Erfolgreicher CW-Betrieb

Aus BCC Contest- & Technik-Lexikon
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(aus dem BCC-Handbuch, unbedingt überarbeiten und ausdünnen)

Betriebstechnik

Der große Vorteil der Betriebsart CW im Contest ist die geringere Beeinträchtigung durch QRM – vorausgesetzt man verfügt über entsprechende CW-Filter. Durch die begrenzte Bandbreite von CW finden selbst in einem schmalen Bandsegment wie dem 40m-Band sehr viele Stationen nebeneinander Platz. Auch ist die Sendeleistung bei Telegrafie nicht ganz so entscheidend, korrektes Timing, Aufmerksamkeit und Konzentration werden hier besser belohnt als beim SSB-Betrieb. Heute wird Morsetelegrafie weitgehend aus dem Contestprogramm direkt erzeugt. Nur wenige OMs greifen noch zur Morsetaste und dann nur, wenn eine besondere Situation es erfordert. Viele brauchen nicht mal mehr das, sondern nutzen dann den sog. Keyboard-Modus.

Der CQ-Ruf

Auch bei Telegrafie gilt: Die Geschwindigkeit sollte der Situation angepasst sein. Ist das Band voll von Stationen, so sollte man sich kurz fassen, also z. B.:

TEST DL6RAI DL6RAI

Mit der Geschwindigkeit sollte man nicht übertreiben. Üblicherweise werden im Kurzwellen-Contest 160 BpM (32 WpM) verwendet, wenn es sehr hektisch ist (z. B. am Anfang oder kurz vor Schluss), dann geht es hinauf bis Tempo 200 (40 WpM). Die Geschwindigkeit hängt auch etwas vom Abstand zum Bandanfang ab. Am Bandanfang geht es meist schneller zu als weiter oben. In ruhigeren Zeiten, z. B. am Sonntagmorgen, nachdem der Contest schon 30 Stunden gelaufen ist läßt man es etwas gemütlicher angehen – man will ja die nicht so geübten OPs, die vielleicht nur am Sonntagvormittag funken, auch ins Log bekommen. Tempo 140 BpM (28 WpM) und ein etwas längerer CQ-Ruf sind dann angemessen.

CQ DL6RAI DL6RAI TEST

Auf den Low Bands, insbesondere auf 160 m, sowie auf UKW gibt man grundsätzlich langsamer, 120–150 BpM (24–30 WpM) sind dort üblich.

Konzentration auf den Anrufer

Nach jedem CQ-Ruf haben wir die Finger an der Tastatur um mögliche Anrufer sofort aufzunehmen. Kommt ein Anrufer zurück, so darf nach seinem Durchgang keine halbe Sekunde vergehen, bis wir auf Sendung sind. Andernfalls fühlt sich der Anrufer genötigt sein Call nochmals durchzugeben, was zu einer Verzögerung im Ablauf führt. Wer nicht schnell genug Tippen kann, muß deshalb die Rufzeicheneingabe kurz unterbrechen, mit seinem Durchgang beginnen, und danach erst das Rufzeichen vervollständigen.

D L 6 R <INS> A I

Nach dem Drücken der Insert-Taste (ich gehe hier von Win-Test aus, wo man mit Insert den CW-Durchgang startet) beginnt das Programm mit dem Senden des Rufzeichens und bis es beim »R« angekommen ist, haben wir das Call komplettiert. Dies setzt natürlich voraus, dass wir in der Lage sind, das Rufzeichen der Gegenstation mit einem Mal vollständig und korrekt aufzunehmen, gleichgültig mit welchem Tempo oder in welcher Tonlage es gegeben wird. Liegt jemand weit neben der Frequenz so drehen wir sofort mit der RIT auf das Signal.

Search & Pounce

Beim S&P Betrieb passen wir uns dem Tempo der Gegenstation an. Ruft jemand mit 200 BpM (40 WpM) CQ, dann kann ich davon ausgehen, dass er dieses Tempo beherrscht und kann ebenfalls mit 200 BpM zurückkommen. Auch hier, wie bei SSB, empfiehlt es sich, den eigenen Rapport erst dann zu geben, wenn die Gegenstation das Rufzeichen korrekt aufgenommen hat. Das setzt zwar manchmal etwas Nervenstärke voraus, bewahrt einen aber vor der Situation, nicht korrekt im Log der Gegenstation zu sein. In der heutigen Zeit der elektronischen Log-Auswertung werden solche QSOs vom Contest-Auswerter erkannt und teilweise mit Strafpunkten aus dem Log gestrichen:

CQ TEST KH6XX KH6XX K

DL6RAI

DL6RII 5NN31

DL6RAI DL6RAI

DL6RAI 5NN31

QSL UR 5NN14

TU KH6XX

In dem Moment wo die Gegenstation mein Call einmal korrekt aufgenommen hat, darf es nicht mehr wiederholt werden sondern ich sende nur noch eine Bestätigung – QSL ist schön redundant, ein einzelnes R geht dagegen sehr leicht unter – und gehe zum Rapport über. Wiederhole ich dagegen mein Rufzeichen nochmals, so könnte die Gegenstation davon ausgehen, dass es immer noch falsch ist. Im CW-Wettbewerb werden häufig Ziffernabkürzungen verwendet. Jeder kennt 5NN statt 599. Es folgt eine Übersicht über gängige Ziffernabkürzungen in CW.

Abkürzung ZifferAbkürzung ZifferTØE5A1D8U2N9

Abkürzungen für die Ziffern 3, 4, 6, und 7 sind unüblich.

Bei laufenden Nummern wird die führende Null fast immer als »T« gegeben. Bei gängigen Contestprogrammen kann man einstellen, ob eine führende Null gesendet werden soll. Das Weglassen ist erfahrungsgemäß irritierend und bringt kaum Vorteile. Gängige Praxis ist auch, das »5NN« etwas schneller zu geben und die laufende Nummer dann wieder im Normaltempo oder sogar langsamer. Mich persönlich irritiert das eher als es nützt und ich mache es deshalb nicht.

Im Pile-Up

Ist man selbst eine begehrte Station und ist das Pile-Up sehr dick, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Tempo soweit anheben, bis sich die Zahl der Anrufer ausdünnt. Wir selber müssen dabei sicher und fehlerfrei geben.
  • Souveränen und flotten Betrieb hinlegen. Der QSO-Rhythmus muss für alle jederzeit nachvollziehbar sein, d. h. jeder muss immer wissen, in welcher QSO-Phase wir gerade sind.
  • Keine halben Rufzeichen senden, Fragezeichen vermeiden, möglichst immer mit kompletten Calls zurückkommen.
  • Auf den Low-Bands empfiehlt sich bei starkem Andrang und QSO-Rate unter ca. 100QSOs/Stunde das Rufzeichen der aufgerufenen Station am Ende des Durchgangs (wenn der Chor der Rufer langsam verhallt) zu wiederholen. Damit ist klar, wer jetzt dran ist.
  • Auf 80 m und 160 m sollte das Tempo eher um 120–150 BpM (24–30 WpM) gewählt werden, außer es herrscht großer Andrang und die Signale sind laut.

CW-Skimmer und RBN

Mit der Erfindung von CW-Skimmer und dem darauf aufbauenden Reverse Beacon Network (RBN) ist eine neue Ära für CW-Conteste eingeleitet worden. Die anfänglich kritischen Stimmen sind verstummt und erfolgreiche Stationen nutzen heute dieses Mittel, um über eine ständig aktualisierte Band Map zuverfügen. RBN ist ein bisschen wie »Big Brother« – kein CW-Signal, das irgendwo auf der Welt zu hören ist entgeht ihm. Das ist zunächst sehr positiv und man kann es leicht testen: Selber 1–2 Mal CQ gerufen und schon ist man »gespottet«. Der Skimmer hat allerdings Schwierigkeiten mit manuell erzeugter Telegrafie, d. h. manche Stationen werden dennoch nie dort auftauchen. Die Anzahl und Dichte der Meldungen ist während eines Contests so groß, dass sie unmöglich direkt vom Operator ausgewertet werden kann. Gängige Contest-Programme wie Win-Test helfen dabei, die Datenflut sinnvoll zu filtern.

Aufgrund der frequenzmäßig oft sehr nahe beieinander liegenden Meldungen kommt es vor, dass eine Meldung erscheint und nach wenigen Sekunden durch eine andere Meldung überschrieben wird. Es empfiehlt sich die Spot-Bandbreite möglichst schmal (200 Hz oder sogar 0 Hz) zu wählen. Mit fortschreitendem Contest ist der Effekt zu beobachten, dass scheinbar immer häufiger falsche oder verstümmelte Rufzeichen gemeldet werden. Dies steigert sich bis zum Contestende hin immer weiter. Die Erklärung dafür ist, dassdie meisten gemeldeten Calls bereits geloggt sind und deren Anzeige deshalb unterdrückt wird. Der Anteil der offensichtlichen Fehlermeldungen nimmt dadurch überdurchschnittlich zu, weil gerade diese natürlich nicht ausgeblendet werden. Der Einsatz von Skimmer und RBN ist also in dieser Hinsicht mit Vorsicht zugenießen. Gute Kenntnisse über Rufzeichenstrukturen und Ausbreitungsbedingungen helfen, die fehlerhaften Spots zu identifizieren. Am Ende ist zum Glück – immer noch das Gehör des Operators gefragt.