Betriebstechnik

Aus BCC Contest- & Technik-Lexikon

Grundlagen

(aus dem BCC-Handbuch, unbedingt überarbeiten und ausdünnen)

Im Contest geht es darum, so viele QSOs in einer vorgegeben Zeit wie möglich zu machen. Das heißt, die QSOs müssen so kurz wie möglich sein. Jede überflüssige Information verringert das Ergebnispotential, aber auch jede nicht gegebene Information, etwa wenn die Station, die auf der Frequenz weiterarbeitet, aus vermeintlicher Zeitersparnis ihr Rufzeichen nicht nennt und lediglich mit einem TU oder »dit dit« das QSO beendet. Dadurch werden Dupes oder Nachfragen provoziert. Im Zweifelsfall wird man die Station nämlich arbeiten. Dupes zuloggen ist kein Problem, sie werden halt einfach nicht gewertet. Aber sie kosten Zeit – für beide Stationen. Deshalb macht es auch absolut keinen Sinn, mit einer anderen Station über Dupe oder nicht Dupe zu diskutieren. Entweder das QSO war vorher von einer der beiden Stationen nicht richtig geloggt dann macht es Sinn, das QSO erneut zu loggen. Wenn es tatsächlich schon korrekt geloggt war, dann hat erneutes Loggen keine Auswirkung auf das Ergebnis. Die Diskussion hätte wegen der Zeitverschwendung diese Auswirkung schon. Das QSO muss korrekt geloggt sein. Durch die UBN-Auswertung haben sich schon manche Verschiebungen der Platzierung ergeben. Es kommt darauf an, ein geschultes und geübtes Gehör zu haben aber auch ohne zu »Schmieren« morsen und sprechen zu können. In vielen Contesten ist Cluster-Betrieb erlaubt. Den Meldungen kann man aber nicht vorbehaltlos vertrauen. Die Gefahr ist einfach zu groß, einen Hör- oder Schreibfehler eines anderen zu übernehmen und das passiert öfter als man sich auf den ersten Blick vorstellen kann. Die Station muss auf den bevorstehenden Contest eingerichtet sein. Die Möglichkeiten sind dabei natürlich oft arg begrenzt. Aber dann kann man sich zum »Gewinnen-wollen« auf solche Conteste konzentrieren, zu denen die Station passt. Für lokale bzw. Europa-Conteste braucht man nicht unbedingt hohe Monsterantennen. Mit einem Mehrelement 40 m-Fullsize-Beam wird man im Weihnachtscontest nicht sehr erfolgreich sein können. Niedrige Antennen haben einen steileren Abstrahlwinkel und produzieren in DL oder in EU bessere Signale als gestockte KW-Beams. Manche Conteste bieten Teilnahmeklassen für eingeschränkte Antennen an. Mit dem Transceiver muss der OP natürlich vertraut sein. Bei Multi-Op Betrieb ist das gar nicht so selbstverständlich. Zusatzgeräte wie Sprachrecorder oder automatische Antennenumschaltung können sehr hilfreiche Einrichtungen sein, sofern sie auch bediensicher sind. Ein ergonomisch eingerichteter Operator Platz beugt zu schneller Ermüdung vor, und eine gewisse Planung des Ablaufs, von den Bandöffnungen bis hin zur Planung der Schlafperioden sind für ein optimales Ergebnis unerlässlich. Eines der wichtigsten Werkzeuge ist das Logging-Programm. Der PC kann heute weit mehr als nur die Routinearbeit abnehmen, sondern dem Operator auch wertvolle Entscheidungshilfen für die Umsetzung der gewählten Strategie geben. Waren anfangs Contestprogramme nur mehr oder weniger komfortable QSO-Editoren mit eingeschlossenem Dupecheck, so sind sie heute zu regelrechten Contest-Management-Programmen geworden. Ständige Anzeigen der QSO-Rate und der Multiplikatorwertigkeit bis hin zu Bandmaps und Radio- oder Rotorsteuerung helfen dem Operator seinen Betrieb ständig zu optimieren und seine Entscheidungen den sich laufend verändernden Bedingungen anzupassen. Wie mit dem Radio muss man auch bei der Software mit den Funktionen vertraut sein, wenn man sie wirkungsvoll nutzen will. Aber gibt es da nicht genügend Conteste zum Üben? Wenn der PC die Routinearbeit abnimmt, entsteht natürlich Freiraum um die Betriebstechnik weiter zu entwickeln und zu verbessern. Single-Operator 2 Radio (SO2R) ist daraus entstanden. SO2R-Betrieb fordert ein Höchstmaß an Konzentration und technischer Ausstattung, kann aber mit zweimal Low Power den Kilowatts durchaus Paroli bieten. Die Einführung von Bandwechselbeschränkungen in manchen Contesten wird diesen Trend nicht aufhalten, sondern die Weiterentwicklung für den SO2R Betrieb auf ein und demselben Band stimulieren.

Planung und Strategie

(aus dem BCC-Handbuch, unbedingt überarbeiten und ausdünnen)

Eine gute, professionelle Planung eines Contesteinsatzes ist bestimmt kein Luxus oder Gaudi die ich mir leiste, sondern wird meine Wirksamkeit um Einiges erhöhen. Aber was soll ich denn da groß planen, wenn ich nur möglichst viele QSOs mit möglichst vielen Ländern arbeiten muss? Der Ansatz liegt bei »möglichst vielen« und den beiden Faktoren in der Gleichung: Score = QSO x Multiplikatoren. Bei 6-Band-Betrieb sind das schon 12 Faktoren. Alleine diese 12 Faktoren zu optimieren kann der Zufall nicht, höchstens die Evolution. Aber die braucht dafür Jahrmillionen. Ich muss das also selbst in die Hand nehmen. Wenn ich bei Allband-Betrieb mehr oder weniger der MUF folgen muss, um das optimale Band zu nutzen, werde ich bei Singleband-Betrieb nur der Sonne folgen müssen, um die Öffnung in die verschiedenen Gebiete der Erde maximal zu nutzen. Bei Singleband-Betrieb habe ich einen Freiheitsgrad weniger, was die Optimierung einfacher macht. Das verpflichtet mich aber dann dazu, alles auf diesem Band zu arbeiten was auftaucht. Es darf keine Entschuldigung geben, einen Multiplikator nicht gearbeitet zu haben, schon gar nicht, wenn der Konkurrent ihn hat. Es waren 48 Stunden ungeteilte Zeit und Gelegenheit. Ich muss mich auf einen Marathon einstellen. Natürlich muss ich das Band, das ich mir ausgesucht habe, gut kennen. Ich sollte Experte auf diesem Band sein. Ich muss wissen:

  • Zu welchen Zeiten sind Peaks in welche Gebiete zu erwarten?
  • Wann überhaupt ist mit Öffnungen zu rechnen?
  • Wie stark werden die Signale zu erwarten sein, die ich zu suchen habe?
  • Welche Vorzugsfrequenzen werden von welchen Ländern/Sprachgruppen verwendet?
  • Welche raren Stationen sind regelmäßig und vorzugsweise auf diesem Band, und zu welcher Zeit?
  • Welche Charaktereigenschaften hat das Band, und wie kündigen sich Wechsel in den Ausbreitungsbedingungen an?

Bei der Frage nach der Bandöffnung sind neben Erfahrung das Planungsprogramm »PP« [56] des BCC eine ausgezeichnete Hilfe. Auf der Basis dieser Zahlenwerte kann für jedes Band eine Bandöffnungskurve zu den wichtigsten Gebietenauf einem DIN A4 Blatt erstellt werden. Die Kurven der verschiedenen Funklinien, dargestellt in verschiedenen Farben, größere Signal zu Rauschabstände als Verbreiterung schraffiert, long path als negativen Kurvenlauf, ergeben ein erstklassiges Instrument, um während des Contestverlaufs einen ständigen Überblick über die augenblickliche Bandsituation zu haben. Die Kurve ist eine große Hilfe bei der Multiplikatorensuche und hilft vermeiden, dass zeitlich kurze Öffnungen z. B. nach KH6 im Getümmel einfach verschwitzt werden. Auch schon die Erstellung der Kurven kann einige Besonderheiten der Öffnungszeiten erkennen lassen, die beim einfachen Betrachten der Zahlenhaufen nicht so ohneweiteres zu sehen sind. Als Nächstes werde ich mir einen Zeitplan aufstellen. Nicht nur, um meine Pausen vorher festzulegen, sondern um mir eine ständige Kontrolle zu ermöglichen, ob ich mein gesetztes Ziel erreichen werde. Wer hat sich nicht schon nach der ersten Halbzeit gefragt: Wo liege ich denn? Ich zeichne mir eine Soll-Kurve, die mir zeigt, wie viele QSOs, Multiplikatoren und Gesamtpunkte ich zu jeder vollen Stunde haben werde. Während des Contests kann stündlich der Ist-Wert eingetragen werden. Aus dem Soll-Ist-Vergleich kann ich dann Maßnahmen ableiten. Die Vorgaben müssen natürlich wie alle Planungen realistisch sein, sonst verfehlen sie absolut ihren Zweck des Ansporns und der Regelfunktion. Bei dem Europarekord von LX7A konnte aufgrund des Soll-Ist-Vergleichs sogar ein Antennenproblem erkannt werden. Übrigens, auch 5000 m-Läufer rennen nicht einfach so schnell sie können. Sie haben auch einen Plan, wo sie zu welcher Zeit sein müssen. Wo ich die Plandaten hernehmen soll? Ich werde mich an den Vorjahresergebnissen oder an den zu schlagenden Konkurrenten orientieren und möchte besser sein; bei fallenden Sonnenflecken das Ergebnis eventuell nur halten. Ich weiß, zu welchen Zeiten welches Band läuft. Zusammen mit den Kurven der Linienvorhersagen lege ich Zeitspannen und Zeiträume zum Multiplikatorsuchen fest. Wenn ich im Verlauf des Contests feststelle, dass ich gut im Rennen liege, wird das ein ungeheurer Ansporn sein und mein Durchhaltevermögen stärken. Entferne ich mich von der Zielvorgabe, weiß ich dass meine Berechnungsgrundlagen für die QSO/Multi-Wertigkeit driften und ich kann ggf. meine Strategie korrigieren. Was ist QSO/Multi-Wertigkeit? Bei meiner Planung lege ich ein Ziel fest, z. B. knapp über dem Vorjahressieger. Damit weiß ich schon, wie viele QSOs und Multiplikatoren geboten, machbar und zu schlagen sind. Ich kann ausrechnen und abschätzen, welcher QSO-Schnitt gesamt und in verschiedenen Phasen erreicht werden kann/muss. Anhand des avisierten Zieles kann ich leicht errechnen, wieviele QSOs ein Multiplikator wert ist, und damit auch, wieviele Minuten verlorene QSO-Zeit er wert ist. Unter Berücksichtigung der Trefferwahrscheinlichkeit beim Suchen und der verschiedenen Bandbelebungsphasen kann ich jetzt errechnen, wie viele Minuten zu welchen Phasen ich in die Multi-Suche investieren kann. Formel für QSO Wertigkeit:t = Q/M * W/R Wobeit die Zeit in Minuten, Q die Zahl der QSOs, M die Zahl der Multiplikatoren, R die QSO-Rate in QSOs pro Minute und W der Zeitaufwand in Minuten pro Multiplikator ist, um einen neuen Multiplikator zu finden. Klar, dass ein gutes Contestprogramm mir diese Rechenarbeit abnimmt und ständig den aktualisierten Wert anzeigt. Ist mir dieser Mechanismus erst einmal klar, kann ich leicht bei Zielabweichungen korrigieren. Sicher werde ich damit nicht die Zahl der gearbeiteten Länder und QSOs exakt im Voraus errechnen können. Zu viele unkontrollierbaren Einflüsse und Störgrößen, nicht zuletzt auch eine Portion Glück bei der Multiplikatorsuche beeinflussen das Geschehen. Aber auf der Basis einer gut überlegten und gesunden Planung werde ich gezielt auf ein optimales Ergebniszusteuern!

Operating

(aus dem BCC-Handbuch, unbedingt überarbeiten und ausdünnen)

Eines der wesentlichsten Elemente ist, dass man seine Geräte (Radio) und seine Werkzeuge (Contestprogramm) kennt. Zunächst einmal muss man mit dem Empfänger vertraut sein. Jeden Schalter und Regler muss ich im Schlaf beherrschen. Erst wenn meine Ohren mit dem Empfänger eine Einheit bilden, kann ich auch das Letzte aus ihm herausholen. Jeder Empfänger hat sein eigenes Rauschen, seinen eigenen Charakter. Ich muss an ihn gewöhnt sein! Ich muss ihn spielen können, dann kann ich aus ihm Signale lesen, die andere kaum noch ahnen. Ich muss den VFO (oder die RIT) sofort in die richtige Richtung drehen können, wenn eine Station neben der Frequenz liegt und auch auf Anhieb die richtige Frequenz treffen, nicht erst einkreisen müssen. Ich muss Filter, Passband, Notch und alle Möglichkeiten des RX nutzen können, sinnvoll und auf Anhieb. Ohne erst ausprobieren zu müssen, muss ich wissen was passiert, wenn ich den QRMer auf die Filterflanke schiebe. Dafür reicht es bestimmt nicht aus, mal eben die Betriebsanleitung zu lesen. Man macht sich oft lustig über die vielen Tasten und Funktionen an modernen Radios und tut sie als total überflüssig ab. Der FT-1000MP ist eine echte Contestmaschine, für den Contest entwickelt. Wer kann wirklich damit umgehen? Ähnlich der Sender und die PA. Das Abstimmen muss in Sekundenschnelle geschehen. Eine Minute Abstimmversuche kann drei oder mehr QSOs kosten. Ich hab mal den WAE gegen YU3EY wegen 15 QSOs verloren! Es gab schon Unterschiede im Ergebnis zwischen 1. und 2. Platz wegen 1/2 QSO! Ein aufgeklebter Zettel hinter dem Abstimmknopf mit Markierungen der Einstellungen für jedes Band kann sehr hilfreich sein. Und ich muss wissen, auf welcher Frequenz mein Sendesignal liegt, und wie ich mein Signal in die Filterkurve der Gegenstation schieben kann. Das Zweitwichtigste ist mein Werkzeug, das Contestprogramm. Wie sind die Funktionstasten belegt? Bin ich überhaupt mit allen Funktionen vertraut? Zwar hat fast jedes Programm eine Online-Hilfe und wie wunderbar ist es dann, mitten im Contest eine neue Funktion zu entdecken. Aber die hätte man besser vorher finden und von Anfang an richtig einsetzen sollen. Auch hier hilft nur Üben, vorher Ausprobieren und wieder Üben. Auch hier helfen Sticker oder Aufkleber, mit denen man die Funktionstasten beschriften kann. Wenn man sich dann einmal an eine Belegung gewöhnt hat, sollte man die beibehalten. Nach Möglichkeit auch, wenn man mit anderen Programmen in anderen Contesten (z. B. RTTY) arbeitet. G3NOM will mich nie wieder mit einer deutschen Tastatur an HS0AC lassen. Bei der deutschen Tastatur sind gegenüber der englischen Y und Z vertauscht. Die Funktion »DEFINEKEY« hätte das Problem gelöst. Aber mein Fehler war,dass ich sie damals nicht kannte. Die Geräteanordnung auf dem Operatortisch: Wo früher das Papierlog und der Transceiver im Mittelpunkt standen, stehen heute die Tastatur und der Bildschirm. Das Radio wurde auf den zweiten Platz verdrängt. Papierloggen: Sollte noch jemand mit Papier loggen wollen, hier einige Tipps. Richtwert für die Schreibfläche: Das DIN A4 Log soll diagonal Platz haben. Rechts davon die Taste (natürlich nur für Rechtshänder), weiter rechts die QSO-Checkliste. Links neben dem Log die Multiplikatorcheckliste. Bei Allband-Betrieb auf einem Beistelltisch (links) vorbereitet Ablagekästchen für schnellen Logaustausch bei Bandwechsel. Der Empfänger/Transceiver soll leicht links der Operatorposition stehen. Die rechte Hand ist immer an der Taste bzw. am Log. Der Schreibstift (ein leichter Druckbleistift) wird nie aus der Hand gelegt. Somit müssen alle Empfängerregler mit der linken Hand bedienbar sein. Der gebenden und schreibenden Hand ist jederzeit absolute Priorität einzuräumen! Computerloggen: Im Mittelpunkt steht der Bildschirm in bequemer Augenhöhe. Auf Reflektionen von Lichtquellen (Fenster, Lampen) achten. Vor dem Bildschirm steht die Tastatur. Dort werden die meisten Operationen ausgeführt. Eine gute Tastatur ohne klemmende oder prellende Tasten ist wie bei der Morsetaste keine Fehlinvestition. Alles Papier ist bis auf einen kleinen Notizzettel verschwunden. Ein Bleistift liegt in greifbarer Nähe. Immer auf den gleichen Platz legen. Wenn er gebraucht wird, dann aber sofort ohne zu suchen. Das Radio steht rechts neben dem Bildschirm (für Rechtshänder), etwas nach vorne gezogen, sodaß die Regler bequem erreicht werden können. An der rechten Kante des Radios den CW Geber so hinstellen, daß er den Zugriff zum äußersten Regler des Radios nicht blockiert aber noch schnell erreichbar ist. Er wird nicht so oft gebraucht werden. Aber wenn doch, dann muss er da sein und nicht erst herbeigezogen werden müssen. Die Fläche vor dem Radio bleibt frei, so dass alle häufig zu bedienenden Regler mit aufliegendem Arm bequem erreichbar sind. Das ist die Voraussetzung für einen ermüdungsfreien Dauerbetrieb. Die Regler sollen zur Tischplatte hin aber auch genügend Freiraum haben, so dass man –ohne die Fingerknöchel abzuschaben – daran drehen kann. Das Rotorsteuergerät soll links stehen. Das Drehen der Antenne dauert manchmal recht lange und Rechtshänder können sich so in dieser Zeit die rechte Hand für kompliziertere Bewegungen wie Bandwechsel oder loggen frei halten. Wird eine Speichertaste verwendet, diese ebenfalls links hinstellen, dann kann während der Sendung bequem die Geschwindigkeit variiert werden. Rechts stehen dann Geräte, die einen komplizierteren Bedienungsablauf brauchen, wie z. B. der Transceiver. Dass ich meine Taste beherrschen muss, ist wohl selbstverständlich. Rutschfester Stand und Reinigen der Kontakte sollen aber auch nicht vergessen werden. Der Kopfhörer soll leicht sein, federleicht. Diese klobigen, schweren Stereohörer schirmen zwar gut gegen Lokal-QRM ab, sind aber wahrhaftige Konditionskiller und verursachen Genickstarre (außer bei Leuten, die im regelmäßigen 12-Stunden-QRL Blechhüte tragen!). Ich spanne meinen Kopfhörer vor dem Contest über einen Globus. Das mindert den Spanndruck. Nach 48 Stunden meine ich trotzdem, die Ohrmuscheln würden bei der kleinsten Berührung abbrechen. Vorsicht: Bei leisen Signalen dreht man die NF auf und vergisst, die Lautstärke wieder zurückzunehmen. Das kann auf die Dauer zu Gehörschäden führen. Ich habe mir auf diese Weise ein Frequenzloch eingebrannt. Zwar kann ich das jetzt als erstklassigen Notchfilter verwenden, es muss aber nicht unbedingt nachgeahmt werden. Mittlerweile habe ich mich auf Lautsprecherbetrieb umgestellt und höre genauso gut, vorausgesetzt, der Lautsprecher steht links. Lautsprecher-betrieb bietet eine weitere, kaum bekannte Möglichkeit: Durch leichtes Hin- und Herdrehen des Kopfes kann die unterschiedliche Phasenlage verschiedener NF-Frequenzen beim Auftreffen auf die Ohren dazu benutzt werden, unerwünschte Signale auszublenden. Für den SSB-Betrieb ist bei Computerloggen unbedingt eine Kopfhörer-Mikrofon-Garnitur und ein Fußschalter notwendig. Es müssen beide Hände frei bleiben, sodass auch beim Sprechen geloggt werden kann. Bei VOX Betrieb könnte gerade im entscheidenden Moment durch ein Störgeräusch der Sender anspringen. Nicht zuletzt ist eine bequeme Sitzgelegenheit und genügend Beinfreiheit fürstundenlanges Ausharren äußerst wichtig! Entspannte Haltung. Bei meinem Weltrekordversuch 1987 bei EA8ID musste mir meine XYL bei Halbzeit eine Stunde die Schultern massieren und mit so einem scheußlich kaltem Krampflösespray behandeln. Das mit »still 27 hours to go!« und noch ach so fern vom Ziel. Noch einige Bemerkungen zu Antennen: Viele Elemente bringen zwar einen schönen Gewinn, aber auf Kosten des Öffnungswinkels. Wer hat noch nicht davon geträumt, für den Contest einen Rundstrahler mit 20 dB Gewinn zu haben? Leider gibt’s den nicht. Es kommt hier ganz auf den einzelnen Contest an, welche Antennenkonfiguration besser ist. Im ARRL braucht man als Europäer nur eine Antennenrichtung, genau wie eine außereuropäische Station im WAE die Antenne nicht zu drehen braucht, und nichts spricht gegen 6 und mehr Elemente. Müssen aber Multiplikatoren aus allen Richtungen geloggt werden (und Europa liegt nun mal im Mittelpunkt der Contestwelt), würde ich gestockte Systeme einer Antenne mit vielen Elementen vorziehen. Einige Elemente mehr können eine bescheidene Lage nicht ausgleichen! Ein größerer Öffnungswinkel der Antenne allerdings kann mir zu mehr Multiplikatoren verhelfen. Eine andere oft praktizierte Lösung großer Conteststationen ist eine separate Multiplikator-Antenne. Der Rotoranschlag bei 360° oder 180° ist nicht unbedingt vorteilhaft. 180° ist sogar äußerst ungünstig für Europa. Von Ost- nach West-Afrika braucht einüblicher Rotor fast eine Minute Drehzeit! Wenn das Band nach Afrika offen ist, dann ist es nach Ost- und nach West-Afrika offen. Für 360° Rotoren hat sich der Anschlag bei 20° bewährt. Dort liegt ungefähr die Grenze zwischen Long und Short Path in den Pazifik, und ein Umschwenken dauert so nur 180°! Allerdings sollte man sich die korrigierten Gradzahlen auf die Großkreiskarte schreiben.Denn nach 12 Stunden kann man diese 20° rechnerisch nicht mehr beherrschen. Die ganze Kraft soll sich auf den Betrieb konzentrieren und nicht auf Kopfrechnen. Noch besser ist natürlich ein Rotor mit einem Drehbereich von beispielsweise 450°. Aber auch dann schreibt man vielleicht besser die Gradzahlen über 360° noch mal hin.

CQ-Rufen

(aus dem BCC-Handbuch, unbedingt überarbeiten und ausdünnen)

Es gibt zwei prinzipielle Möglichkeiten des Contestverkehrs: 1. Calling (CQ rufen) 2. Search & Pounce (S&P, Stationen selber suchen) Die erste Variante, Calling, wird mir bei gutem Signal, guter Betriebsweise und halbwegs attraktivem Rufzeichen eine höhere QSO-Rate (1 bis 6 QSOs/Minute) einbringen als S&P. Es ist recht bequem, Serien zu fahren und macht sehr viel Spaß ein Pile-up zu bewältigen, begehrt zu sein. Stundenlanges Pile-up gut zu bewältigen wird mir aber nicht unbedingt den Sieg einbringen. Es werden Multiplikatoren fehlen. Was tun? Ein großer Teil der Multiplikatoren, die sogenannten Standards, aber auchsehr rare Stationen werden mich im Pile-up anrufen. Ich muss sie aber auch hören! Allzu oft werden die Exoten von den Big Guns zugedeckt, denn als Exote braucht man nicht diesen Materialaufwand zu betreiben. Ihr großer Nachteil ist außerdem, dass sie aus einer anderen Antennenrichtung kommen. Wie oft konnte ich schon beobachten, wie ein »seltener Vogel« versucht hat, ein Pile-up zu knacken. Ohne Chance, wenn die Antenne des »CQers« zu weit ab steht, oder dessen Antennenöffnungswinkel zu schmal ist. Man kann, nein man muss dem entgegen wirken. Man achte bewusst auf schwache Stationen und auf Prefixe. Die meisten Länder haben jetzt glücklicherweise für Gastlizenzen den Landespräfix vor das Heimatrufzeichen gestellt. Ein Bruchstrich erweckt immer Aufmerksamkeit und verheißt etwas Besonderes. Nur wird leider unsinnigerweise (und bei uns als Verstoß gegen die VO Funk) von manchen Stationen ein »/QRP« an das Rufzeichen angehängt. Leider bringt es keinerlei Vorteil darauf hinzuweisen, dass man leise sein möchte, aber es ist Verschwendung wertvoller Zeit. Wenn ich die Station höre, werde ich sie arbeiten, auch wenn sie leise ist. Wenn es extra Punkte für QRP-Stationen gibt, dann geht das aus dem Contest-Austausch hervor (z. B. bei QRP Contesten). Weiterhin kann man regelmäßig die Antenne leicht zur Seite drehen, um vielleicht einen Multiplikator herauszuhören. Zeitabstände von 30 Minuten oder mehr sind dabei bestimmt zulange. Selbst der Geduldigste wird dann schon weitergedreht haben und sich denken »lousy operator«. Hat man ein großes Pile-up, schadet das Wegdrehen überhaupt nicht. Es kann vielmehr helfen, das Pile-up zu reduzieren, was die QSO-Rate wieder erhöht, denn bei großen Pile-ups muss öfter ein Rufzeichen nachgefragt werden. Als Nächstes sollte ich gelegentlich, nämlich nach meinem Fahrplan, Multiplikatoren »locken«, d. h. die Antenne auf das jeweilige Zielgebiet richten und dann mit verminderter Tastgeschwindigkeit bzw. in der jeweiligen Landessprache rufen. Die Zielgruppe, die ich jetzt anlocken will, wird kaum das CW bis zur Perfektion beherrschen. Der OM, den ich suche, hat einfach nur Spaß daran und wird übers Band drehen, um etwas Interessantes zu finden, wird also nicht in den Contest einsteigen. Ihm muss ich mich anbieten, es ihm leicht machen mich anzurufen. Ich muss ihn zu einem Anruf »verführen«!

Search & Pounce

(aus dem BCC-Handbuch, unbedingt überarbeiten und ausdünnen)

Zur Betriebsart S&P sollte man spätestens dann übergehen, wenn die QSO-Rate unter einen bestimmten Schnitt fällt, der je nach Contest, Band und Tageszeit verschieden ist. Bei ausreichendem Angebot an Stationen kann ich auch mit S&P einen Schnitt von 1 bis 2 QSO/Minuteoder sogar mehr erreichen. Jetzt wird sich der Dupe-Check des Contestprogramms als ungeheuer wertvoll erweisen, ja sogar notwendig sein. Und jetzt kann ich meinen zweiten VFO voll zur Wirkung bringen. Ich sollte nämlich nicht unötig auf einer Frequenz warten, bis ein QSO endlich abgeschlossen ist, sondern augenblicklich mit dem zweiten VFO weitersuchen. Mit etwas Geschick und Übung geht das sehr flott, die QSO-Rate kann wieder steigen. Viele Stationen arbeiten in einem Rhythmus und ich kann mich dann leicht einfühlen, wann das QSO zu Ende sein wird. Es hat mir schon mal den Vorwurf eingebracht, ich würde mit zwei Sendern gleichzeitig arbeiten, weil mein Signal am oberen, das andere am unteren Bandende war. Für den Beobachter war nicht auszumachen, daß die Sendungen abwechselnd erfolgten. Man kann sogar während eines QSOs, wenn der Partner nicht zuden allerschnellsten gehört, schon den nächsten anrufen, sozusagen zwei QSOs gleichzeitig fahren, obwohl man nur einen Sender hat. Sehr hilfreich ist bei dieser Technik die Funktion »BandMap« eines Contestprogramms mit Radiosteuerung. Jede Station wird mir mit der Frequenz angezeigt, auf der sie zuletzt gearbeitet hat und ob ich sie bereits geloggt habe. Gefüllt wird die Bandmap mit Stationen, die ich gearbeitet habe, mit Stationen, die ich ohne sie zu loggen eingegeben habe (z. B. <CTRL>-<Enter> bei Wintest), oder die im Packet-Cluster gemeldet waren (nur bei Assisted oder Multi-OP möglich). Ich muss dann nicht immer warten, bis die Gegenstation endlich ihr Rufzeichen gibt, sondern kann gleich entscheiden, ob es die Station in der Bandmap sein könnte. Die Einträge in der Bandmap werden nach einer bestimmten Zeit gelöscht, weil sie bald veralten. Dass diese Betriebsart sehr kräftezehrend ist, wird man mir wohl glauben. Sie kann aber auch sehr wirkungsvoll sein. Denn bei S&P werden die meisten Multiplikatoren gefunden. Nämlich diejenigen, die nur kurzfristig da sind, die nur Punkte vergeben möchten und dabei den bequemeren Weg des »Callers« vorziehen. So mühsam das S&P auch sein mag, es ist bitter notwendig. Man darf sich durch Pile-ups und lange Serien auf keinen Fall in einen Contest-Rausch hineintreiben lassen und das S&P vergessen. Deshalb den Fahrplan aufstellen und sich notfalls zwingen, eine Serie abzubrechen. Übrigens, man kann auch als »Caller« mit dem Zweit-VFO nebenbei Stationen suchen, falls nicht gerade ein Pile-up zu bewältigen ist! Sogar auf einem anderen Band, wenn man eine Multiband Antenne oder eine automatische Antennenumschaltung hat. Besonders in der Low-Power Klasse wird das S&P die Hauptbetriebsart sein. Bei der immer dichter werdenden Belegung der Bänder ist es schwer, eine Frequenz längere Zeit zu halten. Die Rate wird aber sinken, wenn das Band einmal abgegrast ist. Hier hilft es, oft das Band zu wechseln. Ich bin dann öfter auf einem frischeren Band und vor allem, ich bin ständig auf allen offenen Bändern präsent und es kann mir so kaum etwas entgehen (das Erfolgsrezept des CW Fielddays). Hier wird das revolutionäre an der modernen Computertechnik im Contest deutlich: Früher musste der Bandwechsel gedrillt werden, um auch bei Übermüdung jeden Griff in der immer wiederkehrenden Reihenfolge durchzuführen. Bei guter Übung dauerte er aber trotzdem zwischen 20 und 40 Sekunden. Heute geht der Bandwechsel mit einem einzigen Druck auf die Band-Taste des Transceivers: der 100 W Transceiver braucht keine Senderabstimmung, die Endstufe stimmt wie der Antennentuner automatisch ab, das Contestprogramm führt bei Radiosteuerung automatisch das Band im Log nach und der Antennenschalterschaltet automatisch aufgrund der Bandinformation vom Transceiver oder vom PC auf die richtige Antenne. Der Bandwechsel dauert nicht mal eine Sekunde. Bei 200 Bandwechseln in einem 48 Stunden Contest (ca. alle halbe Stunde) sind das ca. 6000 Sekunden oder 100 Minuten gewonnene Zeit, bei einer Rate von 2QSOs/Minute sind das beachtliche 200 zusätzliche QSOs. Bei einer Summe von 500 Multiplikatoren in diesem Contest können 17 mehr Multiplikatoren erwartet werden. Wen wundert’s also, dass die Scores immer weiter steigen. Das zeigt aber auch, es muss nicht immer eine größere Endstufe ran, um das Ergebnis zu verbessern. Entscheidend ist und bleibt die Betriebstechnik. Die Computerunterstützung setzt immer mehr Zeit- und Kraftreserven bei dem Operator frei, die sinnvoll genutzt zu immer höheren Scores führen. Diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen und wird uns auch in der Zukunft noch einiges bescheren.

Erfolgreicher SSB-Betrieb

(aus dem BCC-Handbuch, unbedingt überarbeiten und ausdünnen)

In SSB-Contesten erfolgreich zu sein bedeutet

  • klar und eindeutig, knapp und präzise, der Situation angemessen zu sprechen,
  • auch unter schwierigen Umständen wirkungsvoll Rufzeichen und QSO-Nummern zu übermitteln, und
  • sich auf sein Gegenüber oder das Pile-up einzustellen und es so zu dirigieren, dass eine maximale QSO-Rate erreicht wird.

Mehr dazu auf der Seite Erfolgreicher SSB-Betrieb

Erfolgreicher CW-Betrieb

(aus dem BCC-Handbuch, unbedingt überarbeiten und ausdünnen)

Der große Vorteil der Betriebsart CW im Contest ist die geringere Beeinträchtigung durch QRM – vorausgesetzt man verfügt über entsprechende CW-Filter. Durch die begrenzte Bandbreite von CW finden selbst in einem schmalen Bandsegment wie dem 40m-Band sehr viele Stationen nebeneinander Platz. Auch ist die Sendeleistung bei Telegrafie nicht ganz so entscheidend, korrektes Timing, Aufmerksamkeit und Konzentration werden hier besser belohnt als beim SSB-Betrieb. Heute wird Morsetelegrafie weitgehend aus dem Contestprogramm direkt erzeugt. Nur wenige OMs greifen noch zur Morsetaste und dann nur, wenn eine besondere Situation es erfordert. Viele brauchen nicht mal mehr das, sondern nutzen dann den sog. Keyboard-Modus.

Mehr dazu auf der Seite Erfolgreicher CW-Betrieb.

Erfolgreicher RTTY-Betrieb

(aus dem BCC-Handbuch, unbedingt überarbeiten und ausdünnen; mechanischer RTTY-Betrieb auslagern)

Mehr dazu auf der Seite Erfolgreicher RTTY-Betrieb

Single-Operator-Betrieb

Single Operator ist nicht nur die älteste, sondern auch die meist verbreitete Klasse aller Conteste. Man genießt die ungeteilte Freude eines Erfolgs, ist aber auch der Alleinschuldige, falls es nicht so gelaufen ist, wie geplant. Eine besondere Herausforderung ist es, als Single Operator in der Low Power-Klasse – üblicherweise ist dabei die Ausgangsleistung auf 100 W begrenzt – teilzunehmen. Darüber, worauf auf dem Weg zu einer erfolgreichen Contest-Teilnahme als SOLP zu achten ist, handelt das nächste Kapitel. Freilich, die eine oder andere Ausführung wird man mit Sicherheit auch in der High Power-Klasse hilfreich finden.

Low Power

Jeder von uns hat es sicher schon so oder ähnlich erlebt; man diskutiert mit einem befreundeten OM über den Funker-Gott und die Welt und auf die Frage, ob er nicht bei einem der kommenden Conteste teilnehmen möchte, bekommt man die Antwort »Nee, ich habe nur 100 W und auch keine gescheite Antenne«. Muss man, um an einem Contest erfolgreich teilzunehmen, gleich eine große PA und für jedes Band einen 5-Element Monobandbeam haben?

Es gibt OMs, die die Teilnahme an einem Contest mit Low Power mit Leiden gleichsetzen oder sogar es als Masochistenfunkerei bezeichnen. Vielleicht sollten sie es erst ein paarmal probieren, denn ich finde es nicht nur abwechslungsreicher, als von einer High Power-Station zu funken, sondern auch die Anforderungen an den Operator sind vielseitiger.

Ich nehme an Contesten seit gefühlten 100 Jahren teil. Allerdings hat in allen den Jahren selten der QSO-Zähler die Grenze von 100 QSOs pro Contest überschritten. Als ich mich, dank einer geänderten Freizeitgestaltung, vor wenigen Jahren entschlossen habe, mich dem Contesten ernster zu widmen, hat sich auch für mich die o. g. Frage gestellt. Zumindest der erste Teil der Frage war sofort beantwortet. Wenn man mit 100 W die DXCC-Liste fast vollständig abgearbeitet hat, wird es wohl kaum einen Grund geben, warum man mit dieser Leistung nicht auch das Contesten angehen sollte. Die zweite Hälfte der Frage ist freilich schon schwieriger zu beantworten, aber dazu später mehr. An meine ersten ernst gemeinte Conteste bin ich mit viel Begeisterung herangegenangen, um schnell belehrt zu werden, dass die Begeisterung alleine wohl nicht reichen wird, um sich im vorderen Teil des Feldes zu platzieren. Um diese Zeit ist mir ein sehr lesenswerter Artikel [36] von Ilkka/OH1WZ in die Hände gekommen, in dem er seine Versuche beschreibt, den CQWW EU-Rekord auf 80 m zu brechen. Seine Akribie hat mich beeindruckt, mir viele Anregungen gegeben und auch zu der Erkenntnis geführt, dass alleine durch eine gute Vorbereitung wohl kaum ein Contest zu gewinnen ist, aber ohne wird kein gutes Ergebnis zu erreichen sein! Es gibt verschiedene Möglichkeiten an einem Contest teilzunehmen. Man kann nur die fehlenden Stationen für ein Diplom suchen, man möchte seine Station oder die Bedingungen testen, man möchte nur für ein paar Stunden die Atmosphäre eines Wettbewerbs schnuppern u. v. a. Nachfolgend werde ich mich allerdings ausschließlich mit dem Thema beschäftigen, welche Vorgehensweise geeignet ist, um sich im vorderen Teil der Teilnehmerliste zu platzieren.

Motto

Falls der eine oder andere Leser erwartet, dass ich hier den Zaubertrick beschreibe, wie man mit Low Power in einem Contest auch die großen Stationen schlagen kann oder mit Ansage einen Contest gewinnen kann, darf er bereits an dieser Stelle aufhören zu lesen. Denn, falls es so einen Trick gibt, ich kenne den nicht! Meine Contest-Philosophie basiert eher auf dem Ansatz, wenn ich durch zehn Kleinigkeiten mein Ergebnis jeweils um 1 % verbessern kann, dann liege ich auch schon 10 % vor der Konkurrenz.

Bevor man sich konkret die Möglichkeiten anschaut, sollte man die Frage klären, was ist denn anders daran mit Low Power als mit High Power zu contesten? Die überraschende Antwort lautet, es ist nicht jedermanns Sache Low Power zu machen! Denn wie sonst im Leben, es gibt auch Schattenseiten und nur dann, wenn man die Vorteile höher als die Nachteile schätzt, wird man auch mit »Low Power« mit Freude an einem Contest teilnehmen. Was sind aber die Seiten, die den Reiz von Low Power ausmachen? Es ist vor Allem die Tatsache, dass sich die Aufgaben des Operators vom Schwerpunkt reiner Betriebstechnik in die Bereiche Vorbereitung, Taktik und Kreativität verlagern. Es kann zwar einem Unbehagen bereiten, wenn man eine Seriennummer empfängt, die dreimal so groß ist als die eigene, aber gerade dann soll man sich an folgendes Motto erinnern:

Ich kämpfe gegen Stationen, die auch keine bessere QSO-Rate als ich schaffen können und sie tun sich genauso schwer wie ich einen umlagerten Multiplikatoren zu erreichen.

Keiner von uns ist ohne Fehler und auch eine Traumstation wird für die meisten von uns eben nur ein Traum bleiben. Um in einem Contest trotzdem eine Chance auf Erfolg zu wahren, ist das zweite Motto dabei sicher hilfreich:

Die eigenen Stärken und die Stärken der Station müssen dort eingesetzt werden, wo sie die meisten Punkte bringen und die Schwächen sollen möglichst nicht zur Geltung kommen.

Vor dem Contest

Erfahrung

Es gilt nicht nur beim Contesten, dass die Erfahrung einen maßgeblichen Beitrag zum Erfolg liefern kann. Es ist nicht nur die allgemeine funkttechnische Erfahrung, die einem beim Abwickeln eines QSO, bei der Wahl des Bandes, bei der Beurteilung der Ausbreitungsbedingungen oder bei der Vorbereitung der Taktik hilft. Es ist auch die contestspezifische Erfahrung, die die gewinnbringenden Hinweise geben kann. Als schönes Beispiel kann man den Weihnachtscontest des DARC anführen. Wer nicht weiß, dass fast alle in diesem Contest auf 80 m anfangen, um nach genau der Hälfte des Contests auf 40 m zu wechseln, wird wahrscheinlich die entscheidende Zeit auf dem falschen Band verbringen. Und auch eine Low Power-Erfahrung ist etwas, was man sich zuerst erarbeiten muss.

Oft hat man keine 24 oder sogar 48 Stunden Zeit an einem Contest vollzeit teilzunehmen, aber bereits eine oder zwei Stunden Teilnahme können einem für das nächste Jahr, in dem man vielleicht voll teilnehmen möchte, die entscheidenden Hinweise für eine erfolgreiche Teilnahme liefern.

Vorbereitung

Die Vorbereitung auf einen Contest geht mit dem Studium der Ausschreibung los. Denn schon die erste Entscheidung, in welcher Klasse man teilnimmt, kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Als Beispiel für eine falsche Entscheidung kann der CQWW dienen. Die Assisted-Klasse ist dort unabhängig von der benutzten Leistung ausgeschrieben (Stand 2009), d. h. falls ich in dieser Klasse teilnehme, trete ich dort mit 100W gegen Stationen mit erlaubter Leistung von 1500 W an. Dann hilft auch die beste Taktik und Technik wenig und eine gute Platzierung ist kaum zu erreichen.

Neben der Leistungsfähigkeit der eigenen Station, der Antennensituation, der verfügbaren Zeit, der angenommenen Ausbreitungsbedingungen, der eigenen Ziele sollte man auch die eigene Leistungsfähigkeit sowie die KonkurrenzSituation nicht außer Acht lassen. Die Contest-Ausschreibungen sind vielfältig und mit der Wahl der Klasse legt man eigentlich bereits auch das eigene Ziel fest. Ein wichtiger Punkt der Vorbereitung ist die Einbeziehung der eigenen Erfahrung. Bei der ersten Teilnahme an einem Contest ist man oft von bestimmten, für den Contest spezifischen, Eigenschaften des Contests überrascht. Die Erkenntnisse der vergangenen Jahre soll man als einen der wichtigsten Punkte in die Vorbereitung und die Taktik einfließen lassen. Dazu können auch das letztjährige Log und sogar der UBN-Report als Ergänzung gute Dienste leisten.

Es gehört ebenso zur Vorbereitung, dass man das Logprogramm an den Contest und die eigenen Gewohnheiten und Vorlieben einstellt, die Station und die Antennen überprüft und das Shack vorbereitet. Es ist schon unangenehm, wenn z. B. das Telefon eingeschaltet bleibt und jemand versucht alle 5 Minuten den Funkenden mit großer Ausdauer zu erreichen. Es hat sich bei mir bewährt, eine Checkliste mit allen solchen Punkten für die Vorbereitung zur Hand zu haben und die sukzessiv vor dem Contest abzuarbeiten. Denn eine Sache ist unbestritten, jede Störung, jede Notwendigkeit an der Station was zu ändern oder sie zu verlassen, um z. B. etwas zum Trinken zu holen, kostet im Laufe des Contests Zeit oder zumindest Aufmerksamkeit, die zu verlorenen oder ungültigen Verbindungen im Log führt und die fehlende Prozente im Endergebnis bedeuten kann.

Taktik

Ein wichtiger Teil der Vorbereitung ist auch die Festlegung der Taktik. Dies soll bereits vor dem Beginn des Contests geschehen, denn im Laufe des Contests gibt es weder für tiefgreifende Überlegungen und schon gar nicht für Analysen die erforderliche Zeit.

Auf der Basis der gewählten Klasse legt man die Taktik fest. Die Festlegung der Taktik besteht aus mehreren Schritten. Die Reihenfolge bzw. die Priorität der einzelnen Schritte ist nicht fest, denn die hängt maßgeblich von der Contest-Ausschreibung bzw. weiteren Randbedingungen ab.

Nur wenn sich zeigen sollte, dass die festgelegte Taktik auf falschen Annahmen basiert (z. B. ganz andere Ausbreitungsbedingungen als vorhergesagt), kann man versuchen, im Laufe des Contests die Taktik den Änderungen anzupassen. Änderungen der Strategie und Taktik, die lediglich auf einem Gefühl basieren, sind allerdings selten erfolgreich.

Zeiteinteilung

Es gibt Conteste, in denen Pausen vorgeschrieben sind oder auch nicht jeder schafft es, 48 Stunden durchzufunken. Die Wahl der Ruhepausen kann aber für das Ergebnis maßgeblich sein. Wenn ich – als Beispiel – die einzige Öffnung des Wochenendes auf 10 m verpasst habe, werde ich die fehlenden Multis auf den restlichen Bändern kaum aufholen. Somit verdient die Planung der Pausen eine entsprechende Aufmerksamkeit. Als Parameter ist in erster Linie die eigene Beobachtung der letzten Tage und Vorhersage der Ausbreitungsbedingungen, aber auch das Stationsangebot (Erfahrung vom lezten Jahr oder ähnlichen Contesten) und der eigene Biorhytmus zu berücksichtigen. Allerdings auch die anderen Punkte der Taktik sollen dabei in Betracht gezogen werden.

Punkte

Alle Conteste haben eines gemeinsam: Die Platzierung in der Ergebnisliste. Sie richtet sich nach der Anzahl der Punkte, die man in dem Contest erreicht hat. Oder anders formuliert, das Ziel in einem Contest ist das Erreichen möglichst vieler Punkte. Die Veranstalter der Conteste sorgen mit Feinheiten in der Ausschreibung dafür, dass meistens nicht automatisch die Gleichung gilt, dass die meisten QSOs auch gleich die meisten Punkte bedeuten. Das Endergebnis wird gewöhnlich mit der Formel »Summe der QSO-Punkte mal Summe der Multiplikatoren ist gleich Anzahl der Punkte« berechnet. Da auch nicht jedes QSO immer den gleichen Punktwert hat und auch nicht jeder gearbeitete Multiplikator die gleiche Wertigkeit haben muss, bietet sich hier ein breites Feld von Möglichkeiten an, das Endergebnis durch gute oder schlechte Taktik entsprechend mehr oder weniger positiv zu beeinflussen. Da es wegen der Vielfalt der Conteste nicht möglich ist, eine allgemeingültige Regel aufzustellen, werde ich hier am Beispiel des CQWW WPX und meiner Station andeuten, welche taktische Möglichkeiten man ins Spiel bringen kann.

Zuerst seien hier die Regeln des Contests vereinfacht zusammengefasst: Im CQWW WPX zählt jeder Multiplikator nur einmal, egal auf welchem Band man ihn gearbeitet hat. Ein QSO auf den unteren Bändern (160 m/80 m/40 m) bringt doppelt so viele Punkte wie ein QSO auf den oberen Bändern. Ein DX-QSO ist dreimal so viel Wert als ein lokales QSO. Vor diesem Hintergrund werde ich versuchen im Laufe des Contests folgende Taktikpunkte zu befolgen:

  1. Ich verzichte auf 160 m, weil meine Antenne für das Band eher ein Provisorium ist und entsprechend niedrig ist die erreichbare QSO-Rate. Da es sich um einen großen Contest (nach der Anzahl der teilnehmenden Stationen gemessen) handelt, ist es für das Ergebnis nicht notwendig, die Stationen auch auf 160 m zu arbeiten. Durch das hohe Angebot können die QSOs auch auf den restlichen zwei unteren Bändern ausgeglichen und wahrscheinlich leichter gemacht werden. Die Multiplikatoren zählen nur einmal und somit ist es nicht notwendig, sie gerade auf 160 m zu arbeiten.
  2. Da zur Zeit das 10 m-Band kaum offen sein wird, werde ich das Band nur zu den entscheidenen Zeiten aus der Vorhersage der Ausbreitungsbedingungen kurz testen, ob dort etwas zu holen ist. Das Verpassen einer ausserplanmäßigen Öffnung wird mein Ergebnis nicht sonderlich negativ beeinflussen, denn die Stationen und Multiplikatoren werden auf den zwei verbliebenen oberen Bändern wahrscheinlich leichter zu machen sein.
  3. Ich verzichte auf Versuche Stationen zu arbeiten, bei denen sich ein Pile-Up gebildet hat – d. h. ich werde max. 2 oder 3 Versuche unternehmen so ein QSO zu machen. Denn in diesem Contest ist das Verhältnis von QSOs pro Multiplikator ziemlich niedrig und dadurch wird ein anderer Multiplikator zum Ausgleich wo anders leichter zu beschaffen sein.
  4. In den Übergangszeiten, wenn sowohl die oberen als auch die unteren Bänder nutzbar sind, soll der Schwerpunkt auf den unteren Bändern liegen. Eine EU-Station bringt auf 40 m zwar nur 2 Punkte im Vergleich zu 3 Punkten einer DX-Station auf 20 m, aber die QSO-Rate mit der ich EU auf 40 m arbeiten kann liegt deutlich höher als die QSO-Rate der DX-Stationen auf 20 m. Abgesehen davon, bringt eine EU-Station auf 20 m nur einen Punkt.

Man könnte das sicher noch weiter verfeinern, allerdings je komplizierter die festgelegte Taktik noch wird, desto schwieriger wird es, sie auch umzusetzen. Und ebenso schwierig könnte es dann werden, wenn sich noch die Notwendigkeit ergeben sollte, im Laufe des Contests die Taktik doch anpassen zu müssen.

Multiplikatoren

Wie bereits angedeutet, Multiplikatoren sind einer der entscheidenden Parameter auf dem Weg zum Contesterfolg. Hier sollte man sich in jedem Fall auf die eigene Erfahrung oder auf die Ergebnislisten der vergangenen Jahre stützen. Die signifikante taktische Größe ist, wieviel Zeit man mit dem Versuch verbrauchen darf, einen Multiplikator zu erreichen. Die meisten Logprogramme zeigen zwar diesen Wert laufend an, nur diese Anzeige ist ziemlich trügerisch. Denn sie zeigt den aktuellen Stand an und nicht, welchen Wert dieser Parameter am Ende des Contests annimmt. Dabei ist zu beachten, dass in den meisten Contesten der Zuwachs der Anzahl der Multiplikatoren nicht linear ist, sondern am Anfang sehr stark ist und zum Schluss findet man kaum neue Multiplikatoren mehr. Das bedeutet aber für die Anzeige im Logprogramm, dass diese im Normalfall zu niedrig ist. Oder anders gesagt, es lohnt sich für einen Multiplikator deutlich mehr Zeit zu investieren, als vom Logprogramm angezeigt. Somit sollte als Entscheidungshilfe der Wert am Contestende - anhand der Zahlen der früheren Conteste - und nicht der angezeigte Wert als Entscheidungshilfe herangezogen werden.

Wie man dann mit dieser Information konkret umgeht, wird im nächsten Kapitel behandelt.

Betriebsmodus

Auch mit Low Power kann man CQ rufen! Allerdings führt nach meiner Erfahrung nur ein Mix aus CQ und S&P zum optimalen Ergebnis, wobei das Verhältnis aus später angeführten Gründen meistens mehr oder weniger deutlich zu Gunsten von S&P tendiert. Es ist leider sehr schwer den richtigen Mix herauszufinden, denn der hängt ab von:

Contest
Entscheidend ist, ob man eher zu den gesuchten oder verschmähten Stationen gehört. Leider hilft in den großen Contesten (viele Teilnehmer) oft auch kaum, dass man gesucht wird (z. B. CQWW WPX), denn man findet kaum freie Frequenz zum CQ rufen oder man wird innerhalb kurzer Zeit verdrängt.
Bedingungen
Je schlechter die Bedingungen, desto schwieriger wird es mit Low Power CQ zu rufen. Wenn man jemandem auf CQ antwortet, hat man einigermaßen gute Chancen gehört zu werden. Bei eigenem Rufen wird man wegen des relativ schwachen Signals oder dem häufig hohen Störpegel bei einem Contest einfach überhört.
Station
Es macht Sinn nur auf den Bändern zu rufen, wo auch die Antenne gut ist. Denn eine schlecht angepasste oder eine Kompromiss-Antenne verschluckt die meiste Leistung und mit einem allzu schwachen Signal ist mit CQ kaum Aufmerksamkeit zu erwecken.
Operator
Der Betriebsmodus soll auch dem Geschmack des Operators entsprechen. Mit CQ sind auch bei guten Bedingungen und frequentiertem Contest mit Low Power und einer »normalen« Antenne QSO-Raten von 40 QSO/h bis 50 QSO/h nur sporadisch zu überschreiten. Aber das sind eben Raten, die ein guter Operator auch im S&P erreichen kann und vielleicht mit mehr Freude am Werk. Freilich, diese Aussage gilt auch umgekehrt.

Antennen-Richtung

Einer der positiven Aspekte des Contestens mit Low Power ist, dass man sich nicht dem Stress aussetzen muss, alles zu erreichen, was an einem Contest teilnimmt. Während bei einer High Power-Station ein verpasster Multiplikator bereits die Niederlage bedeuten kann, weiß man mit Low Power, dass man sowieso nicht z. B. alle Zonen erreichen wird. Dadurch kann man auf Bemühungen verzichten, die zwar einen seltenen Multiplikator bringen könnten, aber viel zu viel Zeit mit einem ungewissen Ausgang in Anspruch nehmen. Falls man eine Richtantenne besitzt, kann deswegen die Antenne in Mitteleuropa je nach Tageszeit nach NE oder NW bzw. W stehen bleiben. Nur wenn man über einen, in anderer Richtung sitzenden, Multiplikator stolpert, der auch so bereits zu hören ist, dann kann man die Antenne in seine Richtung drehen, um die Chance zu erhöhen, auch von ihm gehört zu werden. Das Problem ist oft, dass die meisten der seltenen Stationen in einem Contest mit High Power arbeiten, d. h. wenn ich sie erst dann höre, wenn ich meine Antenne dorthin gedreht habe, werde ich wahrscheinlich gar nicht aufgenommen, da mein Signal dort zu schwach ist.

Contest

====Allgemein==== Man könnte den Eindruck gewinnen, dass mit Low Power die Fertigkeit ein QSO abzuwickeln oder einen Multiplikator auf ein anderes Band zu lotsen nicht so wichtig ist, denn die QSO-Raten sind in der Tat nicht berauschend. Aber so einfach ist die Sache auch nicht. Die QSO-Raten sind in der Wirklichkeit ziemlich unregelmäßig verteilt. Beim erfolgreichen CQ-Ruf kann die QSO-Rate über mehrere Minuten mit weit über 100 QSO/h liegen um anschließend wieder auf ziemlich niedrige Werte abfallen. Solche hohen Raten erzielt man oft, wenn man das Glück hat und ein freundlicher Genosse mein Call in den Cluster eingibt. Wenn man aber in so einer Phase nicht in der Lage ist, mehrere rufende Stationen rasch abzufertigen, kann es vorkommen, dass dem einen oder anderen das Warten zu lang wird und er dreht an seinem Abstimmknopf weiter. Wenn man bedenkt, dass man schon bei einem verlorenen QSO und einer durchnittlichen QSO-Rate von 50 QSO/h damit bereits 2 % aller QSOs der aktuellen Stunde verloren hat, merkt man schnell, wie wichtig eine gute Betriebstechnik auch in der Low Power-Klasse ist.

Ähnlich verhält es sich bei einem, erfolgreich auf ein anderes Band gelotsten, Multiplikator, denn eine Chance dafür ergibt sich vielleicht nur einmal im ganzen Contest.

Es ist schwierig zu beschreiben, was eine gute Betriebstechnik überhaupt ist. Aber als Low Power Station verbringt man doch einen großen Teil des Contests damit, den anderen Stationen zuzuhören. Dabei merkt man ziemlich schnell, welche Merkmale des Betriebs einem mehr oder weniger zusagen. Solche Beobachtungen kann man vorteilhaft für die Gestaltung der eigenen Betriebstechnik verwenden.

CQ

CQ oder nicht CQ, das ist die Frage! Falls man sich bei der Contest-Vorbereitung entschlossen hat, einen Teil der Zeit mit CQ zu versuchen, kommen schon die nächsten Probleme. Während bei den kleineren Contesten die Chance eine Frequenz zum CQ-Rufen mit Low Power (in den vom Veranstalter des Contests genehmigten Frequenzbereichen) zu finden, noch einigermassen gegeben ist, grenzt das in vielen der großen Conteste an Unmöglichkeit. Das andere Problem ist, dass viele der, vorwiegend mit üppiger Leistung ausgestatteten, Stationen ihre CQ-Frequenzen nur danach aussuchen, dass sie selber nicht gestört werden. Das heißt aber, wenn man mit Low Power CQ ruft, wird man früher oder später von der Frequenz vertrieben, wenn sich ein starkes Signal in der Nähe befindet. Auch wenn der Anstandsabstand eingehalten wird, ist man von den rufenden Stationen neben dem starkem Signal kaum zu lesen oder aufzunehmen. Es ist verlorene Zeit zu versuchen, den ungeliebten Nachbarn zu vertreiben. Falls auf ein höfliches »pse qsy« keine Reaktion kommt (falls man dort überhaupt gehört wird), dann bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als sich ein neues Plätzchen zu suchen. Denn ein Kampf um eine Frequenz mit 100 W führt leider kaum zum Erfolg.

Wie soll man dann überhaupt CQ rufen? Die Erfahrung zeigt, dass mit zunehmender Dauer eines Contests auch bei den großen Stationen die QSO-Raten abfallen und sie sich auf die Stationssuche begeben. Damit entspannt sich oft die Situation auf den Bändern. So kann man sich den Contest so einteilen, dass man in dem ersten Teil überwiegend S&P macht und zum Schluss den, in der Vorbereitung eingeplanten, CQ-Anteil nachholt. Die andere Möglichkeit besteht darin, dass man die Bänder (in erlaubter Weise) voll ausnutzt. Nicht jeder ContestVeranstalter schreibt vor, in welchen Teilen der Bänder die Contester zu funken haben und so kann man z. B. in einem CW-Contest in den SSB-Teil des Bandes ausweichen. Man wird dort wahrscheinlich nicht von allen gefunden, aber mit Low Power reichen einem bereits 50 Stationen, die dort einen in der nächsten Stunde finden werden, um eine akzeptable QSO-Rate zu erreichen. Es ist sicher auch ein Teil der Vorbereitung, sich solche Ausweich-Frequenzen zu überlegen. Nicht zuletzt ist die Suche nach einer CQ-Frequenz auch eine Frage der Flexibilität. Denn im S&P Betrieb stolpert man immer wieder über eine gerade verlassene Freuqenz. Das sollte man freilich gleich ausnutzen. Falls es sich dabei um eine Freuqenz in dem begehrten Teil des Bandes handelt, kann es passieren, dass man sie nicht lange halten kann. Aber wenn man dort auch nur 5 QSOs in einer sehr kurzen Zeitspanne gemacht hat, hat es sich bereits gelohnt.

Und wenn man endlich eine Freuqenz zum CQ gefunden hat, kommt häufig schon die nächste diffizile Entscheidung. Man muss die geplante QSO-Rate für den Contest im Auge behalten und falls die Antworten auf das CQ ausbleiben oder die erreichte QSO-Rate zu niedrig ausfällt, entweder eine neue Frequenz suchen oder sogar wieder auf S&P zurückweichen. Denn auch wenn die Frequenz aus eigener Sicht frei erscheint, bedeutet das noch nicht, dass sie auch wirklich frei ist, dass sie nicht anderweitig gestört ist oder dass man bei den aktuellen Bedingungen auch irgendwo gehört wird.

Pile-Up und Multiplikatoren

Viele setzen den Erfolg in einem Contest gleich mit der Fähigkeit, wie schnell man ein Pile-Up knacken kann und wie schnell man an einen der begehrten Multiplikatoren kommt. Diese Meinung teile ich nicht. Eher umgekehrt, man kann unter dem Zwang bei einem oder mehreren umlagerten Multiplikatoren durchzukommen die entscheidenden Punkte verlieren. Bei der Entscheidung, ob man in einem Pile-Up um einen Multiplikator teilnehmen soll, muss man zwei wichtige Punkte im Auge behalten. Zuerst die Zeit, die man verbrauchen darf, damit sich ein Multiplikator noch lohnt. Es ist aber die Zeit, die ich mir bei der Festlegungen der Contest-Taktik berechnet habe und nicht die, die mein Logprogramm gerade anzeigt. Der zweite Punkt ist deutlich schwieriger zu ermitteln, denn der basiert mehr auf dem Gefühl und der Erfahrung. Man muss die Entscheidung treffen, ob man überhaupt eine realistische Chance hat, in dem aktuellen Pile-Up durchzukommen. In diese Überlegung fliessen nicht nur objektive Tatsachen, wie die Qualität meiner Antenne auf diesem Band ein, sondern auch das Gefühl dafür, wie viele Stationen und mit welchen Signalstärken da wohl rufen können, wie gut die gerufene Station mit dem Pile-Up klar kommt und andere Kriterien. Mit der wachsenden Erfahrung erkennt man bereits auch die Calls der Stationen, die durchgekommen sind und kann entscheiden, ob man mit 100 W überhaupt eine Chance hat oder ob gerade erst die großen Stationen bedient werden. Andererseits kann auch die Vorbereitung auf einen Contest hier eine hilfreiche Rolle spielen. Wenn ich vor dem Contest gelesen habe, dass es sich bei der aktuellen Station um eine große Multioperator-Aktion handelt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich sie später oder am nächsten Tag auch ohne Pile-Up erreichen kann und so kann ich auf die kostspieligen Versuche im Moment verzichten.

Wenn man entschieden hat, dass es den Versuch Wert ist, in einem Pile-Up sein Glück zu versuchen, dann soll man sich trotzdem ein Zeitlimit setzen und nach dessen Ablauf ohne »wenn und aber« die Versuche auch im Fall eines Misserfolgs abbrechen. Denn es gibt keine Garantie, dass man in absehbarer Zeit oder überhaupt Erfolg haben wird. Es kann auch passieren, dass sich die Situation sogar noch verschlechtert, wenn z. B. die Station im DX-Cluster gemeldet wurde und damit neue Interessenten auf die Frequenz angelockt werden.

Falls man aber wenig Chancen sieht erfolgreich an so einem Pile-Up-Wettrennen teilzunehmen, lohnt es sich oft, sich die Frequenz und die Station zu notieren (Bandmap, TRX-Memory, Zettel), um nach ein paar Minuten nochmals die Situation zu checken.

Station

Antennen

Wie ich bereits gezeigt habe, lassen sich durch geschickte Taktik manche Unzulänglichkeiten der eigenen Station verstecken oder deren Auswirkung minimieren. Allerdings bei anderen Contesten kann bereits ein nicht abgedecktes Band schon dazu führen, dass man keine Chance hat, in den Kampf um eine vordere Platzierung einzugreifen.

Für die meisten von uns wird z. B. ein ausreichend hoch, in voller Länge gespannter, Dipol für 160 m wohl für immer nur ein Traum bleiben. Aber das bedeutet nicht, dass man auf die QSOs auf diesem Band verzichten muss bzw. kann. Zum Glück für uns gibt es die »großen« Stationen, die mit exzellenten Antennen ausgerüstet sind und die sich gegen Ende eines Contests über jedes, sei es auch noch so schwaches, Signal freuen. Dann reicht es oft, dass man auch mit nur 100 W und einer sehr provisorischen Antenne QRV ist, um die paar wenigen Multiplikatoren auf dem betroffenen Band ins Log zu bringen, die für ein gutes Abschneiden notwendig sind.

Das Fazit ist ziemlich klar, bevor man sich an die Verbesserung der vorhandenen Antennen macht, sollte zuerst eine Möglichkeit geschaffen werden, auf jedem der sechs Contestbänder (Kurzwelle) QRV zu sein.

SO2R

SO2R ist ein zwiespältiges Thema. Die einen meinen, dass man ohne SO2R keinen Contest gewinnen kann, die anderen kommen auch ohne SO2R gut zu recht. Wenn man davon absieht, dass es nicht jedermanns Sache ist, mit jedem Ohr ein anderes Signal aufzunehmen, scheitert man oft beim Versuch, SO2R einzuführen, bereits an den Voraussetzungen.

Während man sich einen zweiten TRX noch ziemlich problemlos ausleihen kann, ohne ein zweites Antennensystem und entsprechende Trennung, was bei den üblichen räumlichen Gegebenheiten schon eine Herausforderung ist, geht da nichts. Und dann kommen bei Low Power im Vergleich zur High Power noch weitere Unwägbarkeiten dazu. Wie bereits erwähnt, es ist oft schwierig eine Frequenz für das eigene CQ zu halten. Leider ist die Notwendigkeit, sein Rapport oder Call zu wiederholen, bei Low Power ziemlich häufig. Das führt in der üblichen SO2R-Konfiguration (Radio1 CQ, Radio2 S&P) dazu, dass die CQ-Frequenz ziemlich lange ohne Signal bleibt, wenn man mehrmals sein Call oder Rapport auf Radio2 wiederholen muss. Dass sich recht schnell für die freie Frequenz auf einem überfüllten Band ein neuer Interessent findet, ist leider fast unvermeidlich.

Umgekehrt liegen auch die Vorteile auf der Hand. Man kann auf dem zweiten Radio ein anderes Band überwachen, man kann die doch ziemlich langen Pausen zwischen den QSOs beim CQ-Rufen für die Suche nach neuen Multiplikatoren oder Calls nutzen.

Nach dem Contest

Log

An diese Stelle werden sich sicher gleich einige mahnende Stimmen erheben und verlangen, dass mit dem Ende des Contests auch das Log geschlossen werden muss. Früher, als man noch mit Bleistift aufs Papier geloggt hat, hat man bei der Übertragung der QSOs auf die Contest-Formblätter auch DDJØZY auf DJØZY korrigiert, da es offensichtlich war, dass man sich einfach verschrieben hatte. Ebenso wird man kaum etwas Verwerfliches daran finden können, wenn ich einen ØK1DFB auf den richtigen OK1DFB korrigiere. So ist in meinen Augen nichts Falsches daran, das Log nach dem Contest von offensichtlichen Fehlern zu bereinigen.

Und noch ein Hinweis, vielleicht mehr zum Schmunzeln aber doch aus der Praxis; es hilft nicht, dass man die beste Punktezahl aller Low Power Stationen eingefahren hat, wenn man im Log die falsche Klasse eingetragen hat oder sogar vergessen hat, das Log abzuschicken!

Notizen

Wie ich bereits im Kapitel Vorbereitung erwähnt habe, zu den wichtigen Punkten bei der Festlegung der Taktik gehört auch die Erfahrung aus den früheren Teilnahmen an einem Contest. Das Problem ist nur, dass meistens solch eine Teilnahme bereits ein Jahr oder mehr zurückliegt und damit können wesentliche Erkenntnisse leicht in Vergessenheit geraten sein. So ist es am einfachsten, sich nach jedem Contest ein Paar Notizen zu machen, was man bei der nächsten Teilnahme berücksichtigen bzw. besser machen kann. Denn unmittelbar nach einem Contest weiß man am besten, was falsch gelaufen ist oder wo noch Verbesserungspotenzial vorhanden ist.

QSL

Es gibt Diplom-, DXCC-, Punkte- und QSL-Sammler, die an den ContestPunkten kaum interessiert sind. Sie hoffen, über die Punkte, die sie an die teilnehmenden Stationen verteilt haben, an deren begehrte QSL-Karten zu kommen. Und es ist auch nicht selten, dass sich solche Stationen beim nächsten Contest für die eingegangene QSL-Karte mit einem oder sogar mehreren QSOs bedanken, auch wenn sie das QSO für die eigene Sammlung nicht mehr brauchen. Man muss nicht für jedes QSO gleich eine Karte verschicken, aber die eingehenden sollte man schon aus Rücksicht auf den Score der nächsten Jahre beantworten.

Schlusswort

Man darf freilich auch die Nachteile von Low Power nicht verschweigen. In erster Linie ist das die Anfälligkeit dieser Klasse gegen Betrügereien und Tricksereien. Denn die Vorstellung, dass die Anderen in einem Pile-Up auf die Schnelle den kleinen PA-Schalter umlegen, um sich die Wartezeit zu verkürzen oder sogar gleich den Contest jenseits der genehmigten Leistung bestreiten, kann schnell frustrierend wirken. Es wird zwar inzwischen von den Contest-Veranstaltern einiges getan, um solche schwarze Schafe zu entlarven, aber die volle Gerechtigkeit wird es leider auch in der Zukunft nicht geben.

Was viele auch stören kann, ist das Ansehen. Die Low Power-Klasse wird oft als die Klasse der kleinen Leute betrachtet und somit wird auch ein eventueller Erfolg nie den Stellenwert einer vergleichbaren Platzierung in der High PowerKlasse erreichen. Nun, wenn man sich von Eitelkeiten leiten lässt, hat man sich wohl schon mit Amateurfunk das falsche Hobby ausgesucht.

Ich hoffe, dass ich mit diesen paar Vorschlägen und Anregungen dazu beigetragen habe, dass sich in der Zukunft mehr OMs mit »nur« 100 W in das Geschehen eines Contests wagen und wünsche Euch viel Erfolg dabei.

High Power

SO2R

Einleitung

SO2R2 ist eine betriebstechnische Variante für Single OPs, die Leerlaufzeiten durch die Verwendung einer 2. Station nutzt um das Endergebnis zu optimieren. Da die Auslastung des OPs und die Hardware-Voraussetzungen individuell stark variieren, ist es schwierig ein Konzept zu entwerfen, das jeder Einzelsituation gerecht wird. Nicht selten führen erste SO2R-Versuche dazu, dass man sich »verzettelt« und der Contest besser verlaufen wäre, wenn man sich auf eine einzelne Station konzentriert hätte. Deshalb soll in erster Linie ein Überblick gegeben werden, wie man auf einfache Weise SO2R-Betrieb realisieren kann. Obwohl SO2R auf den ersten Blick vorwiegend bei großen Conteststationen verwendet wird, die aufgrund ihrer Ausrüstung auch ohne betriebstechnische Finessen Spitzenplätze belegen können, profitieren insbesondere auch kleinere Stationen und nutzen die Methode um standort- oder antennenbedingte Nachteile auszugleichen. SO2R sollte jedoch nicht der erste Schritt bei der Stationsoptimierung sein. Zunächst sollte geprüft werden, ob es Verbesserungspotential bei Sendeund Empfangsantennen, Transceiver, Antennenumschaltung, Stationsergonomie und Betriebstechnik gibt. Denn was nützt eine perfekte 2R-Strategie in einem DX-Contest, wenn man zu leise ist um mit der 2. Station Multiplikatoren zu arbeiten, das Lowband-QRN auf der Sendeantenne zu groß ist, für den CQ-160 m Contest kein schmales CW-Filter zur Verfügung steht oder beim Bandwechsel Koaxkabel hinter dem Stationstisch geschraubt werden müssen. Auf der anderen Seite sollte man sich aber auch nicht abschrecken lassen, da manchmal nur wenig Mehraufwand erforderlich ist, um sinnvollen 2R-Betrieb durchzuführen.

Pro und contra SO2R

Wann ist SO2R nun von Vorteil? Nehmen wir als Beispiel folgendes Szenario, wie es sich während des CQWW DX CW Contests ereignen könnte:

Es ist Samstag gegen 15:00Z, das dicht belegte 20 m Band öffnet sich gerade nach USA Midwest während auf 15 m mehrere Multiplikatoren aus der Karibik laut zu hören sind. Zwar möchte man unter keinen Umständen die gute QSO-Serie auf der ruhigen 20 m Frequenz aufgeben, andererseits könnten die Multiplikatoren bei nachlassenden Condx am nächsten Tag nicht mehr zu hören sein. Da die 20 m Antenne nur ein kleiner Tribander ist, bleibt die QSO-Rate allerdings niedrig genug um erhebliche Leerlaufzeiten während des CQ-Rufens entstehen zu lassen.

Dieses Dilemma lässt sich wie folgt umgehen, wenn eine 2. Station mit einer brauchbaren Antenne (z. B. einer 2-Element Yagi) zur Verfügung steht:

Die Zeit während des automatischen CQ-Rufs wird zur Multiplikator-Suche auf 15 m verwendet. Bleibt der eigene CQ-Ruf unbeantwortet und der gefundene 15 m Multiplikator geht auf Empfang, kann dieser angerufen werden. Im Idealfall wird das QSO schnell abgewickelt und der Run-Betrieb kann auf 20 m ohne größere Verzögerung fortgesetzt werden ohne dass die Frequenz verloren geht. Die 20 m Frequenz kann während des Multiplikator-Arbeitens beobachtet werden, um auf ein QRL? einer frequenzsuchenden Station reagieren zu können. Klappt das QSO nicht auf Anhieb, wird der Betrieb solange auf 20 m fortgesetzt, bis sich ein neuer, günstiger Moment ergibt. Man sollte das 2. Radio mit Rücksicht auf die Run Station verwenden um die Rate nicht zu verschlechtern. Steht jedoch viel Zeit zur Verfügung, können auch Nicht-Multiplikatoren auf dem 2. Radio angerufen werden. Hierbei ist es oft überraschend, wie enorm sich die QSO-Rate durch ein wenig Betrieb mit der Zweitstation verbessern lässt; in manchen Situationen mehr, als ein großer Beam bringen würde! Vorsicht ist geboten, wenn der 2R-Betrieb ergiebiger als der Run-Betrieb wird. Dann ist es höchste Zeit für einen Bandwechsel! Es kommt also auf die richtige Balance an, damit der eigentliche Betrieb nicht behindert wird und man nicht den Überblick verliert.

Folgende Einsatzmöglichkeiten für die 2. Station sind denkbar und hängen ab von den betriebstechnischen Möglichkeiten des OPs, der Stationsausrüstung und des Contests:

  • Überwachung anderer Bänder hinsichtlich Condx und neuer Multiplikatoren
  • Suchen einer neuen CQ-Frequenz oder einer freien Frequenz, um Multiplikatoren dorthin zu schicken
  • Suchen und Arbeiten neuer Stationen, insbesondere Multiplikatoren
  • gleichberechtigte 2. Station, die bestimmten Bändern zugewiesen ist und bei Bandwechsel übernimmt
  • gleichberechtigte 2. Station für alternierendes CQ-Rufen (insbesondere RTTY)
  • oder einfach nur um wach zu bleiben, die Konkurrenz zu beobachten und Spaß zu haben

All dies sollte richtig dosiert zu einer Verbesserung des Contestergebnisses führen!

Hardware

Wie zu Beginn angedeutet, hängt die eingesetzte Hardware davon ab, was mit SO2R erreicht werden soll und welche Conteste bevorzugt gefahren werden.

Vorsichtsmaßnahmen

Grundsätzlich wird ein Schutz des Empfängereingangs benötigt, der je nach Anwendung und Abstand der Antennen von einer einfachen Sicherung am Empfängereingang, über RX-Bandpassfilter (z. B. BCC-Preselektor) bis zu 100W-Bandpassfilter, Coax-Stubs und High-Power Bandpassfilter in der Antennenzuleitung reichen kann. Zunächst sollten alle Band- und Antennenkombinationen mit QRP durchgemessen werden, um die Stärke des Störsignals zu ermitteln. Achtung, auch mit 5 W Output und abgesetzter Antenne kann eine RXEingangsstufe durchbrennen! Insbesondere auch auf Masseschleifen, zu lange und unabgeschirmte Leitungen und schlechte Kontakte (insbesondere PL- und Cinch-Verbindungen) achten. Die resultierenden Probleme können sehr variabel (Einstrahlung, Störsignale, Gleichrichtereffekte) und schlecht zu lokalisieren sein.

Antennen

Der räumliche Abstand zwischen den Antennen sollte maximal sein, um Störungen zu vermeiden. Multibandantennen sind von Nachteil, da Nebenwellen auf den jeweils anderen Nutzbändern ungedämpft abgestrahlt werden. Antennen aus vielen Einzelteilen können aufgrund der mechanischen Übergänge Interferenz erzeugen, die schwer zu lokalisieren ist und sich mit Bandfiltern nicht beseitigen lässt. Dennoch kann auch bei kleinsten Antennenabständen, wie z. B. unmittelbar nebeneinanderliegenden Strahlern mit separater Speiseleitung SO2R mit hoher Sendeleistung möglich sein. Ein einfacher Multibanddipol kann im CQWW DX SSB eine enttäuschende Antenne für die 2. Station sein und evtl. sogar die CQ-Rate erheblich behindern, dagegen wird sie im CQWW WPX CW auf 40 m und 80 m viele zusätzliche EU-QSOs und -Präfixe bringen.

Antennenumschaltung

Hat bisher ein einfacher manueller Antennenschalter gereicht, müssen nun beide Stationen gleichermaßen Zugriff auf die vorhandenen Antennen haben. Neben den bekannten 6 × 2 oder 10 × 2 Matrixschaltsystemen ist eine gut erreichbare Umsteckleiste mit leistungsfesten BNC-Buchsen eine gute und bedienungssichere Alternative für den Selbstbau. Manchmal ist die Installation eines separaten kleinen Antennensystems für die 2. Station einfacher zu realisieren, als eine komplexe Antennenumschaltung im Shack. Eine andere Möglichkeit ist die strategische Verteilung der Antennen auf die beiden Stationen, sodass entweder immer das übernächste Band zur Verfügung steht, oder jeweils nur die High- oder Low-Band Antennen.

PTT Lockout

In den meisten Contesten ist sinnvollerweise nur ein einziges Signal zur selben Zeit erlaubt. Dies erfordert entweder eine akribische Disziplin des OPs, oder besser eine Lockout-Schaltung, welche nur ein einziges sendendes Radio zulässt, wobei hardware- oder softwaremässige Lösungen möglich sind. Bei einer einfachen Variante steuert das PTT-Signal des einen Radios ein Relais, welches die Tast- oder Mikrofonleitung des jeweils anderen Radios unterbricht. Hierbei handelt es sich um die sogenannte »Last-Win«-Situation. Das zuletzt angesteuerte Radio »gewinnt« die Sendeoption. Bei der »First-Win«-Situation kann das zuletzt angesteuerte Radio die laufende Sendung des ersten Radios nicht unterbrechen. Beide Varianten haben ihre Vorteile, die erstere lässt jedoch eine schnellere Reaktion auf Betriebssituationen, wie z. B. Rückfragen, zu.

NF Umschaltung

Spätestens jetzt stellt sich die Frage, wie intensiv SO2R-Betrieb durchgeführt werden soll. Wird das 2. Radio vorwiegend zur Beobachtung eingesetzt, kann bereits ein evtl. vorhandenes Spektrum-Display ausreichen, um eine Bandöffnung oder ihren Peak zu erkennen. Zum Suchen einer freien Frequenz oder gelegentlichen Beobachten von Stationen kann auch mit dem eingebauten Lautsprecher gearbeitet werden, da eine räumliche Zuordnung des von außerhalb des Kopfhörers kommenden NF-Signals gut möglich ist. In der Regel ist jedoch eine Verteilung der beiden NF-Zweige auf den Kopfhörer sinnvoll, wofür unterschiedlichste Lösungen, sowohl selbstgebaut oder kommerziell, denkbar sind:

  • manuelle Umschaltung: »Links«, »Stereo«, »Rechts«
  • automatische Umschaltung, PTT- oder softwaregesteuert
    • NF des jeweils anderen Radios auf beide Kopfhörerkanäle
    • NF des jeweils anderen Radios nur auf einen Kopfhörerkanal
    • jede denkbare andere Kombination, abhängig von Konzentration des OPs, CQ-Rate und Signalstärke der Gegenstationen

Kommerzielle SO2R-Controller

Mittlerweile sind diverse Controller erhältlich, wobei der Trend eindeutig in Richtung »All-in-One«-Lösungen geht. Es ist nicht nur die Steuerung der NF-Verteilung möglich, sondern teilweise auch die Variante der Lockout-Strategie, Radiosteuerung, CW-Interface und -Keyer, Voice-Recorder und RTTY-Interface bzw. -Soundkarte. Dies kann die Anzahl der benötigten externen Zusatzgeräte und Kabelverbindungen im Shack deutlich reduzieren. Auch ist hiermit eine komfortable Anpassung an verschiedenste Betriebssituationen durch eine Änderung des NF-Verteilungsmodus oder der Lockout-Priorität möglich. Auf der anderen Seite ist aber auch Vorsicht geboten, da die Installation komplex sein kann, insbesondere wenn die Station noch vor dem Contest aufgebaut wird. Hier sind Probleme vorprogrammiert, da im Falle eines Fehlers oder Defekts alle anderen Funktionen wie z. B. CW- und RadioInterface mit ausfallen können und auch HF-Einstrahlung ein häufiges Problem ist.

Eine einfache selbstgebaute Hand-Umschaltung im NF-Zweig kann auch für den fortgeschrittenen OP eine gute Lösung sein und ist nach 24 Stunden Contest oft besser zu bedienen als eine intelligente Vollautomatik.

Stationslayout und Software

Soll echter SO2R-Betrieb mit einer sendenden Zweitstation durchgeführt werden, muss zunächst zwischen 2 Stationskonfigurationen gewählt werden:

1-PC Variante
2 Transceiver, die durch einen einzigen PC gesteuert und je nach Präferenz mit einem einzigen oder 2 separaten Keyer/Mikrofonen verwendet werden. Hierbei erkauft man sich die mögliche Ersparnis von externen Geräten für beide Stationen mit einer erhöhten Stationskomplexität und der Notwendigkeit eines SO2R-Controllers, der zwischen den beiden Stationen hin und her schaltet. Voraussetzung ist eine Contestsoftware, die über Zusatzfunktionen zur Steuerung von 2 Radios sowie zur Kommunikation mit dem SO2R-Controller verfügt, damit die Umschaltung zwischen Radio, NF und QSO-Eingabefenster richtig koordiniert wird.
2-PC Variante
2 vollkommen unabhängige Stationen mit eigenem PC, Tastatur, CW-Keyer, Mikrofon usw. Der Aufbau gleicht einer Multi-Single oder Multi-2 Station, die räumlich so nebeneinander platziert ist, dass der OP

bequem Zugriff auf beide Stationen hat. Die PCs und die Contestsoftware werden hierzu wie beim Multi-OP Betrieb vernetzt, eine spezielle SO2R-Unterstützung ist nicht erforderlich.

Die Vorteile der ersten Variante sind die bequeme Sitzposition des OPs direkt vor dem PC, der in der Regel mittig zwischen den beiden Stationen angeordnet ist, sowie der Operating-Komfort durch die mögliche Automatisierung der Umschaltung zwischen den beiden Stationen. Die Lernkurve ist jedoch steil, die Tücke liegt im Detail. Beispielsweise hört man den eigenen CW-Mithörton nicht mehr, wenn die NF während der Aussendung vollständig auf das Zweitradio gelegt wird. Oder man identifiziert gerade die Seriennummer eines leisen Multiplikators, wenn die NF auf dem linken Ohr wieder auf das CQ-rufende Radio hinüberschwenkt und ein lauter Anrufer den Multiplikator im anderen Ohr übertönt bzw. der Cursor in das CQ-Fenster wechselt. Wird diese Betriebstechnik jedoch perfektioniert, ist sie sicherlich die eleganteste und effektivste Variante.

Die »2-PC Variante« ist weniger fehleranfällig und besser kalkulierbar. Jede Station hat eine eigene Tastatur und Keyer/Mikrofon, sodass jederzeit reagiert werden kann und Rufzeichen oder Nummernfragmente bequem eingetippt werden können, bis das QSO schließlich getätigt wird. Wählt man das »Last-Win« Verfahren, wird im schlimmsten Fall die Sendung des ersten Radios unterbrochen. Ansonsten behält man die vollständige Kontrolle über die Eingabe in der Software und den NF-Fokus. Man muss allerdings Platz für die erforderlichen 2 Tastaturen und CW-Paddles auf dem OP-Tisch einplanen und gelegentlich die Sitzposition dem überwiegend genutzten Radio wieder zuwenden.

Während bei letzterer Variante auch CT/DOS im Netzwerkmodus funktioniert, geht es bei der »1-PC Variante« nur noch mit den modernen Windows-Programmen wie z. B. Win-Test, Writelog und N1MM, die alle SO2R in unterschiedlichster Weise unterstützen, teilweise mit eigens konzipierten Zusatzgeräten. Eine Ausnahme ist TRLOG/DOS, das speziell für SO2R ausgelegt ist. Aufgrund seiner Stabilität hat sich für beide Varianten Win-Test bestens bewährt.

SO2R Techniken

Die übliche Vorgehensweise für SO2R ist der CQ-Ruf mit Radio 1 und das Suchen nach neuen Stationen mit Radio 2. Um die Station mit Radio 2 zu arbeiten wird entweder der richtige Augenblick (ohne Anrufer) an Radio 1 abgewartet, oder Radio 1 ruht solange, bis der Betrieb an Radio 2 beendet ist. Das CQ-Radio sollte stets Priorität haben, damit der eigentliche Contestbetrieb nicht behindert wird. Im Idealfall sollte der Zuhörer nicht bemerken, dass SO2R-Betrieb durchgeführt wird. Richtiges Timing und das Vermeiden von zu leisen und langsamen Stationen auf Radio 2 sind hierzu Voraussetzung.

In manchen Situationen kann alternierendes CQ-Rufen sinnvoll sein, z. B. wenn die QSO-Rate sehr niedrig ist und Search & Pounce keine neuen QSOs liefert. Durch das Einstreuen einiger kurzer CQ-Rufe auf einem anderen Band kann auch getestet werden, ob sich ein Bandwechsel lohnt. Je nach Stationslayout kann das 2. Radio dann einfach den Run-Betrieb übernehmen. Insbesondere in RTTY ist das alternierende CQ-Rufen wegen den langen Durchgängen sinnvoll und bei Top-Contestern üblich.

»Inverser SO2R-Betrieb«: Gelegentlich ist es produktiv mit einem Radio über das Band zu drehen. Dies geht am effektivsten mit 2 VFOs, zwischen denen immer dann gewechselt wird, wenn die Gegenstation noch im QSO ist. Dennoch können auch hier Leerlaufzeiten entstehen, die man durch einen kurzen CQ-Ruf mit Radio 2 auf einem anderen Band füllen kann. Hier ist jedoch höchste Vorsicht geboten, da der CQ-Ruf andere Stationen stören könnte. Dies funktioniert deshalb in der Regel nur auf 10 m oder 15 m, wo die CQ-Frequenz hoch genug im Band platziert werden kann.

SO2R in welchem Contest?

Für SO2R-Betrieb sind insbesondere geeignet:

  • Alle RTTY-Conteste, die SO2R erlauben. Aufgrund der langen Durchgänge und der damit erheblichen Leerlaufzeiten eignet sich RTTY ausgezeichnet für SO2R. Es ist durchaus üblich, auf 2 Bändern alternierend CQ zu rufen und zeitversetzt Stationen zu arbeiten.
  • Alle CW/SSB Conteste mit fixer Austauschziffer: z. B. CQWW DX und IARU HF.
  • Etwas schwieriger, aber dennoch sehr effektiv, ist SO2R bei variabler Austauschziffer: z. B. CQWW WPX, WAEDC, WAG, RDXC.

Im ARRL DX (DX side) findet man mit der 2. Station in der Regel nur die Big Guns, die oft bereits im Log sind. Ausnahme: 10 m/160 m bei schlechten Condx.

Anwendungsbeispiele

Beispiel 1

Vorhanden ist eine gut ausgerüstete Single-OP Station mit einem großen fullsize Tribander und einer abgesetzten Low-Band-Vertikal. Die Präferenz liegt bei DX-Contesten wie CQWW DX, CQWW WPX, ARRL DX und WAEDC. Im Shack ist neben dem neuen Transceiver plus Endstufe noch ein Drake TR7 als Ersatzgerät vorhanden. Dieser wird mit einem BCC-Preselektor kombiniert und an die jeweils nicht benutzte Antenne manuell angeschlossen um Bandöffnungen der Grenzbänder nicht zu verpassen, eine neue CQ-Frequenz auf den dicht belegten unteren Bändern zu suchen und den richtigen Moment zum Bandwechsel zu finden. Der OP fühlt sich bzgl. seiner OP-Strategie nun wesentlich sicherer, verliert keine Zeit bei unüberlegten Bandwechseln auf nicht offene Bänder und wechselt im richtigen Moment auf 10 m um mehrere Multiplikatoren in kurzer Zeit auf ihrem Peak zu arbeiten.

Beispiel 2

Der engagierte Nachwuchscontester betreibt einen kleinen TrapBeam auf dem Hausdach mit unmittelbar darunter hängenden Drahtdipolen für die unteren Bänder. Gegen den Contester aus Beispiel 1 hat er nie eine Chance, weil er in DX zu leise ist. Er ist jedoch ein leidenschaftlicher High-Speed Telegrafist und langweilt sich nicht selten während seiner mehrfachen erfolglosen CQ-Rufe. Er erwirbt einen IC735 plus SB220 günstig auf dem Flohmarkt und ergänzt seine Station nach der »2-PC Variante« mit selbstgebauten Coax-Stubs und einer einfachen NF-Umschaltbox. Da die Störungen zwischen den nahe montierten Antennen zu groß sind, errichtet er zu den großen Contesten im Garten jeweils einen Spiderbeam und eine HF2V 40 m/80 m Vertikal, die an die 2. Station angeschlossen werden. Das genügt um in CW einige zusätzliche QSOs und Multiplikatoren zu arbeiten, die ihn im CQWW WPX CW nahe an das Ergebnis vom Contester aus Beispiel 1 herankommen lassen.

Fazit SO2R ist nicht die erste Option, um die Leistungsfähigkeit der Station zu verbessern. Es existiert jedoch eine große Bandbreite an Möglichkeiten um SO2R zu betreiben. Die wenigsten OPs nutzen tatsächlich die automatisierte Variante mit Softwaresteuerung, SO2R Controller und Antennenumschaltung. Aber auch mit einfachen Mitteln lässt sich effektiver SO2R Betrieb durchführen.

Ein sinnvoller Beginn ist der Bau einer einfachen NF-Umschaltung und die Verwendung eines 2. Radios mit Preselektor an einer vorhandenen Antenne. Wann immer Leerlaufzeiten entstehen, kann auf dem 2. Radio gehört werden. Beispielsweise um den richtigen Zeitpunkt für einen Bandwechsel oder eine neue CQ-Frequenz zu finden. Vielleicht hört man auch nur dem Contester von nebenan auf einem anderen Band zu und ist beruhigt, dass es bei ihm nicht besser läuft. Wenn man mit dieser Betriebstechnik gut zurecht kommt, kann geplant werden, wie intensiv der SO2R-Betrieb auch sendeseitig durchgeführt werden soll.

Man sollte jedoch immer darauf achten, dass der eigentliche Contestbetrieb durch die 2. Station nicht gehemmt wird und dass man andere Stationen durch unachtsame Aussendungen nicht stört. Gerade bei SO2R muss Fair Play und ethisches Verhalten an vorderster Stelle stehen!

Referenzen

Folgende Online-Quellen sind möglicherweise für den angehenden und aktiven SO2R-OP hilfreich.

Bandfilter:

  • 100 W-Bandpassilter nach W3NQN [54]
  • 4O3A High Power Bandpassfilter [2]
  • Dunestar Model 600 100 W Bandpassfilter [20]
  • W3NQN/WXØB 100 W Bandpassfilter [6, 7]

Coax Stubs:

  • K2TR High Power Coax Stubs [37]

SO2R Präsentationen: Single Operator 2 Radio (SO2R) - A true challenge in Contesting [10]

  • Single-Operator Contesting with Two Radios [29]
  • SO2R RTTY Contesting with WriteLog [30]
  • Two Radio Presentation [65]
  • Using SO2R to increase operating time [52]

SO2R Produkte:

  • Basic SO2R Box [11]
  • K8ND [39]
  • Microham MK2R [41]
  • TopTen DX Doubler [21]
  • WXØB SO2R Master [8]

2BSIQ

Multi-Operator-Betrieb

Die vorausgegangenen Informationen in diesem Kapitel betreffen Betriebstechnik allgemein, unabhängig von der Teilnahmeklasse. Hier wird nun auf Besonderheiten beim Multi-Operator-Betrieb eingegangen.

Multi-Single oder Multi-Two

In der sehr beliebten Multi-Operator-Single-Transmitter-Kategorie gibt es – je nach Contestausschreibung – Besonderheiten und hilfreiche Hinweise um das Ergebnis zu maximieren.

Die Teilnahmeklasse »Multi-Single« wird in vielen Wettbewerben so ausgelegt: Es darf eine zweite, unabhängige Station betrieben werden, die lediglich Multiplikatoren arbeiten darf.

  • So ist es z. B. im CQ-WW-DX-Contest. Es gelten aber dort sowohl für die RUN- als auch für die MULT-Station gewisse Zeitbeschränkungen nämlich die 10-Minuten-Regel. Sowohl Haupt- als auch Multiplikator-Station dürfen frühestens 10 Minuten nach dem ersten QSO auf Band A ein QSO auf Band B loggen. Für jede der beiden Stationen gilt ein eigenes 10-Minuten-Fenster. Beim Arbeiten eines Multiplikators muss der Betrieb an der Hauptstation nicht unterbrochen werden.
  • Beim WAE-DX-Contest dürfen in der Multi-OP-Klasse prinzipiell bis zu fünf Stationen gleichzeitig betrieben werden, von denen jedoch eine die RUN-Station ist und die anderen lediglich Multiplikatoren arbeiten dürfen. RUN darf frühestens nach 10 Minuten QSY machen, die Multiplikatorstationen sind »frei«. QTCs dürfen jedoch nur von RUN geloggt werden. Die QSY-Zeit wird durch das letzte QSO auf dem vorletzten Band bestimmt. Beim Arbeiten eines Multiplikators muss der Betrieb an der Hauptstation nicht unterbrochen werden.
  • Im ARRL-DX-Contest und im CQ-WPX Contest hat man sich für die Teilung der Multi-OP-Kategorie in Multi-OP/Single-TX und Multi-OP/2-TX entschieden. In der einfachen Kategorie ist deshalb wirklich nur ein Sender erlaubt.

Alternativ zu Multi-Single gibt es die Multi-Two-Kategorie. Zwei Sender, genannt RUN1 und RUN2 dürfen hier unabhängig voneinander die Bänder beackern und jeweils bis zu 8 Bandwechsel pro Stunde durchführen.

Es gibt in jedem Wettbewerb Eigenheiten und es empfiehlt sich, diese zu kennen und zu beachten. Die Nutzung von DX-Cluster, Skimmer und Reverse Beacon Network ist in der Multi-Operator-Kategorie in allen wesentlichen Wettbewerben zugelassen.

Softwareunterstützung

Gängige Contestsoftware wie Win-Test unterstützt Multi-Operator-Stationen durch verschiedene Features:

  • IP-basierte Vernetzung und automatisierte Synchronisation der Logs. Jede Station hat alle Informationen über QSOs und Multiplikatoren jederzeit aktuell vorliegen.
  • Funktionen zur Kommunikation wie GAB oder PASS.
  • Es gibt sowohl für die Haupt- als auch für die Multiplikatorstatstation jeweils einen Timer, der die noch einzuhaltende Verweildauer auf dem jeweiligen Band in Minuten und Sekunden anzeigt.
  • Es kann zwischen Hauptstation (RUN) und Multiplikatorstation (MULT) umgeschaltet werden, um die bei manchen Contesten geforderte Unterscheidung von Run- und Multiplikator-Station im Cabrillo-File zu dokumentieren.
  • Möglichkeit den Betrieb mit zwei Operateuren zu gestalten (sog. »Partner Mode«).

Multi Single

Man kann eine Multi-Single Station klassich mit einem Transceiver betreiben, an dem mehrere Operateure sich im Betrieb abwechseln.

Ernsthafte Teilnehmer betreiben jedoch zwei, drei oder noch mehr Stationen. Die Hauptstation (RUN) ist dafür zuständig dass kontinuierlich QSOs ins Log kommen, also CQ zu rufen oder mit S&P Mode Stationen anzurufen. Die Aufgabe der zweiten Station (MULT) ist, Multiplikatoren zu suchen und im Rahmen der Regeln zu arbeiten, die der dritten Station besteht darin, einen bevorstehenden Bandwechsel vorzubereiten, schon einmal neue Multiplikatoren oder Stationen auf dem neuen Band zu avisieren und in die Band Map einzutragen, um dann beim Bandwechsel in Sekundenschnelle das neue Band zu übernehmen.

Der Betrieb einer Multi-Single-Station erfordert je nach Wettbewerb mehr als zwei OPs. Erfolgreiche WWDX-M/S-Stationen haben typischerweise drei bis sechs OPs. Dabei kann die Mischung unterschiedlich sein, nicht jeder ruft gerne stundenlang CQ. Der Operator an der RUN Station muss sich darauf konzentrieren, möglichst viele QSOs ins Log zu bekommen, ohne besonders auf DX-Spots, Multiplikatoren usw. zu achten. Seine Aufgabe ist es, QSOs in Log zu bekommen; selbst wenn die Rate fällt, muss er den Betrieb aufrecht erhalten, notfalls werden eben Stationen angerufen.

Der OP an der MULT Station dagegen konzentriert sich auf das Arbeiten von Multiplikatoren sowie Pflege der Band Map und weist die Hauptstation ggf. auf besondere Ereignisse oder Bandöffnungen hin. Er muss die Ausbreitungsbedingungen gut kennen und DXer-Eigenschaften besitzen, dabei aber nicht die Wirtschaftlichkeit von Multiplikatoren vergessen – d. h. wenn bei einer seltenen Station kein Durchkommen möglich ist, rechtzeitig davon abzulassen, anstatt minutenlang hinterherzurufen.

Die Rollen der beiden Stationen RUN und MULT können während des Wettbewerbs beliebig oft getauscht werden. Beispielsweise RUN auf 40 m, MULT sucht auf 20 m Multiplikatoren. Entscheidung: Wechsel auf 20 m. MULT wird zu RUN, die andere Station kann nun in Ruhe QSY machen, ein neues Band nach Multiplikatoren absuchen und frühstens nach 10 Minuten den RUN-Betrieb wieder übernehmen.

Die Kommunikation zwischen den OPs an den beiden Stationen ist sehr wichtig; dabei nützlich ist die GAB-Funktion gängiger Contest-Programme, bei WinTest: <Alt>-G.

Cluster-Meldungen sind zwar wichtig um das Bandgeschehen im Auge zu behalten, aber am ersten Tag sollte man sich nicht darauf versteifen, die dort gemeldeten Multiplikatoren wegzuarbeiten. Geht man ausschließlich den Cluster-Spots nach, so findet man sich im Pile-up immer mit den gleichen Stationen wieder – und wenn man nicht gerade eine Superstation hat – ist die Reihenfolge im Pile-up immer dieselbe und man verliert dadurch Zeit.

Es lohnt sich fast immer, am ersten Tag auf dem höchsten offenen Band CQ zu rufen. Einerseits kommen auf diese Weise viele Multiplikatoren von selbst ins Log. Außerdem kann es sein, daß am zweiten Tag die Ausbreitungsbedingungen zusammenbrechen und deshalb viele QSOs gar nicht mehr zustandekommen. Am zweiten Tag wendet sich das Blatt. Jetzt sind die meisten gängigen Multiplikatoren im Log und nun sind die Meldungen im DX-Cluster interessanter. Es sollte jeder einzelnen nachgegangen werden. Um den Überblick nicht zu verlieren, sollte die Band Map sauber gehalten werden, d. h. Falschmeldungen oder unhörbare Stationen aus der Liste löschen.

Üblicherweise werden am ersten Tag ca. 60 % der Gesamt-QSOs und 75 % der Multiplikatoren gearbeitet. Man kann so nach 24 Stunden bereits das Endergebnis einigermaßen sicher abschätzen.

Multi Two

Der Multi-Two-Betrieb unterscheidet sich vom Multi-Single-Betrieb darin, dass zwei Stationen RUN1 und RUN2 betrieben werden dürfen, die unabhängig voneinander sind und sowohl QSOs als auch Multiplikatoren arbeiten dürfen.

Die Zahl der Bandwechsel sind limitiert auf üblicherweise 8 pro Station pro Stunde – wobei ein kurzes QSY und wieder zurück als zwei Bandwechsel zählt. Im Sinne einer möglichst hohen Endpunktzahl ist Multi-Two dem Multi-SingleBetrieb vorzuziehen.

Sehr erfolgreiche Multi-Two-Stationen halten sogar meist drei oder vier Stationen in Betrieb. Die dritte und vierte dient zur Vorbereitung des nächsten Bandwechsels bzw. nutzt die Möglichkeit, schnell einen Multi auf einem anderen Band zu arbeiten.

Multi Multi

Die folgenden Hinweise gelten vor allem für Multi-Multi-Betrieb im WWDXContest von einem seltenen Land aus. Sie entstanden aus Notizen beim Betrieb von CN8WW in den Jahren 1999 und 2000.

Strategie der ersten Stunden

Die ersten Stunden haben ein Motto: Run, run, run. Das heißt CQ-Rufen und QSO-Fahren, was das Zeug hält. Zumindest auf den offenen Bändern, im WWDX meistens 20 m–160 m. Auf 15 m und 10 m gilt analoges, sobald sich das Band öffnet, bzw. erstmalig nach USA aufgeht. Es muss Zeit gewonnen werden für langsame QSOs und Multiplikatoren. Stationen, die gleich zu Anfang des Wettbewerbs QRV sind, sind üblicherweise schnelle, präzise OPs, die in kürzester Zeit weggearbeitet werden können. Der Andrang ist meist enorm und kann dann über längere Zeit aufrecht erhalten werden, wenn es gelingt, die QSO-Rate hoch zu halten.

Am Tag 1 kann man getrost 99 % der Cluster-Spots ignorieren. Mit einem gewissen Fingerspitzengefühl muss man die kritischen Multiplikatoren erkennen und diesen Meldungen nachgehen, alles andere kann man erst einmal links liegenlassen. Viele Multiplikatoren kommen von alleine.

Am Tag 2 schaut die Sache ganz anders aus. Das Ziel ist, jeden Multi, der auf dem Band überhaupt auftaucht, ins Log zu bekommen. Es sollte nun jedem Multi aus dem DX-Cluster nachgegangen werden – jetzt, da auch die QSO-Raten etwas langsamer sind, ist genug Zeit dafür.

Informationen im Log nutzen

Die unter Win-Test nutzbare Check-Partial-Funktion (Taste F8) bzw. Super-CheckPartial (Taste F12) ist gerade im Multi-Multi-Betrieb eine sehr nützliche Einrichtung. Oft arbeitet man eine Station nicht zum ersten mal und wenn nur Fragmente des Rufzeichens gehört werden, kann man diese bereits vorbereitend eintippen und mit Check-Partial nachsehen, ob sich ein passendes Rufzeichen bereits im Log befindet. Indem man das Check-Partial-Fenster im Augenwinkel behält, kann man oft durch gezieltes Raten das Rufzeichen auch bei schwachen oder schwer lesbaren Signalen ermitteln.

Eine Spezialität ist das Fehlen eines oder mehrerer Buchstaben unter besonders schwierigen Bedingungen. Hier kann man anstelle der fehlenden Buchstaben ein Fragezeichen »?« eintragen. Win-Test wertet dieses erstens als Wildcard und das Fragezeichen hat im Rufzeichenfeld noch die Sonderbedeutung, daß es überschreibbar ist (d. h. hier kein Insert-Mode). Ist diese Funktion erst einmal bekannt, dann erkennt man hier ein überaus praktisches Feature, um »Grasnarben-QSOs« zu vervollständigen.

Eine weitere Informationsquelle ist das Check-Call-Fenster von Win-Test. Viele Stationen versuchen mehrere oder alle Bänder mit seltenen Stationen komplett zu bekommen. Oft kann ein Blick in das Check-Call-Fenster die letzten Zweifel über die Korrektheit eines Rufzeichens zerstreuen. Findet man die Station bereits auf anderen Bändern im Log, auf dem aktuellen aber nicht, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Rufzeichen so, wie es jetzt da steht, korrekt ist.

Multiplikatoren verschicken

Bereits ab Minute 1 des Betriebes ist das Verschicken von Mutiplikatoren eine gute Möglichkeit, die Multiplikatorliste auf allen Bändern aufzufüllen. Alle kritischen Multiplikatoren werden – wenn sie anrufen – gebeten, die Station auf dem benachbarten Band ebenfalls anzurufen. Der Aufwand ist gering und es wird im Endeffekt wertvolle Zeit eingespart, da der Multiplikator später nicht mehr gesucht werden muss. Wichtig ist, daß alle an der Operation beteiligten OPs sich bewusst sind, welche Multiplikatoren wo fehlen, um zielgerichtet verschicken zu können. Bei Win-Test sollte deshalb stets das Check-Country-Fenster geöffnet sein und im Augenwinkel behalten werden.

Win-Test bietet – bei entsprechender Anbindung der Transceiver – die Möglichkeit, die Frequenz im Win-Test-Netz bekanntzugeben. Mit <Alt>-J kann ein Fenster geöffnet werden, in dem sowohl die Run-Frequenz als auch eine sog. Pass-Frequenz angezeigt wird. Die eingeführte Konvention ist so:

  • Wird selbst CQ gerufen, d. h. man hat eine Run-Frequenz, trägt man in der Pass-Frequenz Bandanfang ein (z. B. 14000).
  • Dreht man übers Band, d. h. es gibt keine Run-Frequenz, dann trägt man eine Pass-Frequenz ein auf die Multiplikatoren ggf. hin verschickt werden.

Durch diese Konvention wissen die Stationen der anderen Bänder immer, auf welche Frequenz verschickt werden soll. Eiserne Disziplin ist hier angesagt.

Falls eine Station verschickt wird, muss über die PASS-Funktion (Win-Test: <Alt>-D) ein kurzer Hinweis gegeben werden, damit dem erwarteten Multiplikator die entsprechende Aufmerksamkeit zuteil wird (z. B. Antennenrichtung) oder Pile-Up anhalten und gezielt rufen.

Betrieb des MOZ

Das MOZ (»Multiplikator-Organisatsions-Zentrum«, aus der Begriffswelt von LX7A stammend) dient in der Endphase des Contests dazu, Multiplikator-Lücken zu füllen. Hierzu wird gegen 12:00 UTC Sonntags eine Bestandsaufnahme gemacht und potentielle Stationen, die auf bestimmten Bändern noch fehlen, ermittelt. Das MOZ sucht dann mit einem eigenen Empfänger diese Stationen auf den Bändern (evtl. unter Zuhilfenahme von DX-Cluster), weist danach die jeweilige Band-Station an, Kontakt mit dieser aufzunehmen und ein QSY auf das Band zu vereinbaren, auf dem diese noch benötigt wird.

Da am Ende des Wettbewerbs jeder Multiplikator sehr viel wert ist, lohnt der zusätzliche Aufwand. Es ist wichtig, dass alle Beteiligten dies einsehen.

Zwei OPs an der Station

Zur Steigerung der Effektivität und entsprechendes Personal vorausgesetzt, können an jeder Station zwei OPs arbeiten. Die Arbeitsteilung ist in SSB so, daß der 1. OP alle Sendeoperationen vornimmt, während beide jeweils einen eigenen Empfänger, evtl. mit unterschiedlichen Antennen betreiben. Jeder der beiden OPs hat einen eigenen Computer, kann Rufzeichen eintragen und auch ggf. loggen. In CW ist es ähnlich, jedoch kann hier der 2. OP sogar einen Zugang zum Sender bekommen, d. h. hier sind zwei Tast-Interfaces parallel am Sender anzuschließen.

Per Win-Test Partner-Mode sind beide OPs miteinander verbunden. Der 1. OP sieht was der 2. OP tippt und umgekehrt. Der 1. OP kann aus dem Partner-Fenster mit einem Klick ein Rufzeichen in das Eingabefeld holen.

In SSB fährt der 1. OP alle QSOs selbst. Der 2. OP nutzt seinen Empfänger um aus dem Pile-Up möglichst ein zweites Rufzeichen oder zumindest ein Fragment vollständig herauszuhören, tippt es in seinem Rechner ein und macht ggf. den 1. OP in der Schlussphase seines QSOs darauf aufmerksam. Der 1. OP ruft nun dieses Rufzeichen auf und fährt ein weiteres QSO. So kann wirksam und wiederholt eine QRZ-Phase eingespart werden.

In CW ergänzen sich die zwei Operateure gegenseitig. Der eine konzentriert sich z. B. auf die hohen, der andere auf die tiefen Anrufer. Oder man macht einen kleinen Wettkampf, wie gut die beiden OPs Rufzeichen aufnehmen können. Wer zuerst das vollständige Rufzeichen hat, darf auf Sendung gehen und das QSO fahren. Sinnvoll ist hier eine digitale Lockout-Schaltung, die sicherstellt, dass nicht beide OPs gleichzeitig auf Sendung gehen und damit die Telegrafie unlesbar wird.

Oft ist bei zwei OPs das Hörverhalten unterschiedlich und so kann häufig ein zweites Rufzeichen oder zumindest ein Bruchstück davon aufgenommen werden.

Da in CW das Arbeiten mit Rufzeichenfragmenten jedoch unsicher und mühsam ist (jedes Fragezeichen sollte vermieden werden, da es von vielen als erneute Aufforderung zum Senden verstanden wird), sollten nur komplette Rufzeichen gegeben werden.

Zu erwähnen ist noch, dass der Empfängereingang des 2. Operators bei Sendebetrieb unbedingt zu schützen ist (MUTE), z. B. durch Tastung der PTT; einerseits deshalb, weil der Empfängereingang durch die empfangene Aussendung zerstört werden kann (Vorverstärker, 1. Mischer oder Abschwächerwiderstände sind meistens das Opfer), andererseits, weil die AGC beim Zurückschalten auf Empfang meist zulange braucht, bis der Empfänger wieder brauchbar ist.

Man kann darauf verzichten, wenn die Empfangantennen weit genug von den Sendeantennen entfernt sind oder wenn es gelingt, das empfangene Sendesignal der Hauptstation durch technische Maßnahmen erheblich zu reduzieren (z. B. durch negatives Feedback).

Operator-Einweisung, Schichtplanung und Zielsetzung

Im Sinne eines effektiven Einsatzes von Operator-Ressourcen sollten folgende Dinge beachtet werden.

Zunächst sind bei Multi-Operator-Betrieb oft unterschiedliche Kenntnisse über die Besonderheiten der Station vorhanden. Wie die Cluster-Anbindung funktioniert, wie man mit dem Stacking von Antennen umgeht, welche Rotorsteuergeräte welche Antennen drehen ist Newcomern an der Station manchmal nicht klar. Während des Contestbetriebs ergibt sich nur selten die Möglichkeit nachzufragen. Ein formales Operator-Briefing vor dem Contest ist deshalb sinvoll, möglichst begleitet von Schemazeichnungen und Diagrammen, die es erlauben, auch während des Contests mal schnell nachzusehen.

Eine zeitliche Einteilung des Betriebes sollte ebenfalls vorher abgestimmt werden. Dies kann sogar bereits in den Tagen vor dem Contest per E-Mail gemacht werden, so dass sich jeder auf Operating- und Ruhezeiten vorbereiten kann. Ohne Schichtplanung entstehen sonst Totzeiten in Zeiten mit niedrigen QSO-Zahlen. Bei der Planung ist darauf zu achten, dass zumindest einer der aktiven OPs ausreichende Kenntnisse von der Station hat. Sind Stärken oder Schwächen der OPs bekannt, so sollte das in der Schichtplanung ebenfalls berücksichtigt werden, um das Ergebnis zu optimieren.

Drittens ist sinnvoll vor Contestbeginn abzustimmen, ob man wirklich auf das optimale, konkurrenzfähige Ergebnis hinarbeiten will oder halt »nur so« oder in Form eines Ausbildungsbetriebes am Contest teilnehmen möchte.

Im ersten Fall sind klare Entscheidungen hinsichtlich eines optimierten Operating-Plans zu treffen. Jeder gibt seine maximale Leistung um das Beste herauszuholen. Die besten OPs müssen zu den Spitzenzeiten ran. Die Betriebszeiten werden nach diesen Gesichtspunkten gestaltet und sind 100 % einzuhalten. In unserem Contestteam sagen wir (frei nach DK4YJ): »Der Schichtplan ist mit Blut unterschrieben«.

Im zweiten Fall muss man sich über die Zielsetzung klar sein. Will man ein gemütliches Wochenende mit etwas Funkbetrieb verbringen (»Paella Contest« nach EA8ZS), will man Ausbildungsbetrieb machen oder will man mit knappen Ressourcen das mögliste an Punkten für das Clubergebnis herausholen.

Diese Fragen sollten einvernehmlich im Team geklärt sein, damit die Motivation stimmt oder im anderen Fall keine falschen Erwartungen geweckt werden.

Assisted oder Non-Assisted

Logistik und Ergonomie

(aus dem BCC-Handbuch, unbedingt überarbeiten und ausdünnen)

Unter Logistik verstehen wir die Bereitstellung allen Materials, welches einen reibungslosen Contestbetrieb ermöglicht. Das beschränkt sich nicht auf die Geräte, es beinhaltet auch die Verpflegung mit leichter, vorbereiteter Kost und Getränken. Die hier aufgeführten Punkte sind keineswegs vollständig und sollen nur ein Anreiz zum Nachdenken sein! Fangen wir bei dem Operator an. Dessen Hauptfeind ist die Müdigkeit. Deshalb muss alles nur Denkbare getan werden, um einer zu schnellen Ermüdung vorzubeugen. Leider kann man nicht »vorschlafen«. Das Mindeste aber ist, dass man ausgeschlafen ist und keine durchzechte Nacht hinter sich hat. Die Betriebsumgebung muss so angenehm wie möglich sein. Keine Einladung zum Nickerchen, aber ich muss locker und bequem sitzen können und genügend Bewegungsfreiheit haben. Alle Bedienelemente müssen in gut erreichbarer Nähe sein. Die Stunde wird kommen, wo ich zu müde bin, um schon wieder mit dem Zweit-VFO suchen zu wollen, oder wo das Heben der Hand, um eine Taste ander Elektronik zu betätigen, eine schiere Überwindung kostet. Dieser Zeitpunk tmuss so weit wie möglich hinausgezögert werden. Für gute Belüftung sorgen, nicht der Geräte wegen. Sauerstoff hilft gegen Abschlaffen. Bei Sauerstoffmangel droht schleichende Müdigkeit. Wenn der Sekundenschlaf beim CQ einsetzen sollte, einmal aufstehen und im Stehen weiterfunken. Leichte Kost! Öfter und weniger essen. Keinen Druck auf den Magen kommen lassen. Langsam auch bei Getränken. Die müssen ja wieder raus und wie gesagt, eine Minute kann 3 oder mehr QSOs kosten. Die Happen rechtzeitig vorbereiten oder vorbereiten lassen. Keine Zeit mit Butterbrotschmieren verplempern. Vorsicht mit Bohnenkaffee! Zwar macht der im Augenblick recht munter und hält die Augen eine zeitlang offen, jedoch kann ich mich damit nicht zwei Tage auf den Beinen halten! Nämlich mit voller Konzentration und mit äußerster Anspannung, ohne ein »Umkippen« des Körpers befürchten zu müssen. Der Kipppunkt wird je nach Kondition irgendwann am Sonntag Mittag sein. Coca-Cola ist so gut wie Gift. Der Zucker macht durstig und setzt einen zeitraubenden Kreislauf in Gang. Traubenzucker oder Schokolade kann dagegen verbrauchte Energie sofort zurückbringen. Eine Leselampe erweist sich als sehr wirkungsvoll im Kampf gegen die Müdigkeit. Helles weiches Glühlampenlicht, Beleuchtungsstärke ca. 500 lx – keine Leuchtstofflampe. Die Lampe so anbringen, dass sie keine Reflexionen am Computer-Monitor oder an den Geräten hervorruft! Ich sollte meine Kondition einschätzen können und wissen, wie viel Schlaf ich brauche, um voll reaktionsfähig zu bleiben, und um die erforderliche Ruhepause in eine Zeit der geringsten Bandaktivität zu legen. Diese Ruhepausen tendieren bei jungen OPs gegen Null und steigen mit zunehmendem Alter tatsächlich an. Kriterium sollte sein: Kann ich am Sonntag früh auf 15 m hunderte verschwindend schwache Japaner noch ohne Schwierigkeiten lesen? Die Schlafforschung hat ergeben, dass der Mensch zyklisch 90 Minuten Tiefschlaf und eine kurze Periode Flachschlaf durchläuft. Aus der Tiefschlafphasegerissen ist man todmüde. Während der Flachschlafphase geweckt ist man fit. Probieren Sie das mal aus: Wenn Sie morgens 30 Minuten vor der Weckerzeit von selbst aufwachen und aufstehen sind Sie fit (Sie können ja die 30 Minuten am Radio spielen), wenn Sie sich noch einmal umdrehen und in die nächste Tiefschlafphase sinken sind Sie beim Weckerrasseln todmüde. Was sehr wichtig ist: Die innere Einstellung zum Wettbewerb, der Kampfgeistund der Wille zum Sieg. Eine gewissenhafte Vorbereitung und Betriebsplanung kann die angemessene Motivation bringen. Aber auch mentales Training, geistiges Vorverarbeiten der kommenden Ereignisse sollte nicht als lächerlich abgetan werden! Oft versuche ich, schon 30 Minuten vor Contestbeginn mit allen Vorbereitungen fertig zu sein und sitze ruhig da, sammle mich, gehe die einzelnen Phasen in Gedanken durch. Fange dann langsam an, mich auf dem Band zu orientieren – wo sind die Multiplikatoren – oder ich lasse den Rest der Welt wissen: Da bin ich!

Ethik

(aus dem BCC-Handbuch, unbedingt überarbeiten und ausdünnen)

Keine andere Sportart stellt derart hohe Ansprüche an die Ethik und Charakterfestigkeit der Wettkampfteilnehmer wie der Contest. Dazu möchte ich einige Gedanken aufgreifen, die K5ZD in einem Leitartikel des National Contest Journal[48] der ARRL formuliert hatte:

Der Contest als Gesamtleistung setzt sich zusammen aus den Geräten wie Empfänger, Sender, Antennen und dem Können des Operators. Das Log ist eine Aufzeichnung der erbrachten Leistungen während des Contests. Die technische Ausrüstung, der Standort usw. beeinflussen das Ergebnis ohne Frage, wie bei anderen Sportarten solche Einflüsse auch existieren. Aber was letztendlich den Ausschlag gibt, das ist der Operator! Wer ein Contestlog einreicht, bestätigt mit seiner Unterschrift – mit seinem Ehrenwort – dass er die Regeln des Wettbewerbs eingehalten hat. Genau so vertraut jeder Teilnehmer darauf, dass der andere sich an die Regeln hält. Dieses gegenseitige Vertrauen schafft die Voraussetzung dafür, dass Conteste überhaupt möglich werden. Im Contest gibt es keinen Schiedsrichter, der die Teilnehmer in all seinen Aktionen beobachtet und beurteilt, um dann einen Sieger zu ermitteln. Einzig und allein das geschriebene Log des Teilnehmers, seine eigenen Aufzeichnungen zum Verlauf des Wettbewerbs, können zur Ermittelung des Siegers herangezogen werden. Das Log enthält lediglich Rufzeichen, Rapporte und Zeiten. Es sagt nichts über die Strapazen, Störpegel, die Erschöpfung oder die Freude bei jeder einzelnen Verbindung. Der Auswerter erwartet ja auch eine nüchterne und exakte Aufzeichnung dessen, was an Verbindungen getätigt worden ist. Diese Aufzeichnungen sollen auf das Können des Teilnehmers schließen lassen. Die Kontrollfunktion des Auswerters konzentriert sich auf die Aufdeckung von Fehlern. In den meisten Fällen ist das auch der Fall. Die Mehrzahl der Contester beachtet die Regeln und arbeitet schlicht nach bestem Wissen und Gewissen. Sie nehmen zu ihrem eigenen Vergnügen am Contest teil, geht es doch anscheinend nur um Diplome, Trophäen oder Selbstbestätigung im Wettkampf. Wie wir jedoch alle wissen geht es doch um mehr als nur Diplome, sonst würde es den Contest als Wettkampf gar nicht geben. Es geht um Erfolg, Ansehen, Ehre. Weil nämlich Menschen beteiligt sind, Persönlichkeiten und Ichs. Der Wettkampf ist das Re-sultat des persönlichen Wunsches, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, sich mit anderen zu messen und besser zu sein. Wenn nun bei der Austragung dieses Wettkampfes nie jemand dabei ist, der die Aktionen bewertet, wenn man immer alleine ist, kommt dann nicht die Versuchung, sich durch kleine Schwindeleien einen Vorteil zuverschaffen? Die Regeln der Conteste sind sehr kurz gehalten und lassen sich deshalb in vielfältiger Weise interpretieren. Das kommt noch zu der oben genannten Versuchung hinzu. Dies alles erfordert von jedem Teilnehmer, seine eigene ethische Grenze zu setzen. Und persönliche ethische Entscheidungen gibt es so viele wie es Persönlichkeiten gibt. Wie viel Leistung ist zuviel Leistung? Merkt es überhaupt einer, wenn ich in der QRP Klasse 100 W fahre? Wie steht das mit den Pausen-oder Verweilzeiten bei »welcher« Uhrzeiteintragung? Kümmert sich überhaupt jemand darum, wenn jemand die Bestimmungen seiner Lizenzklasse nicht einhält? Kann man einfach den letzten fehlenden Buchstaben im Call dazu »erfinden«? Kann man das Pile-up nicht einfach überspringen und die Station doch ins Log eintragen? Kann man die Calls seiner Freunde loggen, denn die hätte man mit Sicherheit gearbeitet, wenn sie nur da gewesen wären? Jeder der sich ernsthaft mit Contesten beschäftigt, wird auf diese Fragen stoßen und sich mit ihnen auseinandersetzen müssen. Aber mehr als nur davon betroffen zu sein, müssen wir aktiv das Setzen und Einhalten von sauberen Normen fördern und betreiben. Das höchste Gut eines Contesters in den Augen der Contest-Gemeinde ist seine Integrität, seine Charakterstärke. Nicht zuletzt gehört dazu, auch verlieren zu können. Nicht derjenige ist ein guter Contester, der am schnellsten ein Pile-up bewältigen kann, sondern derjenige, der die Rufzeichen und Kontrollnummern dabei auch richtig aufgenommen hat.

Mit den heutigen Möglichkeiten der elektronischen Contestauswertung ist es ein Leichtes, die Contestauswertung und Überprüfung maschinell zu betreiben. Mit der Vielzahl der Logeinsendungen und bei entsprechender Auswertung lassen sich vielerlei statistische Werte ermitteln. Zum Beispiel die durchschnittliche Prozentzahl der »Unique Calls«, nämlich Rufzeichen, die in der Gesamtheit der Log seines Contestes nur einmal vorkommen. Langjährige Erfahrungen mit solchen »Normalwerten« liegen in den USA bereits vor. Diese Zahlen haben sich weiter stabilisiert und können jedes »kreative« Log entlarven. Selbst die in der Non-Assisted Klasse unzulässige Nutzung von DX-Clustern oder ähnlichen Hilfsmittelnkann einer modernen rechnergestützten Auswertung nicht entgehen. Dabei soll es in erster Linie nicht darum gehen, jemanden wegen seiner Fehler bloßzustellen oder abzustrafen. Einige Contestauswerter machen die Loganalysen (Uniques, Hörfehler, Broken Calls, usw.) dem Teilnehmer zugänglich. Dieser erhält dadurch die Möglichkeit, seine Schwächen zu erkennen und an Verbesserungen seines Betriebs zu arbeiten. Die Qualität der Conteste steigt dadurch an und die vergebenen Strafpunkte sind eine wirkungsvolle Stimulation, die eigene Betriebstechnik zu verbessern. Oft trifft man auf die Meinung: Was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt. Oder: was man nicht kontrollieren kann, braucht man erst gar nicht verbieten. Ich denke, dies ist der falsche Ansatz. Die Moral, der Anstand, die Fairness und letztendlich der Respekt bleiben auf längere Sicht auf der Strecke. Denn Moral, Anstand und Fairness lassen sich nicht in Regeln formulieren. Das ist mehr eine Frage der Erziehung und der persönlichen Integrität. Zur Kontrolle der Regeleinhaltung braucht man keine Polizei oder Kontrolleure. »Peer Pres-sure« oder Gruppenzwang durch die Contest-Gemeinde können ebenfalls sehr wirkungsvoll sein. Und nicht zuletzt: Der Contest lebt von der Beteiligung vieler, er muss also viele ansprechen. Wenn die Regeln zu lang und zu kompliziert werden, dann wird der Contest uninteressant. Niemand wird Erfolge schätzen, die aufgrund eines unfairen Wettbewerbsvorteils erschlichen wurden! Man kann sich nicht Anerkennung und Ansehen mit der Preisgabe seiner ethischen Grundsätze erkaufen. Diejenigen sind zu bewundern, die treu zu dem Ehrenkodex des Contests stehen und ihre Freude am Contest aus der eigenen erbrachten Leistung beziehen. Deren Freundschaft suchen wir, mit ihnen wollen wir unsere Platzierung vergleichen und Erfahrungen austauschen

Betriebstechnik für Einsteiger

Muss ich CW können, um erfolgreich zu sein?

Nein, aber es hilft in vielen Contesten. Natürlich benötigt man für SSB-Conteste oder für die Teilnahme in einer SSB-Klasse keine CW-Kenntnisse. In einigen Contesten ist es möglich, nur mit SSB-QSOs eine Mixed-Mode-Klasse zu gewinnnen, z.B. im DARC-Weihnachtscontest. Aber oft kann man in CW zusätzliche Multiplikatoren erreichen. CW ist sehr nützlich. Gerade bei einem nicht ganz so gewaltigen Signal erlaubt CW Verbindungen, die in SSB kaum oder gar nicht möglich wären - vor allem auf UKW und den unteren KW-Bändern.

Wie gut muss ich CW können, um an einem CW-Contest teilzunehmen?

Durch das einfache QSO-Schema und die häufigen Wiederholungen ist CW im Contest relativ ungefährlich. Wichtig ist, dass man das eigene Call erkennt, wenn die angerufene Station einen verstanden hat. Oft ist die CW-Geschwindigkeit mit 25 bis 35 WpM (5er Gruppen pro Minute) recht hoch. Meist kann man aber jedes Rufzeichen nach einigen Versuchen zusammenbekommen. Das übt und man wird schnell besser. Der Lohn sind meist wertvolle Multiplikatoren, die das Ergebnis sofort sichtbar erhöhen. In einigen Contesten ist die Kontrollnummer bei jedem QSO gleich. Schwieriger ist es bei laufenden Nummern. Hier kann man aber auch bei den vorangegengen QSOs mitzählen oder nachfragen.

CW im Contest ist in jedem Fall einfacher als ein Standard- oder Schwatz-QSO in CW.

Etwas stressfreier als auf den Bändern lässt sich "Contest-CW" mit der Freeware "MorseRunner" trainieren. Dabei ist man ein CQ-Rufer, der es in absolut naturgetreuer Geräuschkulisse mit QRN, QSB und QRM mit einem einstellbar großen oder kleinen Andrang von Anrufern aller Art zu tun bekommt. Auch die CW-Geschwindigkeit kann man nach seinen eigenen Fähigkeiten einstellen - ebenso wie bei dem Programm RufzXP, das pro Durchgang 50 Rufzeichen sendet. Nach richtig erkannten Calls wird die Geschwindigkeit höher, bei Fehlern wieder niedriger, so dass man meistens im Grenzbereich seines aktuellen CW-Könnens trainiert.

Warum tauschen Contester nur Rapport und eine andere Nummer aus und nicht Name und QTH?

Das Ziel ist es, möglichst viele QSOs in einer möglichst kurzen Zeit zustande zu bringen. Das QSO ist der Beweis, dass man miteinander über Funk Informationen austauschen konnte. Aus diesem Grund werden alle aus dieser Sicht überflüssigen Informationen weggelassen. Du solltest die Contestausschreibungen lesen, um zu erfahren, welche Informationen ausgetauscht werden müssen.

Warum ist der Rapport im Contest immer "5NN"?

Auch wenn die Regeln normalerweise den Austausch eines Signal-Rapports enthalten, interessiert es fast niemanden, wie der der wirkliche Rapport ist. Hinzu kommt, dass speziell im CW-Contest die automatische Regelung von vielen abgeschaltet und dafür Handregelung genutzt wird, dann zeigt das S-Meter ohnehin nichts an. Oder auf den Lowbands werden spezielle Antennen genutzt, wie Beverages oder kleine Loops, die bis zu 20 dB geringere Pegel liefern, so dass S-Meter-Rapporte völlig unzutreffend wären. Um den Betrieb zu vereinfachen und zu beschleunigen, sende einfach „59“ oder „5NN“, auch wenn das Signal sehr schwach ist. In CW wird oft nicht 599 sondern 5NN gesendet. Der Buchstabe N ist der Kurzcode für 9 und deutlich schneller gesendet als 9 (Cut Numbers).

Was sind "Cut Numbers"?

Im Morsealphabet bestehen alle Ziffern aus fünf Strichen oder Punkten. Zahlen zu senden verbraucht dadurch recht viel Zeit. Wenn man genau eine Zahl erwartet, kann man auch die abgekürzten Zifferncodes senden und so viel Zeit sparen.

Number Normal Morse     Cut Number        Equivalent character 
0 dah-dah-dah-dah-dah   dah               T 
1 di-dah-dah-dah-dah    di-dah            A 
2 di-di-dah-dah-dah     di-di-dah         U 
3 di-di-di-dah-dah      di-di-di-dah      V 
4 di-di-di-di-dah       di-di-di-di-dah   4 
5 di-di-di-di-dit       dit               E 
6 dah-di-di-di-dit      dah-di-di-di-dit  6 
7 dah-dah-dit-dit-dit   dah-dah-dit       G 
8 dah-dah-dah-di-dit    dah-di-dit        D 
9 dah-dah-dah-dah-dit   dah-dit           N 

Die abgekürzten Ziffern ersetzen Folgen von Strichen durch einen Strich (außer bei der 5).

Meist werden jedoch nur die Ziffern 9 und 0 abgekürzt. In Contesten wie z.B. dem WPX, bei dem der Austausch aus RST + NR besteht, hat es sich eingebürgert, die 599 als 5nn zu geben; die laufende Nummer wird hierbei 3-stellig gegeben, mit führenden Nullen und diese werden wiederum als T abgekürzt. Aus 599 020 wird also oft "5nn t20".

Was bedeutet es, wenn eine Station im CW-Contest "TEST DL6MHW" oder "DL6MHW TEST" sendet?

Das ist ein kurzer CQ-Ruf, der Anrufer möchte von anderen Stationen angerufen werden. TEST ist die Abkürzung für CONTEST. Ein vollständiger Anruf wäre "CQ CONTEST DE DL6MHW K". Da man, um viele QSOs zu fahren, alles Überflüssige weglässt, wirst Du meist die kurze Variante des CQ-Rufs hören.

Wie soll ich auf einen solchen Anruf antworten?

Sende einfach Dein Rufzeichen. Und zwar nur ein Mal, wenn die Bedingungen gut sind. Wenn die Bedingungen schlecht sind und wenig Andrang herrscht, evtl. auch zweimal und evtl. mit "de" davor, so dass sich die CQ-rufende Station auf Dein Signal einstellen kann, ehe der erste wichtige Buchstabe kommt. Auf keinen Fall sollte man folgendermaßen antworten: "DL6MHW DL6MHW DE JA3XYZ JA3XYZ JA3XYZ K". Die CQ-rufende Station kennt ihr Rufzeichen und meist ist sie auch in der Lage, das Call der anrufenden Station sofort korrekt aufzunehmen. Bei einem solch langen Anruf würde ein guter Contester sicher einen anderen Anrufer bevorzugen, evtl. schon ein anderes QSO komplettiert haben.

Welche Art von Antwort habe ich zu erwarten und was bedeutet sie?

Dein Rufzeichen, den 59/5NN-Rapport und eine vom Contest abhängige Kontrollnummer. Hier einige Beispiele:

  • "JA3XYZ 5NN14" im CQ-WW-DX-Contest, "5NN" ist der Rapport und "14" die CQ-Zone, in der DL liegt.
  • "JA3XYZ 5NNW37" im WAG-Contest, "5NN" ist der Rapport und "W37" der DOK, den DL-Stationen im WAG verteilen.
  • "JA3XYZ 5NN211" im WAE-Contest, "5NN" ist der Rapport und "211" die aktuelle QSO-Nummer
  • "JA3XYZ 5NN211 EU128" im IOTA-Contest, "5NN" ist der Rapport und "211" die aktuelle QSO-Nummer, und „EU128“ die IOTA-Nummer der Insel Fehmarn.
  • "JA3YXZ 5NN211/JO40AB" im UKW-Contest, "5NN" ist der Raport, "211" die aktuelle QSO-Nummer und "JO40AB" der QTH-Locator.

In CW wird die Null oft durch das Morsezeichen für T ersetzt. Oft wird die führende Null weggelassen so das aus der Zone „59905“ die „5NN5“ wird oder aus der Nummer „599007“ dann „5NN7“ wird. Die Nummer wird nur einmal gesendet. Bekommst Du sie beim ersten Mal nicht mit, so kann mit „?“ oder „NR?“ nachgefragt werden.

Wie sende ich meinen Rapport?

Du sendest Deinen Rapport gefolgt von der Kontrollnummer, also der Zone, dem DOK oder der Seriennummer. Es ist nicht notwendig, das eigene Rufzeichen zu wiederholen, wenn es von der Gegenstation korrekt aufgenommen wurde – das kann zur Verwirrung führen. Wenn das Rufzeichen fehlerhaft war, solltest Du Dein Call nochmal senden, damit es die Gegenstation korrigieren kann. Das könnte so aussehen „DL6MHW DL6MHW 599W37“.

Wie geht es weiter?

Die Station bedankt sich kurz und lässt einen CQ-Ruf folgen: "TU DL6MHW TEST". Das ist das Ende des QSOs. Du brauchst Dich als Anrufer nicht weiter zu bedanken. Kommt aber kein TU (oder einfach TEST..), ist zu vermuten, dass es Rückfragen gibt. Dranbleiben und zuhören. Stattdessen kannst Du weiterdrehen und die nächste Station anrufen. Falls Du versuchst, Namen oder QTH auszutauschen, wirst Du auf wenig Gegenliebe stoßen, es sei denn, Du bist ein seltener Multiplikator, mit dem sich der CQ-Rufer gut stellen möchte.

Wie frage ich nach, wenn ich die Nummer nicht sicher verstanden habe?

"NR?" ist ausreichend, oft tut es auch ein „?“ an der richtigen Stelle. Wenn man sie dann aufgenommen hat, kann man das mit einem „TU“ signalisieren.

Was bedeutet es, wenn eine angerufene Station mit "DUP" oder "B4" antwortet?

Das bedeutet, dass die Station Dich bereits auf diesem Band oder dieser Betriebsart im Log hat. "B4" steht für "before". Wenn man der Überzeugung ist, dass man diese Station wirklich nicht im Log hat, so kann es in betriebsschwachen Zeiten helfen nach Nummer oder Uhrzeit zu fragen um den Fehler einzugrenzen. Das kann auch im Interesse der Gegenstation sein, denn das fehlende QSO wird sicher bei der Auswertung gestrichen.

Bei den grossen internationalen KW-Contesten von der CQ oder ARRL spielen gearbeitete Dupes keine Rolle. Während der Auswertung werden die doppelten QSOs automatisch ohne Punktabzug gestrichen. Es macht daher keinen Sinn, als CQ-rufende Station den Anrufer darauf aufmerksam zu machen, dass bereits ein QSO geführt wurde, da meistens daraufhin Rückfragen kommen. Das führt nur zu Verzögerungen und kostet wertvolle Betriebszeit. Läuft ein schöner Pileup, wird dadurch der QSO-Rhythmus gestört und es könnte passieren, dass eine wartende Station weiterdreht, also ein QSO verlorengeht. Also einfach das Doppel-QSO machen und weiter gehts.

Wie sieht ein komplettes Contest-QSO aus? (KW)

Hier ruft ZS1AN CQ ("running") und DK3W antwortet. Das Rufzeichen in eckigen Klammern ist das der sendenden Station. In runden Klammern sind Bemerkungen nachgestellt. Das Beispiel bezieht sich auf den CQWW Contest.

[ZS1AN] TEST ZS1AN (Abgekürzt für "CQ CONTEST DE ZS1AN") 
[DK3W]  DK3W (Nur Dein Rufzeichen)
[ZS1AN] DK3W 5NN38 (aufgenommenes Call + RST + CQ-Zone)   
[DK3W]  5NN14 ("599" und Zone "14") 
[ZS1AN] TU ZS1AN  TEST (Danke und weiter gehts) 

Folgendermaßen sieht es aus, wenn die rufende Station das Call falsch aufnimmt:

[ZS1AN] TEST ZS1AN 
[DK3W]  DK3W 
[ZS1AN] DK3A 5NN38 (Oops, ZS1AN hat das Call falsch)
[DK3W]  DK3W DK3W 5NN14 (Korrektur und Austausch)
[ZS1AN] DK3W TU ZS1AN TEST (Bestätigung, Dank und weiter)

Die anrufende Station hat den berechtigten Wunsch, das eigene Call einmal korrekt zu hören. Bei schlechten Bedingungen und leisem Signal kann die anrufende Station deshalb zur Sicherheit auch erst mal nur erneut ihr Call senden - ohne Nummer, also:

[ZS1AN] TEST ZS1AN 
[DK3W]  DK3W 
[ZS1AN] DK3A 5NN38 (Oops, ZS1AN hat das Call falsch)
[DK3W]  DK3W DK3W (nur Call, um ZS1AN auf den Fehler aufmerksam zu machen)
[ZS1AN] DK3W 5NN38 (so, diesmal richtig)
[DK3W]  5NN14 TU (Antwort und TU als Bestätigung des RST)
[ZS1AN] TU ZS1AN TEST (Bestätigung, Dank und weiter)

Folgende Regeln haben sich für die anrufende Station bewährt:

  • Sende niemals den Rapport, wenn Dein Call noch falsch ist. Das mag zwar nervig sein, aber im Pileup kann es vorkommen, dass trotz wiederholtem Call der gleiche Hörfehler auftritt. dann wäre ZS1AN der Meinung, dass er DK3A gearbeitet hat und antwortet mit TU. Nach diesem TU bricht der Ansturm erneut los und Du hast keine Chance mehr, das noch zu korrigieren. Das gilt insbesondere für RTTY.
  • sende niemals TU, solange Dir noch irgend etwas fehlt.

Wie sieht ein komplettes Contest-QSO aus? (UKW)

Auf UKW geht es wegen den geringeren QSO-Raten meist etwas langsamer zu als auf Kurzwelle. Viele nehmen sich die Zeit und begrüßen die anrufende Station noch mit GM, GA, GE und geben Rapport, laufende Nummer und Locator zweimal. Ohne große Floskeln sieht ein (CW) QSO auf UKW so aus:

[DA0RC] CQ TEST DA0RC (Abgekürzt für "CQ CONTEST DE DA0RC") 
[DP4K]  DE DP4K (DE: "aufwachen, hier kommt einer", Dein Call)
[DA0RC] DP4K 5NN38 / JO41RG K (aufgenommenes Call, RST + Nr / Locator)   
[DP4K]  R UR 5NN002 / JO41DM K (Bestätigung, RST + Nr / Locator) 
[DA0RC] TU DA0RC TEST (Danke und weiter gehts)

Was ist eine Seriennummer?

Viele Conteste velangen die Übermittlung einer Seriennummer nach dem Rapport. Dies ist sozusagen die QSO-Nummer, die man beginnend bei 1 mit jedem QSO hochzählt. Meist ist sie dreistellig mit führenden Nullen. Aber auch vierstellige Nummern sind keine Seltenheit. In CW werden oft die abgekürzten Zeichen für Ziffern benutzt ("TT1" oder sogar "TTA" für "001"). Multi-Multi-Stationen zählen die Seriennummer auf jedem Band separat. So kannst Du auf 20 m die 451 erhalten und einige Stunden später auf 160 m die 143.

Was ist "Multiplier Passing" oder „Verschicken“?

Beim "Multiplier Passing" fordert man nach dem gerade getätigten QSO die Gegenstation dazu auf, auf ein anderes Band zu wechseln, mit der Absicht ein weiteres QSO mit ihr zu machen. Der Sinn hierbei ist es, schnell einen (möglicherweise weiteren) Multiplikator arbeiten zu können. Wird man selbst gefragt, so muß man selbst entscheiden, ob man der Station den Gefallen tun will (vielleicht ist das QSO ja für einen selbst auch ein neuer Multiplikator). Andernfalls kann man den Vorschlag natürlich auch höflich ablehnen.

Die anfragende Station schlägt meist eine konkrete Frequenz vor, auf die man zu wechseln gedenkt, also z.B. "PSE QSY 14055". Bei Multi-Multi-Stationen ist das die Frequenz der anderen Bandstation – man kann dort fast sofort hereinrufen und wird schnell gehört. Auf diese Weise kann man auch über mehrere Bänder geschickt werden. Diese Methode ist am wirkungsvollsten, wenn man anrufende Stationen um QSY bittet. Wenn jemand selbst CQ ruft, ist er meist nicht geneigt, die Frequenz zu verlassen, um sie nicht zu verlieren.

Was ist "Running"?

Wenn eine Station auf einer Frequenz sitzt, dort CQ ruft und eine Station nach der anderen arbeitet, nennt man das Running-Betrieb. Auf diese Weise kann man, wenn alles stimmt, sehr viele QSOs fahren und eine hohe Rate erreichen. Man braucht ein gutes Signal oder muss „attraktiv“ sein, um von anderen Station gefunden zu werden, wobei dies vom Contest und den aktuellen Bedingungen abhängt. Wenn man CQ rufen will, hört man wie auch sonst, ob eine Frequenzlücke auch wirklich frei ist, fragt dann (SSB) oder gibt QRL? oder nur ? (CW) und legt los. Wenn dann gleich oder kurz darauf eine andere Station kommt und sagt/behauptet, schon immer hier CQ gerufen zu haben (weil sie vielleicht für das Arbeiten eines Multis "kurz" woanders war), hängt der weitere Verlauf von den Temperamenten der Beteiligten ab - also offener Kampf, wer bei gleichzeitigem CQ-Rufen mehr Antworten bekommt oder Methode "Der Klügere gibt nach". Solche gelegentlichen Konflikte gehören vor allem bei Contesten mit hoher Beteiligung genauso dazu wie Stationen, die langsam von Nachbarfrequenzen immer näher an die eigene CQ-Frequenz heranrutschen, weil sie selber QRM ausweichen. Verbissene Dispute kosten meist mehr Zeit, QSOs und Nerven als ein QSY.

Im WAG kann man in CW mit QRP Running-Betrieb machen. Im WWDX reichen auf 20 m in SSB 750 Watt und ein kleiner Beam kaum aus. Folgende Faktoren verbessern die Chance, mit Running-Betrieb Erfolg zu haben:

  • CW statt SSB: gefühlte 10 dB
  • 750 Watt statt 100 Watt: gefühlte 10 dB
  • Beam statt Dipol: gefühlte 10 dB
  • Seltener Multi sein: gefühlte 10 dB (WAG reicht schon ein W-DOK, im WWDX ist es natürlich nützlich, in der Karibik zu funken; EU-Länder mit niedriger Contestbeteiligung sind aber auch sehr gefragt, z.B. OZ)
  • YL-Stimme (in SSB): gefühlte 10 dB

Am besten funkt man also als YL mit 750 (1500) Watt und Beam aus der Karibik! (Fast) alles machbar...

Für den erfolgreichen „Running“-Betrieb muss man auch einen guten, d.h. flotten bzw. flüssigen Betriebsstil zeigen. Wenn man mit vielfachen Nachfragen und Call-Nennungen nur langsam funkt, verlieren wartende Contester schnell die Geduld. Wenn Du kein seltener Multi bist, drehen sie wahrscheinlich weiter. Der im UKW-Contest teilweise übliche Betriebstil ist vielen KW-Contestern schon zu schleppend.

Was ist "Search and Pounce"?

Search and Pounce (S&P) bedeutet, über das Band zu drehen, nach Stationen zu suchen, die CQ Contest (oder TEST) rufen und sie anzurufen (zuzuschlagen), wenn man die rufende Station benötigt. Es ist der einfachste Weg für den Einsteiger ins Contesten. Man hat die Chance, so lange zuzuhören, bis man das Call der rufenden Station sicher hat. Man ist nicht unter Druck, man kann auf diese Weise recht viele QSOs in der Stunde machen und vor allem viele Multiplikatoren sammeln. Es lohnt sich auch, nach leisen Stationen zu lauschen, denn oft sind das gerade die DX-Multiplikatoren.

Was versteht man unter "Single Operator Two Radio"-Betrieb?

Obwohl es hierfür keine eigene Teilnahmeklasse gibt, benutzen einige Contester zwei Transceiver simultan. Dies wird als "Single Operator Two Radio" oder "SO2R" bezeichnet. Typischerweise wird mit einem Transceiver im Running-Betrieb gearbeitet, während man mit dem anderen Transceiver über ein anderes Band dreht und nach Multiplikatoren sucht. Dies ist z.B. möglich, wenn der Computer an der Running-Station gerade einen CQ-Ruf morst. Der technische Aufwand ist beträchtlich. Man benötigt räumlich und HF-mäßig entkoppelte Antennen und Stationen. Die Herausforderungen an die Betriebstechnik und die Psyche des OPs sind fast noch größer. Man muss in der Lage sein, voll konzentriert zwei verschiedene Signale zu entziffern und richtig zu reagieren. Zum Anhören von SO2R hat K5ZD seinen WW-DX-Einsatz im Jahr 2005 mitgeschnitten und in 30-Minuten-Schnipseln auf seine Homepage gestellt <ref>Audio-Mitschnitte von K5ZD, CQWWDX 2005: https://k5zd.com/cq-ww-cw-2005/ in CW und https://k5zd.com/audio-2005-cq-ww-ssb/ in SSB</ref>.

Was ist ein Sprint? (Weihnachtscontest)

Ein Sprint ist ein Contest, bei dem die CQ-rufende Station der anrufenden Station nach dem QSO die Frequenz überlässt, die nun ihrerseits mit einem CQ ein neues QSO initiiert. Damit wird vermieden, dass das Band von QRO-Stationen belegt wird. Beim Sprint ist es wichtig, das Call der CQ-rufenden Station sofort zu hören, denn oft gibt es keine zweite Chance, denn eine andere Station macht das QSO und die erste Station ist dann weg. Der populärste Sprint in DL ist der Weihnachtscontest, der vom DARC veranstaltet wird.

Was ist ein "QTC"?

Im WAE-DX-Contest gibt es neben den QSO-Punkten und Multipliktoren auch die Möglichkeit, QTC-Punkte zu erwerben. Ein QTC ist eine kompakte Information über ein zuvor getätigtes QSO. Es wird von einer DX-Station an eine europäische Station gesendet. Damit wird im Contest sozusagen ein echter Nachrichteninhalt übertragen. Hörbeispiele zum Ausprobieren gibt es auf der Webseite von DL1MGB.


  • Running
  • Search & Pounce
  • Multissuchen
  • Multis schicken
  • SO2R
  • SO2V
  • Duelling CQ
  • ...