Ende anheben. Was wir nicht tun ist:

QSL the zero zero three from your side, your number is five nine one zero three four...

CQ Rufen

Deutlich und nicht zu schnell, mit einer gewissen Dringlichkeit sprechen. Es geht darum, Stationen anzulocken. Die sollen angezogen werden und dann auf Anhieb verstehen, wer da ist und was los ist. Den CQ-Ruf und die ganze Kommunikation ist auf das Wesentliche zu beschränken. Dass Contest ist, wissen eigentlich alle – wichtig ist, die Sendezeit möglichst effektiv zu nutzen und wesentliche Informationen, also beim CQ-Ruf vor allem das eigene Rufzeichen, zu übertragen. Ein angemessener CQ-Ruf auf Kurzwelle dauert selbst mit einem langen Rufzeichen weniger als 8 Sekunden, und sieht wie folgt aus:

CQ Contest from Delta Lima six Romeo Alpha India DLsix Romeo Alpha India

Ein schlechtes Beispiel:

CQ Contest CQ Contest from Delta Lima six RomeoAlpha India Contest

Im ersten Fall sind die Chancen um 50 % größer, dass die Gegenseite, das Rufzeichen komplett heraushört. In der gleichen Zeit wurde zweimal das Rufzeichen genannt. Kommt nun jemand zurück, sollten wir in der Lage sein, das Rufzeichen auf Anhieb und vollständig aufzunehmen. Nun hat nicht jeder ein so gutes Kurzzeitgedächtnis, das jedes Rufzeichen komplett hineinpasst. Deshalb empfiehlt es sich, nach jedem CQ-Ruf die Finger an der Tatstatur zu haben und sofort zu beginnen, das Rufzeichen der Gegenstation einzutippen. Selbst wenn wir nicht ganz fertig werden, kann man sich das Ende des Rufzeichens noch merken und es sich beim Zurückkommen sozusagen selbst diktieren. Nicht sinnvoll ist, das Rufzeichen der Gegenstation komplett zu hören, es sich zu merken und dann erst mit dem Eintippen zu beginnen. Erstens muss man sich länger konzentrieren und es passieren leichter Fehler und zweitens ist man zu langsam.

Das NATO-Alphabet und eine Alternative

Kommen wir nun zu den verschiedenen Buchstabieralphabeten. Die Puristen schwören auf das NATO-Alphabet, denn es ist gut, sicher und über Jahrzehnte erprobt. Aber es gibt Situationen, in denen man davon abweichen kann und muss. Zumindest müssen wir in der Lage sein, die Gegenstation sicher zu verstehen und bei »Canada« auch wirklich »C« und kein »K« zu loggen und bei »Yokohama« ein »Y« und kein »J«. Im Folgenden das NATO-Buchstabieralphabet sowie für jeden Buchstaben eine gebräuchliche Alternativform. Die zu betonenen Silben sind fett gedruckt.

Verweis auf Buchstabieralphabet

Buchstabieren mit Erfolg

Unkonventionelles Buchstabieren

Anrufende Stationen verwenden oft ein von der Konvention leicht abweichendes Buchstabieralphabet. Es empfiehlt sich grundsätzlich immer die gleiche Buchstabierung zu verwenden, damit die Gegenstation sicher sein kann, dass sie richtig verstanden wurde. Falsch (es entsteht ein Missverständnis):

CQ Contest from CN8WW

Japan America seven Xray Kilowatt Canada

Japan Alpha seven Xray Kilo Charlie you are five nine three three

Negative, negative - my callsign is Japan America seven Xray Kilowatt Canada

Japan Alpha seven Xray Kilo Charlie you are five nine three three

Negative, negative - my callsign is ...

Richtig:

CQ Contest from CN8WW

Japan America seven Xray Kilowatt Canada

Japan America seven Xray Kilowatt Canada you are five nine three three

OK you are five nine two five. Sayonara.

Nicht ausbuchstabieren

Um in den ersten hektischen Betriebsstunden des Contests möglichst schnell viele QSOs ins Log zu bringen, empfiehlt es sich – sofern man sicher ist – Rufzeichen nicht auszubuchstabieren:

CQ Contest from CN8WW

Kilo three Whiskey Whiskey

Kay three Double-U Double-U you are fivenine three three

Dieses muss sicher und natürlich klingen, damit tatsächlich die Gegenstation glaubt, dass man das Call korrekt aufgenommen hat. Das geht vor allem mit US-Stationen gut, teilweise auch mit Europa.

Kurze Durchgänge

Die Durchgänge sollten im heißen Pile-up-Betrieb extrem kurz gehalten werden und in einem bestimmten Rhythmus kommen. Die anrufende Menge muss zu jeder Sekunde wissen, ob man gerade in der QSO- oder in der QRZ-Phase ist. Festhalten an leisen oder unverständlichen Stationen (sofern man sicher ist, dass es kein seltener Multiplikator aus einer ungewöhnlichen Richtung ist) empfiehlt sich nur 2-3 mal, dann sollte man wieder zum QRZ übergehen. Andernfalls bringt dies den ganzen Rhythmus durcheinander und kostet QSOs, die man später nicht wieder einholen kann.

Kurzes QSO-Ende

Um die QSO-Rate weiter zu steigern, kann man ein QSO kurz mit »thanks« oder »thank you« beenden, ohne das eigene Call zu nennen. Dies sollte man maximal zwei- bis dreimal machen und dann wieder das eigene Call nennen. Durch das kurze Ende ist der erneute Einsatz des Pile-Ups nicht so hart, manche Anrufer bemerken erst nach einer Sekunde, dass die DX-Station wieder auf Empfang ist und in dieser Sekunde können die besonders schnellen und geschickten Anrufer durchschlüpfen.

Vereinfachte Aussprache

Nach vielen Stunden SSB-Betrieb wird das Aussprechen bestimmter Wörter oder Zahlen zur Qual. Kombinationen wie »th«, »nk« oder »kt« lassen sich dann nur noch mit Mühe aussprechen. Interessanterweise kann man diese vereinfachen, ohne dass dies der Gegenstation sonderlich auffällt. Also statt »three« kann man »tri« sagen, statt »five« einfach »fai«, statt »six« »sick«, statt »nine« »nai«. Das unhandliche »Victor« wird zu »Vicor«, aus »Charlie« wird »Charie« und »thanks« wird zu »tanks«. Es lassen sich noch viele weitere Beispiele finden, hier muss man selber etwas Kreativität entwickeln.