Netzwerktechnik

Aus BCC Contest- & Technik-Lexikon
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(aus dem BCC-Handbuch; überarbeiten und mit Grafiken versehen)

Die Vernetzung von Computern spielt nicht nur bei Multi-Operator-Stationen eine Rolle; Grundkenntnisse sind auch hin und wieder bei Single-OP-Betrieb nützlich (z. B. DX-Cluster-Konfiguration oder SO2R-Betrieb mit zwei Computern).

Die heute verbreitetste Netzwerktechnik basiert auf 10Base-T Verkabelung die sternförmig über Switches mit den Endgeräten verbunden sind. Nur selten findet man noch 10Base-5 Ringverkabelung auf Basis 50 Ω-Koaxialkabel (RG-58), häufiger dagegen drahtlose Netzwerke nach dem WLAN-Standard IEEE 802.11.

Die Nutzung echter Kabel für die Vernetzung hat viele Vorteile:

  • Vorkonfektionierte Kabel von 3 m bis 50 m Länge sind günstig und in guter Qualität verfügbar.
  • Die Netzwerkstruktur ist transparent und leicht überprüfbar. Ist die Verbindung elektrisch hergestellt und sind die Netzwerkkarten aktiv, leuchtet in den meisten Fällen eine Link-LED am Netzwerkanschluss und/oder am Switch.

Ungünstig ist jedoch die Wirkung der Netzwerkkabel als Antennen (EMV). Hier ist es manchmal notwendig zu verdrosseln. Masseverbindungen führen gelegentlich zu Brummschleifen, was sich insbesondere bei SSB-Betrieb negativ auswirken kann.

In dieser Hinsicht gibt es mit den bei Notebooks verbreiteten WLAN-Schnittstellen keine Probleme. WLAN-Netze befinden sich meist im im 2,5 GHz-, gelegentlich im 5 GHz-Bereich – also weitab vom Kurzwellenbereich. Ob die Nähe zum 13 cm-Amateurfunkband ein Problem darstellt kann der Autor mangels Erfahrung nicht beurteilen.

Nachteilig ist die manchmal etwas komplexere Konfiguration von WLAN-Netzen. Aufgrund geltender Rechtslage sollte man heute keine WLAN-Netze mehr ohne Verschlüsselung betreiben. Sinnvollerweise wählt man die stärkste Verschlüsselung, also das Verfahren WPA2 und wählt ein komplexes, möglichst langes Passwort. Dieses Passwort muss allen teilnehmenden Stationen bekanntgemacht werden, d. h. bei Verbindungsaufnahme mit dem WLAN-Netz eingetragen werden. Einmal eingegeben wird das Passwort im Netzwerkprofil abgespeichert und steht künftig immer zur Verfügung.

Sinnvoll und pflegeleicht ist der Einsatz eines WLAN-Routers – selbst dann, wenn kein Internet-Zugang besteht. Der Router kümmert sich um die Vergabe von IP-Adressen mittels DHCP (Dynamic Host Configuration Protocol). Die Teilnehmer melden sich dann am Netzwerk an wie an einem üblichen WLAN Access Point und erhalten eine IP-Adresse, typischerweise aus dem Bereich 192.168.1.x, wobei x eine beliebige Nummer zwischen 1 und 254 ist. Der Router hat ebenfalls eine Adresse aus dem gleichen Netzwerkbereich, typischerweise die 192.168.1.1 oder 192.168.1.254.

Verfügt man über keinen Router, so muss die Netzwerkkonfiguration von Hand durchgeführt werden, was zwar grundsätzlich möglich ist, aber erweiterte WLAN- und Netzwerkkenntnisse voraussetzt und über den Horizont dieses Beitrags hinausgeht.

Typische Probleme auf die man mit WLAN stößt sind Nachbarkanalstörungen durch andere WLAN-Netze im gleichen Haus sowie sehr niedrige Übertragungsraten oder sogar Verbindungsabbrüche wenn die beteiligten Stationen immer wieder zwischen verschiedenen Übertragungsstandards hin- und herschalten (802.11b/g, 802.11n). Empfehlenswert ist dann, versuchsweise den Kanal zu wechseln bzw. den WLAN-Mode am Router fest einzustellen. 802.11b/g ist für Amateurfunkanwendungen von der Bandbreite her völlig ausreichend (54 MBit/s). Die Netzwerkverbindung kann mit verschiedenen Mitteln getestet werden. Zunächst stellt man fest ob die Netzwerkkarte bzw. WLAN-Karte korrekt konfiguriert ist. Hierzu dient das Programm ipconfig, das man auf der Kommandozeile im DOS-Fenster aufruft.

C:\> ipconfig /all

Die Ausgabe des Programms zeigt die eigene IP-Adresse, die Subnetzmaske und das Standardgateway für alle eingebauten Netzwerkadapter. Sind keine Adressen vergeben oder sind die Adressen aus dem Bereich 169.254.x.x (sog. APIPA-Bereich; Automatic Private Internet Protocol Addressing) dann wurde keine Adresse vom DHCP-Server erhalten. Der nächste Test nutzt das Ping-Kommando um Testpakete an eine andere Adresse zu senden, vorzugsweise an das Standardgateway, also den Router, denn der ist in jedem Fall erreichbar:

C:\> ping 192.168.1.254

Erhalten wir eine Antwort, so wird die Laufzeit im Millisekunden ausgegeben. Diese sollte im einstelligen Bereich liegen, typisch sind 1–5 ms. Gibt es gelegentliche Ausreißer oder verlorene Pakete, so liegt eine Störung im Netzwerk vor. Erhalten wir gar keine Antwort, so liegt ein grundsätzliches Problem vor. Entweder haben wir keine Adresse erhalten, die Verbindung ist unterbrochen oder die Stromversorgung des Routers abgeschaltet.

Als nächstes suchen wir uns die IP-Adresse eines zweiten Rechners im Netzwerk, beispielsweise 192.168.1.2. Auch dieser läßt sich meistens »anpingen«. Gelegentlich verhindern Firewall-Einstellungen, dass unsere Testpakete ankommen.

Besteht über den Router eine Internetverbindung, so sollten sich nun auch IP-Adressen im Internet erreichen lassen.

C:\> ping darc.de

Waren die bisherigen Tests erfolgreich, so ist der letzte Schritt die Einrichtung des Contest-Logprogramms. Dieses muss im Normalfall noch an die Gegebenheiten im Netzwerk angepasst werden. Für Win-Test findet man die entsprechenden Einstellungen unter »Optionen | Schnittstellen konfigurieren... « im Abschnitt »Ethernet«. Hier muss der Haken bei »Ethernet-Netzwerk aktivieren« gesetzt sein und die sog. Broadcast Adresse sowie die Portnummer für die Kommunikation eingetragen werden. Bei einfachen Netzwerkkonfigurationen ist hier im Normalfall ein Klick auf »Voreinstellung« ausreichend. Bei komplexeren Konfigurationen (z. B. mehrere Netzwerkkarten im PC) führt der Weg an einer manuellen Konfiguration ggf. nicht vorbei. Unter Annahme obiger IP-Adressen lautet die Broadcast Adresse 192.168.1.255 und als Portnummer nutzt man den Win-Test Standardport 9871. Die gleichen Einstellungen gelten auch für wtDxTelnet.

Sind alle Einstellungen im Logprogramm durchgeführt kann die Kommunikation mithilfe der Netzwerkfunktion Gab (<ALT>-G) getestet werden. Ein praktisches Kommando bei Win-Test ist auch das Kommando INV (im Rufzeichenfeld eingeben). Es listet alle am Netzwerk angeschlossenen Win-Test-Stationen mit der jeweiligen Software-Version auf.

Noch ein paar Tips:

  • Einstellungen für einen Contest an einer Station vorbereiten und dann per Netzwerk an die anderen Stationen übertragen. Dann braucht man idealerweise nur noch die Stationsnummer eintragen und es kann losgehen.
  • Aus dem Netzwerk genügt normalerweise eine Verbindung mit dem DXCluster, die DX-Spots werden – bei entsprechender Konfiguration – an alle Stationen im Netzwerk gemeldet. Bisweilen ist eine Verbindung zu einem zweiten DX-Cluster hilfreich, da nicht alle DX-Spots gleichermaßen im weltweiten DX-Cluster-Verbund verteilt werden.
  • Manche SmartPhones können als WLAN-Router mit Internet-Zugang genutzt werden.